ProSiebenSat.1: Keiner will Chef werden

Beim TV-Konzern ProSiebenSat.1 findet sich partout niemand, der den Job des scheidenden Vorstandschefs Guillame de Posch machen will. Der Aktienkurs liegt am Boden. Gerade berichtet der "Spiegel" über eine zusätzliche Sparrunde von 30 Mio. Euro. Bereits abgewunken haben laut "Spiegel" Bertelsmann-Vorstand Thomas Rabe, Ex-Premiere-Chef Georg Kofler, Ex-Bertelsmann- Chef Thomas Middelhoff und der scheidende EM.TV-Chef Werner E. Klatten. Eine interne Lösung ist jetzt wahrscheinlich.

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Der anerkannte TV-Experte de Posch verlässt die Sendergruppe zum Jahresende. Er hat offenbar genug, von den Gängeleien der ProSieben-Sat.1-Hauptaktionäre Permira und KKR. De Posch hatte die Leitung der Gruppe als Vertrauter von Haim Saban übernommen, als der 2003 die ProSiebenSat.1 Media AG aus der Konkursmasse von Leo Kirchs Medien-Imperium zum Schnäppchenpreis übernahm. Als Saban die Senderkette 2006 an die beiden Finanzinvestoren Permira und KKR mit glänzendem Gewinn weiterverkaufte, blieb de Posch an Bord. Seitdem ging es mit dem TV-Konzern bergab. 2008 reiht sich bisher Horror-Meldung an Horror-Meldung. Miserable Zahlen im 1. Halbjahr, Gewinnwarnung, Personal-Spekulationen umSevenOne -Chef Michael Krautwald. Jetzt berichtet der „Spiegel“, dass der Konzern in diesem Jahr noch einmal 30 Mio. Euro sparen soll. Zusätzlich zu der 70-Mio.-Sparrunde, die Vorstandschef Guillaume de Posch bereits ausgerufen hat.

Kein Wunder, dass es derzeit extrem schwerfällt, einen klangvollen Namen als Nachfolger für de Posch zu finden. Die Aktionäre suchen einen bekannten Medienmanager, einen, dessen Name eine Signalwirkung in die Branche hätte. Aber keiner will sich seinen Ruf mit einem Himmelfahrtskommando versauen. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt daher die in Krisenzeiten gernegenommene „interne Lösung“. Der ehemalige SBS-Chef und derzeitige Chief Operating Officer Patrick Tillieux wäre so der wahrscheinlichste Kandidat für die Neubesetzung des Vorstandsvorsitzes. Zur Not stünde auch noch Andreas Bartl bereit. Der gebürtige Heidelberger hat vom Kabel-Eins-Chefsessel über die ProSieben-Geschäftsführung bis hin als Verantwortlicher für das gesamte deutscheFree-TV eine raketenhafte Karriere im Konzern hingelegt. Gegen ihn spricht, dass er noch keine Vorstandserfahrung hat und sein Segment, das deutsche Free-TV, für die Krise im Haus verantwortlich ist. Schlimmstenfalls entsenden die Heuschrecken einen ihrer Vasallen interimsmäßig auf den ungeliebten Chefsessel.

Nach außen wäre solch eine interne Besetzung des vakanaten Top-Jobs freilich ein ungutes Signal. Das Wort „Zerschlagung“ steht im Raum. Die Manager bei Permira und KKR werden sich genau ausrechnen, was ihnen ihr Investment in die Gruppe künftig noch einbringen kann. Gut möglich, dass sie am Ende zur Überzeugung kommen, dass die Senderkette als Ganzes weniger wert ist als die Summe der Einzelteile. Mit RupertMurdoch stünde ein finanziell potenter Kauf-Kandidat bereit. Der alten Hai hat gerade erst die komplette Kontrolle über den Bezahl-Sender Premiere übernommen. Ein reichweitenstarker deutscher Free-TV-Kanal wie Sat.1 oder ProSieben würde da unter Umständen gut dazu passen.

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