Die dicke „ramp“-Sau

„ramp“ heißt das ebenso dicke wie teure (15 Euro) Auto-Magazin aus dem schwäbischen Reutlingen. „ramp“ erscheint im Red Indians Publishing Verlag, der wiederum eine Unter-Einheit der Agentur Köckritz Dörrich ist, die unter anderem auch, passend, ein Lamborghini-Kundenmagazin produziert. Das dicke Ding (aktuelle Ausgabe: 288 Seiten) wurde bereits mit Preisen überschüttet: Lead Award, Mercury Award in […]

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„ramp“ heißt das ebenso dicke wie teure (15 Euro) Auto-Magazin aus dem schwäbischen Reutlingen. „ramp“ erscheint im Red Indians Publishing Verlag, der wiederum eine Unter-Einheit der Agentur Köckritz Dörrich ist, die unter anderem auch, passend, ein Lamborghini-Kundenmagazin produziert. Das dicke Ding (aktuelle Ausgabe: 288 Seiten) wurde bereits mit Preisen überschüttet: Lead Award, Mercury Award in New York, Type Award in Berlin. Endlich, endlich ein Automagazin, das frischen Wind in das Segment bringt, meint man die Juroren zu hören.

Versuche, dem Genre Automagazin ein wenig mehr Sex jenseits seitenlanger Test-Tabellen zu verpassen, gab es ja einige. „Car“ vom damaligen Attic Futura Verlag, „Men’s Cars“ von der Rodale Motor-Presse und „GQ Cars“, das es in punkto Opulenz und Dicke noch am ehesten mit „ramp“ aufnehmen konnte. Gescheitert sind sie alle. Bis auf „ramp“. Der Copypreis von 15 Euro ist schon ein Schlag ins Gesicht. Noch dazu ist „ramp“ pickepackevoll mit High-Class-Anzeigen. Klar, die Produtkion von dem Teil wird nicht billig sein, aber es sieht nicht nach einem betriebswirtschaftlichen Nullsummenspiel aus. Insofern: Hut ab vor Macher Michael Köckritz und seiner Crew.

Die Hefte haben jeweils ein Leitthema. Ich habe mir die Ausgabe zum Thema „Helden“ vorgenommen. Im Heft gibt es sehr viel avantgardistisch anmutendes Layout. Man merkt, dass hier eine Agentur am Werke ist und kein Verlag. Die Fotos sind durchweg großartig und glatt poliert. Viele Bildertrecken wirken wie aus dem Produktkatalog eines Herstellers. So hat Mitsubishi freundlicherweise die Fotos für die Geschichte zum erfolgreichen Rallye-„Helden“ Lancer Evolution beigesteuert. Mercedes darf jauchzen über PR-mäßig overstylte Bilder zu seinem SL-Roadster und BMW Mini steuert die Fotos zu einer seltsamen Bilderstrecke mit einer Frau in Leder-Unterhosen und abgeklebten Brüsten bei. Gesponsert von der Unterhosen-Firma Agent Provocateuer, pardon, dem Kult-Lingerie-Label.

Muss vielleicht alles so sein, wenn man solch üppigen Bildstrecken bezahlbar halten will. Bei den Strecken ist auch jeweils brav angemerkt, wer die ganze Chose bezahlt hat, insofern alles sauber. Richtig merkwürdig geraten ist aber die Geschichte einer attraktiven Drillings-Mutter, die ein Loblied auf den Van Grand Voyager von Chrysler singt, samt den dazugehörigen Spitzenfotos von Mama, Kindern und Auto. Die Kombi aus salbungsvollem Text und Hochglanzfotos erzeugen einen extrem PR-mäßigen Eindruck.

Journalistische Highlights im Heft sind u.a. die Stories über Walter Röhrl, über tote Rennfahrer und die mit wirklich grandiosen Fotos gespickte Geschichte über Wochenend-Rennen in Kalifornien in den 50er Jahren. So bleibt unterm Strich ein Automagazin mit tollen Stories und tollen Fotos und mit zwei Mankos:

1. Es ist zu dick und oft auch zu dick aufgetragen. Die Perlen unter den ganzen Anzeigen und werbemäßig daherkommenden Geschichten zu finden, ist mühselig.

2. Es ist zu teuer. Sorry, Qualität hin oder her. Für 15 Euro darf man sich wünschen, dass das Heft weniger ausschaut wie ein Kundenmagazin. Wenn schon die Industrie mitmacht, dann sollte der Heftpreis deutlich niedriger liegen.

Als Magazin für Angeber zum auf den Glas-Couchtisch zu legen ist „ramp“ aber kaum zu toppen.

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