Was der „Spiegel“ viel besser als „Time“ macht

Diesen Satz muß man zweimal lesen: „Part of our strategy is to get people to stop thinking we’re a weekly magazine“, sagt John Tyrangiel, ein führender Manager bei „Time“.  Wie bitte? „Time“ ist mit einer Auflage von 2,6 Mio Exemplare immerhin das größte Nachrichten-Magazin des Landes  – und nun sollen die Konsumenten bei dessen Namen […]

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Diesen Satz muß man zweimal lesen: „Part of our strategy is to get people to stop thinking we’re a weekly magazine“, sagt John Tyrangiel, ein führender Manager bei „Time“. 
Wie bitte? „Time“ ist mit einer Auflage von 2,6 Mio Exemplare immerhin das größte Nachrichten-Magazin des Landes  – und nun sollen die Konsumenten bei dessen Namen nicht mehr an die Wochenzeitschrift denken?  Besser kann man die Verzweifelung der US-Verleger mit ihren Printprodukten kaum ausdrücken. 

Anlaß für diese Äußerung ist mal wieder ein Relaunch der „Time“-Website, der zweite in den letzten 16 Monaten. Dieses kurze Intervall kann man getrost als Indiz werten, dass die Zeitschrift im Internet so erfolgreich nicht sein kann. 
Ein Blick auf die Statistik bestätigt das:

Während „Spiegel Online“ in Deutschland klar die Internet-Charts anführt, rangiert Time.com (blaue Kurve) in den USA abgeschlagen auf den Rängen. Konkurrenten wie CNN (grüne Kurve) und New York Times (gelbe Kurve) sind deutlich erfolgreicher. Und selbst die Nachrichten-Community „Digg“ (rote Kurve), von 2 jungen Leuten vor wenigen Jahren gegründet, liegt noch vor dem  Flagschiff des größten Medienkonzerns der Welt.  

Beim Vergleich mit Deutschland fällt einem auf, wie klug und entschlossen der „Spiegel“ die letzten Jahre agiert hat. Während „Time“ im Internet viel zu zaghaft vorgegangen ist, hat sich das deutsche Pendant an die Spitze der Entwicklung gesetzt – mit exklusiven Stories und gutem Journalismus. Beim „Spiegel“ hat man das Gefühl, hier entsteht wirklich eine omnipräsente Medienmarke. Dazu passen auch die Fernsehaktivitäten.  
Egal wie heftig die Printkrise die nächsten 10 Jahre noch wird, der „Spiegel“ wird mit seiner Dreiteilung Print-Internet-Fernsehen überleben. Und es scheint eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann der „Spiegel“ im Internet mehr Umsätze generiert als im Print. Kompliment, die Verantwortlichen in Hamburg haben da viel richtig gemacht.  
Von „Time“ kann man das nicht sagen: 

  • die Auflagenkurve des Nachrichtenmagazin zeigt dramatisch nach unten. In kurzen Zeit ist sie von 3,1 auf 2,6 Mio Exemplare gefallen
     
  • und die Manager haben es nicht geschafft , die Marke nachhaltig im Internet durchzusetzen. Gerade im US-Mediengeschäft gilt: „The winner takes it all“.

Bei soviel Frust überlegt TimeWarner jetzt, sich ganz vom Zeitschriftengeschäft zu trennen. Aber wer immer das Nachrichten-Magazin kauft, muß schon ein kleines Wunder vollbringen, um die Versäumnisse im Web aufzuholen. Meine Prognose: in ein paar Jahren wird „Time“ den gleichen Weg gehen wie das inzwischen eingestellte „Life“. Ein Dinosaurier stirbt.  

PS. Ach ja, der Relaunch von Time.com. Die Seite sieht sauber und ordentlich aus, aber aufregend ist etwas anders. Einziger Lichtblick ist die Rubrik „Election 08“ mit seinen Blogs. Aber innovative Tools? Fehlanzeige. Ungewöhnliches Layout? Fehlanzeige. Und einen aktuellen Newsüberblick bekommt man anderswo deutlich besser.

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