Holtzbrinck feuert „Handelsblatt“-Manager

Verleger Stefan von Holtzbrinck greift bei der Verlagsgruppe Handelsblatt durch. Nach dem verkündeten Abgang des Chefs von Economy One, Philipp Wachter, wird bekannt, dass auch Laurence Mehl, Co-Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt, geht. Ausgerechnet die Konkurrenz von der "FTD" hat von der Top-Personalie Wind bekommen. Grund für Mehls Abgang seien Differenzen über die Ausrichtung des Unternehmens. Außerdem kauft Holtzbrinck insolvente Pin-Gesellschaften zurück.

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Es wird erwartet, dass bei der Verlagsgruppe Handelsblatt nun die Online-Abteilung von Economy One und der Print-Verlag radikal zusammengeführt werden. Dies liegt ganz im Sinne des online-affinen Verlegers Stefan von Holtzbrinck. Womöglich wollte Mehl diesen Schritt nicht in letzter Konsequenz mittragen. Holtzbrinck hatte Mehl erst im September 2006 von der WAZ Gruppe geholt. Mehl war dort unter anderem Geschäftsführer der Medien-Service-Gesellschaft und hatte das Crossmedia-Geschäft der WAZ vorangetrieben. Bevor er zu Holtzbrinck wechselte, wurde ihm eine steile Karriere in Essen vorausgesagt. Dass er nun bei der Verlagsgruppe Handelsblatt geht, kommt überraschend. Nach Mehls Abgang führt sein Co-Geschäftsführer Tobias Schulz-Isenbeck die Geschicke der VHB alleine.

Gut möglich, dass mit der weiteren Verschmelzung von Online und Print nun auch wieder die berühmten Synergien und damit Mitarbeiter freigesetzt werden. Dass sich Holtzbrinck wegen des kriselnden Print-Geschäfts ganz von der „Handelsblatt“-Gruppe trennen könnte, wie die „FTD“ weiter spekuliert, ist Unsinn. Holtzbrinck mag die Zukunft im Internet sehen, aber dort verdient er mit seinen Beteiligungen größtenteils noch überhaupt kein Geld. Holtzbrinck braucht Print-Titel wie das „Handelsblatt“ noch lange Zeit, um mit deren Gewinnen das Online-Geschäft richtig zum Laufen zu bringen.

Aber der Fokus liegt ohne Zweifel auf Online. Laut „FTD“ plant Stefan von Holtzbrinck einen neuen Fonds, um noch mehr als bisher in neue Online-Geschäfte zu investieren. Dabei ist Holtzbrinck breits der deutsche Verlag, der wahrscheinlich am meisten Geld in Start-ups steckt. Immerhin hat der Verlag mit seinen rund 85 Millionen Euro für StudiVZ den mit Abstand größten Web-Deal in Deutschland getätigt. Bei den Redaktionen von „Handelsblatt“ und „Wirtschaftswoche“ dürften diese Entwicklungen bestenfalls gemischte Gefühle auslösen. Einige Redakteure aus den Reihen von „Handelsblatt“ und „WirtschaftsWoche“ sind der Ansicht, dass sie als Gewinnbringer des Hauses knapp gehalten werden, um die Online-Extravaganzen des Ober-Chefs zu finanzieren.

Während Holtzbrinck bei der VHB Print und Online noch stärker verzahnt und womöglich eine Spar-Runde einläutet, gibt der Verlag auf der anderen Seite Geld aus, um zwölf Gesellschaften des pleite gegangenen Briefzustellers Pin Group zurückzukaufen. Damit wird Holtzbrinck im Raum Berlin zum zweitgrößten Postdienstleister nach der Deutschen Post. Die Pin Group wurde einst von Holtzbrinck, WAZ Gruppe und der Axel Springer AG gemeinsam gegründet. Springer hat dann für viel Geld alle Anteile übernehmen, um der gelben Post Konkurrenz zu machen, scheiterte aber an den eigenen zu hoch gesteckten Zielen und dem eingeführten Mindestlohn für Briefzusteller. Springer ließ die Pin Group pleite gehen und bilanzierte einen Verlust von 500 Mio. Für Holtzbrinck dürften die zurückgekauften Pin-Gesellschaften nun ein Schnäppchen gewesen sein. Keine Frage, wer sich in Sachen Pin-Group geschickter angestellt hat.

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