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Oliver Gehrs‘ „Dummy“ adelt das Plagiat

Auf dem Cover liegt Schlagersänger Roberto Blanco in einer Badewanne mit Milch, darüber prangt der Ausgaben-Titel „Schwarze“. Die neue „Dummy“ ist da, aufgemacht nach Vorlage des weltbekannten Annie Leibovitz-Fotos von Whoopi Goldberg. So plagiativ das Bild, so provokant der Titel – obwohl schon deutlich abgeschwächt. „Neger“ sollte die 20. Ausgabe des Berliner Magazins ursprünglich heißen, nach einer Protest-Welle wurde der Titel geändert.

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„Das Heft heißt also nicht Neger“, schreibt Gehrs im „Dummy“-Blog, „all die netten Menschen, die sich hier vor geraumer Zeit die Köpfe heiß kommentiert und uns Rassismus vorgeworfen haben, können also ganz entspannt sein. Und wir Gott sei Dank auch.“ Es habe so unendlich viele Fallstricke gegeben, „politische Korrektheiten, die, vor allem, wenn sie von bornierten Menschen vorgetragen werden, doch sehr dazu reizen, sie zu missachten.“

Also Provokation um des Provozierens Willen? Nein, das wolle man nun auch nicht, so der Herausgeber. „Wir finden, es ist ein Heft entstanden, das weder zu korrekt, noch in irgendeiner Art und Weise diskriminierend ist. Dass wir uns letztlich doch sicher mit der Heftmischung fühlen, haben wir auch der Diskussion an dieser Stelle zu danken. Nun sind Heldengeschichten drin, aber auch Abstürze, schwarze Brüste und schwarze Dealer, weiße Stellen und tolle Mohren-Logos. Es würde uns freuen, wenn die Blattkritik auch hier anlandete!“

Kritik erntete nicht nur der ursprüngliche Titel-Vorschlag. Ein paar der „10 Gründe, warum das Magazin nicht „Neger” heißen kann“ im Dummy-Blog gossen zusätzlich Öl ins Feuer:  „Weil es wohl doch nur Helmut Schmidt nicht übel genommen wird, das Wort in den Mund zu nehmen“, steht dort unter anderem zu lesen, oder auch „weil wir keine Lust auf weitere Hass-Mails haben“. Desweiteren: „Weil die beabsichtigte Dialektik, dass das Wort auf dem Cover eben nicht nur eine Personengruppe beschreibt, sondern den Diskurs um begriffliche Zuschreibung und Diskriminierung gleich mit, anscheinend von zu wenigen auf Anhieb verstanden wird.“

Doch warum dann die Diskussion im Vorfeld? Doch nur ein „Akt Aufmerksamkeits-Strategie“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ fragt? „Es stimmt zum Teil, dass wir unser Magazin über sowas ins Gespräch bringen. Natürlich ist das auch eine PR-Nummer, absolut. Wir fühlen uns aber gerechtfertigt. Das ist ein Thema, das unbehandelt und damit umso wichtiger bleibt, journalistisch herausragend. Es hat großen Spaß gemacht, sich dieser Herausforderung zu stellen“, sagte Oliver Gehrs in einem Interview mit der Zeitung.

„Ein bisschen Spaß muss sein“, steht neben Roberto Blanco auf dem Cover. Stünde darüber „Neger“ und nicht „Schwarze“, wäre der sicher schnell vorbei gewesen.

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