Soundtransit lädt zur akustischen Weltreise

Schon der erste Kontakt mit Soundtransit ist ein sinnliches Vergnügen. Eine spartanisch schöne Homepage mit einer Weltkartenskizze und drei Buttons auf weißem Grund. Die Seite erinnert entfernt an Web-Portale von Tourismus-Unternehmen. Und tatsächlich: Die Nutzer von Soundtransit können kostenlos eine Hörreise unternehmen. Die Orte wählen die Reisenden aus, auch Krisengebiete sind im Angebot. Das Erlebnis bleibt eine Überraschung.

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Unter der Oberfläche ist soundtransit eine Datenbank für Audiodateien – konkret: Feldaufnahmen aus der ganzen Welt, die von der Community hochgeladen werden. Im Idealfall geben diese Aufnahmen die Atmosphäre eines Ortes wieder. Diese O-Ton-Sammlung ist geografisch geordnet – merkwürdigerweise ohne Geotagging – und lässt sich nach Ländern oder nach dem Urheber durchsuchen. Ähnliche Sammlungen gibt es bereits. So kann man etwa bei Archive.org vergleichbare Sound-Dateien finden.

Das einzigartige Erlebnis von soundtransit liegt in der frappierenden Aufbereitung des Sound-Materials. Ähnlich wie auf einem Reiseportal können wir einen Abflugort, ein Ziel sowie beliebig viele Zwischenlandungen buchen. Der wesentliche Unterschied zu einer regulären Reise: Wir sparen uns die Langeweile und die Strapazen von Check-in und Flug und unternehmen die Reise rein akustisch und in der Phantasie.

Denn kein anderer Sinn regt die Vorstellungskraft stärker an als das Gehör. Die Geräusche eines Marktes in Damaskus, einer nächtlichen Straße in Chisinau, der Klang von Schlangenbeschwörern in Kathmandu – sie lassen unvermittelt Bilder entstehen, setzen Szenen in Bewegung. Es ist schwer, sich dieser akustischen Welt wieder zu entziehen. Die derzeit knapp mehr als 1.600 Aufnahmen bergen die Gefahr, sich im Umherschweifen zu verirren.

Geschaffen wurde soundtransit von einem dreiköpfigen Team in den Niederlanden: dem Klangkünstler Derek Holzer, der Medienkünstlerin und Grafikerin Sara Kolster und dem Entwickler Mark Boon. Wirtschaftliche Interessen scheinen die Macher von soundtransit nicht zu verfolgen.

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