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Relaunch-Desaster bei Yigg

Als vor drei Wochen Heise.de seine Seite umbaute, lief die Community Sturm. Innerhalb weniger Stunden gab es Tausende von Protestmails. Dabei veränderte sich nicht viel: Die Heise-Redaktion gönnte sich – und dem Leser – lediglich die Möglichkeit, eine Top-Story hervorzuheben und mit einem Aufmacherbild zu versehen. Sonst blieb alles beim Alten. Dieses Beispiel zeigt aber: […]

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Als vor drei Wochen Heise.de seine Seite umbaute, lief die Community Sturm. Innerhalb weniger Stunden gab es Tausende von Protestmails. Dabei veränderte sich nicht viel: Die Heise-Redaktion gönnte sich – und dem Leser – lediglich die Möglichkeit, eine Top-Story hervorzuheben und mit einem Aufmacherbild zu versehen. Sonst blieb alles beim Alten. Dieses Beispiel zeigt aber: Echte Technik-Fans und IT-Nerds scheinen Veränderungen nicht zu mögen – eine Erfahrung, die gerade auch die Social News-Plattform Yigg macht.
Anfang Juli baute der deutsche Digg-Klon seine Seite komplett um, mit der Folge, dass sich die Nutzer fürchterlich aufregten. „Man man man. Ich hab ja schon wirklich viele Verschlimmbesserungen gesehen, aber sowas wie das neue Yigg ist mir bisher noch nicht begegnet. Wüsste ich nicht ganz sicher, dass heute nicht der erste April ist, würde ich es wohl für einen Scherz halten“, bloggte Frank Helmschrott am 1. Juli.
Wie massiv die Beschwerden gewesen sein müssen, lässt dieser Eintrag aus dem Yigg-Blog erahnen: „Dass Yigg sehr anspruchsvolle Nutzer hat, ist uns heute morgen wieder bewusst geworden. Der kritische Umgang mit der V6 (dem Relaunch) hilft uns sehr. Zwar will man gefühlsmässig seine eigene Arbeit gern verteidigen, wenn sie beanstandet wird. Aber nichts hilft mehr, als wenn schnell und schonungslos Fehler offengelegt und kommuniziert werden.“ Die Macher baten um Geduld, die ihnen die User aber nur bedingt zubilligten.
Für den Traffik scheint sich die verpatzte Angebots-Renovierung zu einer absolute Katastrophe auszuweiten. So zog Robert Basic Google-Trends zur Rate und stellte fest, dass Yigg rund die Hälfte seiner Leser verloren hat. Die Auswertungen der Suchmaschine bieten jedoch kein verlässliches Zahlenmaterial, sondern bilden lediglich mögliche Verhältnisse und Entwicklungen ab. Harte IVW-Zahlen gibt es aktuell von Yigg nicht, weil die „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern“ frisch überarbeiteten Online-Angebote eine gewisse Schonzeit zubilligt.
Derweil spielt das Yigg-Management auf Zeit. So zitiert Gründer Enrico Kern seinen CEO Michael Reuter: „Zu den technischen Problemen die Yigg momentan plagen verspreche ich Besserung, wir arbeiten jeden Tag daran, twitter hats ja auch geschaft 😉 Ich bin zuversichtlich dass wir in den nächsten Monaten wieder so aufgestellt sind wie früher nur orange :P.“
Kern und Reuter betreiben ein vorbildliches Krisenmanagement. Sie beteiligen sich aktiv an jeder Web-Diskussion über ihre Seite und stehen immer offen Rede und Antwort. Trotzdem schwebt ihre Plattform in der Gefahr, dass bald alles zu spät ist. Denn so langsam könnte ein negativer Image-Sog entstehen, der dafür sorgt, dass immer Nutzer ihre Sympathien für Yigg verlieren.
Die Gefahr, dass die Yigg-User zur deutschen Konkurrenz abwandern, ist jedoch gering. Die beiden größten Rivalen Webnews und Shortnews sprechen andere Zielgruppen an. Yigg bedient die IT-Fans, Webnews Jugendliche und Shortnews ein eher gesetztes Publikum. Zusätzlich scheinen die beiden Yigg-Rivalen auch keine Wachstumsraketen zu abzufeuern. Shortnews kooperierte jahrelang mit dem „Stern“. Die Hamburger beendeten jedoch die Partnerschaft, was nicht gerade für Shortnews als Klick-Maschine spricht und auch Webnews bleibt der große Durchbruch bisher verwehrt. Kein gutes Indiz für die Lage des Start-ups ist die Nachricht, dass der aktuelle Investor Holtzbrinck seine Anteile an ProSiebenSat1. weiter geben will.
Der Wachstumseinbruch bei Yigg und die schwache Performance bei Webnews legen die Vermutung nahe, dass der deutsche Markt gar kein so großes Interesse an Social News-Plattformen zu haben scheint. Als weiteren Beleg dafür ließe sich Zoomer.de anführen. Denn auch das Nachrichten-Portal aus Berlin lebt von einer sozialen News-Komponente, indem die Nutzer die Relevanz einer Meldung mitbestimmen können. Und auch dieser Ansatz fand bislang mit 4,3 Millionen Besuchern (IVW August 2008) erst eine – für die eigenen Ansprüche und Redaktionsgröße – relativ kleine Fangemeinde.

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