Bertelsmann will für RTL shoppen gehen

Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski hat sich viel vorgenommen: 30 Milliarden Umsatz soll der Konzern bis 2015 erwirtschaften, „ein ehrgeiziges Ziel“, so der Manager im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Trotz Trennung von der Musiksparte und dem Verkauf von Anteilen des Buchclub-Geschäfts heißt die Devise Wachstum. So hat die RTL Group gerade einen Zukauf in Griechenland angekündigt, weitere Schritte seien möglich. Im Online-Geschäft setzt Ostrowski auf Eigenentwicklung.

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Wachstumsmöglichkeiten sieht Bertelsmann-Chef Ostrowski im europäischen Rundfunk und im internationalen Produktionsgeschäft. So seien bei RTL Zukäufe möglich. Zuerst wollte Bertelsmann die RTL Group zu 100 Prozent übernehmen, anschließend wurde überlegt, stattdessen weitere Anteile zu verkaufen. Ostrowski rechtfertigt diesen Zickzack-Kurs: „Wir haben bei der RTL Group über Jahre unseren Anteil auf mehr als 90 Prozent erhöht. Es ist richtig, dass die geplante Aufstockung auf 100 Prozent an juristischen Problemen in Luxemburg gescheitert ist. Wenn wir jetzt über die Abgabe von Anteilen sprechen, ist das eine von mehreren Optionen.“

Trotz teilweisen Verkaufs sieht Ostrowski weiterhin Chancen im Buchclub-Geschäft: „Wir haben uns von den Buchclub-Aktivitäten in Nordamerika getrennt. Dann haben wir uns um die strategischen Perspektiven des Clubgeschäftes in Europa gekümmert. Schließlich haben wir für einige Randgebiete den Verkaufsprozess eingeleitet. Das betrifft nicht die Clubaktivitäten in Deutschland und anderen großen Märkten in Europa.“ Bertelsmann glaube an die Geschäfte und werde sie weiterentwickeln – etwa in Frankreich, wo man um den Buchclub herum Handelsaktivitäten geschaffen habe. Zudem wolle man in anderen Ländern die verlegerischen Kompetenzen in Kombination mit Bertelsmanns Verlagshaus Random House stärken. An diesem halte man ebenso fest wie an Gruner + Jahr.

„Wir haben uns von Geschäften mit schlechter Perspektive getrennt“, so Ostrowski gegenüber der „SZ“, „unser Wachstumsprofil hat sich durch die getroffenen Portfoliomaßnahmen verbessert“. So sei die Trennung vom Musikgeschäft nicht leicht gefallen und tue weh, doch der Verkauf des Anteils an Sony BMG sein notwendig und konsequent gewesen.

Im Internet will Bertelsmann bestehende Marken ins Online-Geschäft übertragen. Große Zukäufe wie bei anderen Medienkonzernen werde es nicht geben, so der Manager: „Von mehr als 3000 Start-up-Firmen mit einer Geschäftsidee kamen in den USA nur etwa zehn Prozent in die zweite Finanzierungsrunde – nur ganz wenige wurden solche Erfolge wie Google oder Ebay. Wer kann von sich behaupten, solche Erfolge vorhersehen zu können? Wir setzen bewusst auf Eigenentwicklungen kombiniert mit kleineren Zukäufen.“

Bisher war diese Bertelsmann-Strategie nicht direkt von Erfolg gekrönt. Der Versuch, aus eigenen Kräften die Online-Community Bloomstreet zum Erfolg zu führen, scheiterte kläglich.

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