Finanzkrise lähmt den US-Medienmarkt

Analysten und Fonds-Manager in den USA sind sich einig: Die Lage auf dem Medien- und Entertainment-Markt wird sich kurzfristig nicht verbessern. Daran konnte auch die Erholung an den Aktienmärkten vom Freitag nichts ändern. Die Hypothekenkrise drückt massiv auf die Bereitschaft der Banken, Kredite zu gewähren; große Deals sind vorläufig nicht zu erwarten. Rupert Murdoch glaubt trotzdem an einen heilsamen Prozess: "Die Dinge werden sich radikal ändern. Und ich glaube zum Besseren."

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Die meisten Medien-Werte befinden sich auf einem Rekordtiefstand. Die Aktie von CBS-Corp hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als die Hälfte eingebüßt, Viacom fiel um 37,5 Prozent, Time Warner verlor 29 Prozent. Stimmrechtslose Aktien von News Corp. fielen um 43,5 Prozent. Nur Walt Disney Co. blieb in unruhigen Zeiten stabil. Die Liste der Verlierer ließe sich allerdings beliebig fortführen.

Dabei flossen die Werbeerlöse der großen US-Medienkonzerne aus nationalem Fernsehen und Kabel-TV beinah unverändert. Es sind die lokalen /regionalen Sender, die am meisten unter der Digitalisierung zu leiden haben und die für die katastrophalen Verluste der vergangenen Jahre verantwortlich sind.

„Dem gesamten lokalen Fernsehmarkt geht es derzeit sehr schlecht“, stellte auch Rupert Murdoch im FoxNews-Interview fest. „Alles, was von Werbung für den Endverbraucher abhängt, ist in der Klemme. Die Zeitungsindustrie im ganzen Landes befindet sich in einer echten Krise.“
Fonds-Manager und Analysten glauben, dass weder Aktienrückkäufe noch staatliche Intervention das Problem lösen können. Der Chef des Medien-Investmentunternehmens Vogel Capital Management, Hal Vogel, verweist auf das Beispiel Time Warner. Der Konzern hatte – übrigens auf Drängen des Milliardärs und Aktionärs Carls Icahn – Anteile des eigenen Unternehmens im Gesamtwert von 20 Milliarden Dollar zurückgekauft, als die Aktie bei 20 Dollar stand. „Jetzt wird sie für etwas mehr als 13 Dollar gehandelt. Was für eine Kapitalverschwendung“, entrüstet sich Vogel.

Aber auch ein Eingriff durch den Staat werde die Lage nicht wirklich verbessern, glaubt Tuna Amobi, Analyst für Entertainment von Standard & Poor’s Equity. Zersplitterung und ein deutlich verändertes Konsumentenverhalten mache den Medienmarkt unberechenbar und unattraktiv für Investoren. „Wir erwarten einen weiteren wirtschaftlichen Abschwung im vierten Quartal dieses und im ersten Quartal kommenden Jahres“, sagt Amobi. Danach sollte sich der Werbemarkt insgesamt erholen, wenn auch nicht spektakulär.

Große Investitionen im Medien-Sektor sind zur Zeit ohnehin nicht zu erwarten. Die US-Hypothekenkrise hat sogar Investmentbanken wie Merrill Lynch an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Geld ist knapp.

Die Banken sind so verunsichert, befindet Murdoch, „sie würden sich nicht einmal gegenseitig Geld leihen. Warum sollten sie Kredite an Sie oder mich vergeben?“

„Kredite sind im Sog der Hypothekenkrise viel schwerer zu erlangen“, sagt auch Hal Vogel, „nicht nur für Privatpersonen, sondern ebenso für große Unternehmen.“ Mit einer Erholung der Wirtschaft rechnet er frühestens in drei bis fünf Jahren.

Rupert Murdoch zeigt sich gleichwohl optimistisch, er glaubt, dass es sich bei dem derzeitigen Prozess um eine schmerzhafte Gesundung des Marktes handelt. „Ich glaube, das Finanzmodell wird künftig ganz anders aussehen. Die Banken werden weniger verschuldet sein. Sie werden wieder ganz normal Geld verleihen.“

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