Neue Nachrichten bekommt das Land

Nach Zoomer.de passierte lange nichts mehr. Das Nachrichten-Experiment der Verlagsgruppe Holtzbrinck war das letzte große News-Projekt, das im deutschen Web online ging und sich Hoffnung machte Bewegung in die festgefahrene einheimische Informations-Landschaft zu bringen. Zoomer versucht sich an einer neuer Nachrichten-Logik, die dem Nutzer mehr Einfluss einräumt. Das war im Februar. Seitdem blieben weitere innovative […]

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Nach Zoomer.de passierte lange nichts mehr. Das Nachrichten-Experiment der Verlagsgruppe Holtzbrinck war das letzte große News-Projekt, das im deutschen Web online ging und sich Hoffnung machte Bewegung in die festgefahrene einheimische Informations-Landschaft zu bringen. Zoomer versucht sich an einer neuer Nachrichten-Logik, die dem Nutzer mehr Einfluss einräumt. Das war im Februar. Seitdem blieben weitere innovative Nachrichten-Angebote aus. Bis jetzt, denn auf einmal gibt es drei neue interessante Projekte.

Erstens: Focus plant Nachrichten-Aggregator. Auf der OMD in Düsseldorf verriet  Focus Online-Chef Jochen Wegner (Foto), dass im Frühjahr 2009 die automatisierte News-Plattform Nachrichten.de starten soll. „Wir sehen da noch viel Potential auf dem deutschen Markt. Außer Google News gibt es da eigentlich nichts“, sagte Wegner. Eine Entwicklungsredaktion bastelt gerade an dem Auftritt und orientiert sich dabei an US-Vorbildern wie etwa topix.com.

Die amerikanische Seite ordnet Nachrichten nach Kategorien, Ländern und Regionen. Hinter Topix.com stehen unter anderem die beiden großen US-Zeitungsverlage Tribune Company und Gannett.
Zweitens: Die Leipziger Web-Company Unister GmbH will in den nächsten Tagen die Nachrichtenplattform News.de launchen. „Anfangs mit 20 Redakteuren, angeblich bald mit 50, ja 100. Wie das finanziert werden soll – unklar“, fasst Turi2 eine Meldung von New Business zusammen. Bislang betreiben die Leipziger „Special Interest-Angebote“ wie auto.de, shopping.de, fluege.de. Nicht bekannt ist, wie das neue Portal optisch und inhaltlich aussehen wird und wie es im Markt positioniert werden soll. Alleine die sehr wertvolle und teure Domain lässt vermuten, dass Unister bereit ist Einiges zu investieren.
Drittens: Spiegel Online wird europäisch. Das hamburger Nachrichtenportal will mit der niederländischen Tageszeitung „NRC Handelsblad“ ein Netzwerk englischsprachiger Webseiten aufziehen. Vorbild ist die länderübergreifende Airline-Kooperation wie Lufthansas „Star Alliance“. „Wir wollen dieses Konzept auf den europäischen Journalismus übertragen“, erklärt Spiegel-Online-Chefredakteur Rüdiger Ditz. So will der Spiegels mehr Leser in Europa und Übersee erreichen – so die offizielle Version.
Tatsächlich muss Spiegel Online jedoch dringend nach Europa expandieren. Deutschland ist mittlerweile zu klein. Die schlimmste aller Web-Sünde ist Stillstand und dieser droht dem Spiegel. Denn mit über 86 Millionen Besuchern pro Monat kann Ditz kaum noch mehr einheimische Leser erreichen. Logische Schlussfolgerung: Expansion. Da die eigene englische Ausgabe bislang für wenig Aufsehen sorgte, probiert man es jetzt halt mit einer europäischen Allianz-Lösung. Die Konkurrenz wird die Entwicklung des neuen Portals genau beobachten.
Denn: Bild.de steckt mit seinen 64 Millionen Unique Visitors pro Monat fast schon in einem ähnlichen Dilemma. Aber auch das Springer-Portal wagte einen ersten Test neuer Sprach-Versionen. Während der Fußball-Europameisterschaft präsentiert sich der Sportteil in Englisch und Türkisch.

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