DuMont rüstet sich für Zeitungskrise

So schlimm wie in den USA, wo in der Zeitungsbranche tausende Jobs verloren gehen, ist es noch nicht, aber deutsche Zeitungshäuser stellen sich auch hierzulande auf dürre Zeiten ein. Der Kölner Traditionsverlag M. DuMont Schauberg hat seine Bilanz für 2007 vorgelegt. Im vergangenen Jahr wurden bei den Kölnern (u.a. "Express", "Kölner Stadt-Anzeiger") 343 Stellen abgebaut. Der Abbau wird im laufenden Jahr mit einem Abfindungsprogramm fortgesetzt.

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Für die Zukunft rechnet der Verlag mit sinkenden Umsätzen. Im vergangenen Jahr hat DuMont den Umsatz um 12,5 Prozent auf 626,2 Millionen Euro gesteigert. Das Wachstum resultiert aber fast vollständig aus dem Zukauf der „Frankfurter Rundschau“. Das operative Ergebnis der Gruppe ging dafür von 72,5 Millionen auf 67,6 Millionen Euro zurück. Schuld sind Abschreibungen auf den Briefzustelldienst Pin West Mail. Ohne diese Sonderbelastung wäre das operative Ergebnis auf 77,6 Milliionen Euro gestiegen, sagte DuMont-Geschäftsführer Heinz Kiegeland in der hauseigenen „Frankfurter Rundschau“.

Der Verlag kämpft aber, wie alle Zeitungshäuser, mit der rückläufigen Tendenz des Marktes. Durch die Bank haben die deutschen DuMont-Titel 2007 an Auflage verloren. Der „Stadt-Anzeiger“ und die „Kölnische Rundschau“, die nur zusammen ausgewiesen werden, verloren 2,6 Prozent auf knapp 346.000 Exemplare, der „Express“ verlor 3,3 Prozent auf 216.000, die „Mitteldeutsche Zeitung“ vier Prozent auf 244.000 und die „Frankfurter Rundschau“ 3,2 Prozent auf 152.000 Exemplare. Das operative Vertriebs- und Anzeigengeschäft ist leicht rückläufig. Kein Wunder also, dass der Verlag versucht, mit Abfindungen die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren. Nach dem Abbauprogramm 2007 arbeiteten noch 3.564 Leute bei DuMont.

Die Hoffnung liegt bei DuMont wie anderswo im Digitalen. In fünf Jahren will der Verlag ein Viertel seines Umsatzes mit digitalen Angeboten erwirtschaften. 2007 steuerte das Internet knapp sechs Millionen Euro zum Gesamtumsatz von 626 Millionen Euro bei. Rechnet man allerdings die Umsätze aus den Pflicht-Veröffentlichungen des „Bundesanzeigers“ (amtliche Bekanntmachungen) im Internet dazu, kommt die Digital-Sparte schon 2007 auf einen Umsatz von 31,6 Millionen Euro. Der Verlag verfügt mit DuMont Ventures über eine eigene Beteiligungsgsellschaft und hat auch selbst zahlreiche Online-Projekte angeschoben. So betreiben die Kölner u.a. mit LizzyNet eine Community für Mädchen und mit Diskret.de einen Online-Erotikführer. Außerdem werden die Angebote „Express.de“ und „ksta.de“ vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ ständig ausgebaut.

Die mittelfristige Zukunft sehen die DuMonts eher weniger prickelnd. Steigende Papierpreise, ein Rückgang der Stellenanzeigen aufgrund der Konjunkturschwäche, ein Abwandern von Anzeigen hin zu anderen Werbeträgern und weiter sinkende Auflagen trüben die Stimmung. Verleger und Aufsichtsratschef Alfred Neven DuMont bekennt sich trotzdem zu dem Medium, das seinen Verlag groß gemacht hat. Der gedruckten Tageszeitung komme in der Meinugnsbildung weiterhin eine Rolle zu „wie keiner anderen Mediengattung, sagte er. Zum Beweis, dass er weiter an das gedruckte Wort glaubt, hat DuMont eine neue Druckmaschine bestellt, die im Frühjahr 2009 in Köln in Betrieb gehen soll.

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