WAZ-Chef: „Wir bohren online alle nach Öl“

Deutschen Verlegern, behauptet Christian Nienhaus, der neue Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe, fehlt noch immer eine durchschlagende Internetstrategie. „Im Onlinebereich bohren wir alle noch nach Öl, und bislang ist noch keiner auf die große Ölquelle gestoßen“, sagt Nienhaus im Gespräch mit der „Financial Times Deutschland“. Auch im eigenen Konzern bestehe „ganz klar Nachholbedarf“. Die WAZ betreibt u.a. das Portal DerWesten.

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Seit Juli leitet Medienmanager Christian Nienhaus, der vom Axel Springer Verlag kam, gemeinsam mit Bodo Hombach die WAZ-Gruppe. Die Bestandsaufnahme fällt nüchtern aus: „Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Axel Springer haben wir noch nicht viel Großes, Spektakuläres gemacht.“ Im Online-Bereich gilt der Essener Konzern, mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz der drittgrößte deutsche Zeitungsverlag, als Nachzügler. Während die Konkurrenten Axel Springer und Holtzbrinck sich durch Zukäufe wie dem Frauenportal Aufeminin.com und dem Netzwerk StudiVZ zu profilieren suchte, begnügt sich die WAZ weitgehend damit, die eigenen Medienmarken ins Internet zu bringen. Mit einer Ausnahme: Das im Oktober 2007 gestartete Portal „Der Westen“ kann als Versuchsballon gelten, auch die internen Zweifel an der vermeintlichen Cash-Cow Internet zu beseitigen. Inzwischen verzeichnet „Der Westen“ monatlich 42 Millionen Page-Impressions.

Denn der 48-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er das Onlinegeschäft für einen Schatz hält, der nur schwierig zu heben ist. „Ich weiß nicht genau, wohin sich das Internet entwickelt“, sagt Nienhaus. „Diejenigen, die behaupten, es zu wissen, müssten, wenn sie recht behalten, in fünf Jahren alle Milliardäre sein. Die Zeiten, in denen man glaubte, im Netz für seine Inhalte Geld verlangen zu können, sind vorbei.“

Trotz aller Internet-Skepsis: Alternativen zur Entwicklung einer erfolgreichen Online-Strategie hat auch die WAZ Mediengruppe nicht. Das Kerngeschäft schwächelt, die Auflage der täglich erscheinenden „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ ist in den vergangenen zwei Jahren um rund 60.000 auf 876.000 Exemplare zurückgegangen. Nienhaus hat mit der Ankündigung darauf reagiert, wie es sein Ruf als Sparkommissar vermuten ließ: Der Konzern müsse die Kosten senken.

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