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Magazin-Imperium umfasst 24 Länder

Gruner + Jahr im Ausland – eine (fast) lupenreine Erfolgsstory. Der Verlag holt immer noch über die Hälfte seines Umsatzes (2007: 54,2 Prozent) außerhalb Deutschlands. Es waren zwar schon mal über 60 Prozent, was daran liegt, dass das USA-Geschäft 2005 verkauft wurde. Traditionell in Frankreich, aber inzwischen auch in China sind die Hamburger nach wie vor stark. Wo es zwackt und wo Rubel und Yuan rollen, analysieren wir im dritten Teil unserer Serie.

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Der Name eines Mannes ist mit dem Erfolg von Gruner + Jahr im Ausland untrennbar verbunden: Axel Ganz. Legendär und oft erzählt ist die Anekdote, wie Ganz bescheiden mit rotem Samsonite-Koffer und Reiseschreibmaschine in Paris ankam. Und dann in den folgenden Jahren die Prisma Presse aufbaute, die französische Dependance von G+J und bis heute wichtigster Umsatzträger des Konzerns im Ausland. Das Frankreich-Geschäft alleine steuerte 2007 knapp 18 Prozent des gesamten Gruner-Umsatzes bei. Das Magazin-Flaggschiff „Femme Actuelle“ erreichte im vergangenen Jahr in unserem schönen Nachbarland laut Verlagsangaben knapp sieben Millionen Leser.

Bis in die 2000er Jahre hinein war Ganz in Frankreich aktiv und kreativ. 2004 gründete er mit „Télé 2 Semaines“ und „TV Grandes Chaines“ die ersten 14-täglichen Programmzeitschriften. Ende 2005 übergab er, sanft gedrängt, als lebende Legende die Amtsgeschäfte bei der Prisma Presse dem ehrgeizigen Fabrice Boé. Seine Zuständigkeiten für das USA-Geschäft und weitere Länder hatte Ganz bereits vorher an den neuen Auslands-Vorstand Torsten-Jörn Klein abgetreten.

Ganz blieb aber weiter im Geschirr, der Mann kann wohl nicht anders. Er entwickelte mit Gruner + Jahr zusammen die französische Frauenzeitschrift „Jasmin“, die 2007 aber wieder eingestellt wurde. Das Frankreich-Geschäft ist und bleibt für G+J aber ein extrem wichtiges Standbein. Die Bedeutung lässt sich auch daran ablesen, dass Boé 2006 in den Vorstand berufen wurde. Somit ist Frankreich das einzige Land, neben Deutschland natürlich, für das G+J ein eigenes Vorstandsressort unterhält.

Die Prisma Presse hat im Jahr 2007 Erlöse in Höhe von 585 Millionen Euro erzielt und 44 Millionen Euro verdient. Seine Digital-Angebote will Monsieur Boé ab dem Jahr 2010 profitabel sehen. Mit dem Luxus-Frauenmagazin „Femmes“ wurde im Sommer 2008 sogar wieder ein neues Magazin gewagt und Boé will künftig verstärkt Produkte wie Kurzwaren und Fahrräder verkaufen. Der Franzose scheint Kundruns Motto, „Expand Your Brand“, bereits mit der Muttermilch aufgesogen zu haben. Und auch Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski im fernen Gütersloh dürfte den zupackenden Boé ganz als Mann in seinem Sinne erleben. Vielleicht locken ja irgendwann noch größere Aufgaben.

Die geografische und mentale Ferne

Gut läuft es für Gruner + Jahr auch in China. 2006 beteiligte sich der Verlag mit 48 Prozent an dem großen chinesischen Zeitschriften-Vermarkter Boda, der unter anderem die auflagenstarken Frauentitel „Ray Li Fushi Meirong“, „Ray Li Yi Ren“, „Ray Li Xiang Feng“ sowie das Lifestyle-Magazin „Ray Li Jia Ju“ im Portfolio hat. Außerdem hat Gruner in China „Cars + Motors“, „Parents“, „Fitness“ und den populärwissenschaftlichen Erfolgs-Titel „Focus“ im Programm.

Ganz unproblematisch ist das China-Geschäft freilich nicht. So wird dem Vernehmen nach derzeit ein neuer Geschäftsführer für Boda gesucht, weil der alte mit der „G+J-Kultur“ nicht zurechtgekommen sein soll, wie es in der Branche heißt. Und mit Bauer tummelt sich ein weiterer potenter deutscher Großverlag im Reich der Mitte. Bauer China bringt unter anderem die hochauflagige Frauenzeitschrift „Du Shi Li Ren“ heraus.

Geografisch näher – von der Mentalität her aber auch öfter mal sehr weit weg – ist die Verlagsgruppe News in Österreich. Mit dem alpenländischen Hang zum Grant und zum Schmäh haben die Hanseaten bisweilen so ihre Problemchen. G+J hält 56 Prozent an der Verlagsgruppe, die von den Ösi-Brüdern Fellner gegründet wurde. Die Fellners machen ihrem alten Laden mittlerweile mit der Tageszeitung „Österreich“ selbst Konkurrenz, haben dabei aber auch ordentlich zu kämpfen.

Die Verlagsgruppe News steht unter der Leitung von Gruners Wien-Statthalter Oliver Voigt dagegen weiter gut im Saft. Südlich der Alpen, in Italien, reüssiert der Großverlag seit 1989 – noch ein Verdienst des unermüdlichen Magazin-Botschafters Axel Ganz. Das Joint Venture G+J/Mondadori gilt als Erfolgsstory. Vor allem das populärwissenschaftliche Magazin „Focus“ mit einer Auflage von über 600.000 Exemplaren (Stand 2007) ist für viele Länder zum Erfolgsmodell geworden. Dabei basiert „Focus“ seinerseits auf dem Konzept der spanischen Zeitschrift „Muy Interesante“.

Das Exportieren von Zeitschriften-Konzepten über Ländergrenzen hinweg hat Gruner + Jahr mittlerweile zur Perfektion getrieben. Vor kurzem wurde sogar der Nischentitel „Dogs“ nach Frankreich exportiert. Nur mit dem Import hapert es ein bisschen. Der Versuch, die Ösi-Erfolgszeitschrift „Woman“ auf den deutschen Markt zu bringen, scheiterte bekanntlich recht spektakulär. Es geht halt schon verteufelt eng zu im deutschen Zeitschriftenmarkt. 2007 erwirtschaftete jedenfalls die Italien-Dependance eine Umsatzrendite von satten 20 Prozent. Im schwierigen italienischen Markt mit seinen vielen Magazin-Beigaben (CDs, Flipflops) und knappen Anzeigenpreisen eine stolze Leistung.

In Spanien gibt es derzeit nicht ganz so viel Anlass zur Fiesta. Hier spürt der Verlag die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, die zum Beispiel die spanische Immobilien-Branche und Finanzwelt weit stärker gebeutelt hat, als es hierzulande der Fall ist. „Der Magazinsektor in den westeuropäischen Märkten entwickelt sich weiter rezessiv“, diagnostizierte Bernd Kundrun denn auch bei der Vorstellung der jüngsten Halbjahreszahlen. Weitere neue Magazine, neben „Femmes“ im 1. Halbjahr, waren internationale Ausgaben von „Geo“. Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Indien rückten auf die große G+J-Landkarte. Damit ist der Verlag nun in 24 Ländern außerhalb Deutschlands mit Zeitschriften aktiv.

Der Rückzug aus den USA

Der eine große Rückschlag, den das Auslandsgeschäft von G+J verkraften musste, war der jammervolle Rückzug aus den USA im Jahre 2005. Gruner war lange Jahre dort präsent. Im Überschwang der New Economy hat der Verlag das US-Wirtschaftsblatt „Fast Company“ für überteuerte 365 Mio. Dollar eingekauft. Ein herber Fehler, wie sich später herausstellte.

Es gab nichts als Probleme in den USA. Neben dem schwächelnden Umsatz sorgte ein monatelanger Rechtsstreit mit der ehemaligen Talkshow-Moderatorin Rosie O’Donnell für böse Schlagzeilen. O’Donnell und G+J lieferten sich eine regelrechte Schlammschlacht über das Magazin „Rosie’s“; in deren Verlauf kam heraus, dass Mitglieder des Managements von G+J USA Auflagen-Zahlen manipuliert hatten. Die Meldungen schwappten über den großen Teich und im stockseriösen Verlagshaus am Hamburger Baumwall war man gar nicht amüsiert. Kundrun beendete den US-Spuk, in dem er die Zeitschriften an den US-Verlag Meredith verkaufte.

Das USA-Debakel wirft einen leichten Schatten auf die ansonsten weitgehend makellose internationalen G+J-Bilanz. Kein anderer deutscher Verlag hat es geschafft, sich so konsequent in so vielen unterschiedlichen Magazin-Märkten zu etablieren. Den Grundstein hierfür hat Axel Ganz gelegt. Seine Nachfolger pflegen das Erbe mit Eifer und auch mit Erfolg.

In der nächsten Folge der MEEDIA-Serie zu Gruner + Jahr analysieren wir die G+J-Beteiligungen: vom „Spiegel“-Verlag über die Motor-Presse bis hin zum Druck-Unternehmen Prinovis.

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