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Crash auf Raten: Technologiewerte im freien Fall

Es ist nicht wirklich das Jahrzehnt von Technologieaktien. Bis heute ist in den Köpfen vieler Anleger diese magische Marke von 5048 Punkten an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq präsent. Aufgestellt am 7. März 2000. Heute, etwa acht Jahre später, notiert das Kursbarometer der US-Hightechs bei 2118 Punkten – also mehr als 60 Prozent schwächer. In der […]

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Es ist nicht wirklich das Jahrzehnt von Technologieaktien. Bis heute ist in den Köpfen vieler Anleger diese magische Marke von 5048 Punkten an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq präsent. Aufgestellt am 7. März 2000. Heute, etwa acht Jahre später, notiert das Kursbarometer der US-Hightechs bei 2118 Punkten – also mehr als 60 Prozent schwächer.

In der Zwischenzeit ist viel passiert: Ein neuer US-Präsident wechselte im Oval Office, der nach acht Jahren Amtsführung nun wieder ausscheidet, das World Trade Center stürzte nach Terrorattacken ein, die USA zogen erst gegen den Terrorismus, dann gegen den Irak in den Krieg, die US-Wirtschaft sollte sich erholen, die Aktienmärkte nach dreijähriger Talfahrt wieder in den Rallyemodus schwenken – und der Leitindex Dow Jones gar ein neues Allzeithoch erklimmen.

Jedoch nicht einmal in die entfernte Nähe hat es dagegen das Pendant vom Times Square geschafft. Und nun geht der Trend auch schon wieder steil nach unten. Genauer gesagt: Seit einem Jahr tut er das bereits, doch die Zwischensprints der Schwergewichte  Apple, Google oder Research in Motion haben die Realität des Bärenmarktes  vergessen lassen.

Finanzmarkt-Pleitenserie: „Schwerste Krise seit 1929“

Allerspätestens seit dieser Woche ist sie jedoch nicht mehr zu verkennen. Wenn die drei Top-Storys auf „Spiegel Online“ und die erste Meldung der „Tagesschau“ von den Turbulenzen an den Aktienmärkten, der Pleite um die Investmentbank Lehman Brothers, dem Notverkauf von Merrill Lynch und der Schieflage des ehemals weltgrößten Versicherers AIG bestimmt werden, ahnt auch der Laie, dass sich da an den Weltbörsen etwas zusammengebraut hat, was allen wehtut.

Passiert ist dies: Seit mehr als einem Jahr befindet sich die amerikanische Finanzlandschaft in einer Krise, deren brutales Ausmaß erst nach und nach immer mehr zum Ausdruck kommt. Der frühere US-Notenbank-Präsident Alan Greenspan sprach bereits von der „schwersten Krise seit 1929“. Das Problem waren die lange Zeit niedrigen Leitzinsen, zu denen sich die Marktteilnehmer mit fast unbegrenzt günstigen Krediten eindecken konnten – Geld, das nach Anlagemöglichkeiten strebte.

Wie im Schlaraffenland schienen Anleger sie in den haussierenden Schwellenländer- und Rohstoffbörsen zu finden, die an den Boom der New Economy erinnerten. Auch an der Technologiebörse gab es den ein oder anderen euphorischen Überschwang – etwa  die schnelle Hausse Googles nach dem Börsengang, als die Aktie kurzfristig mit einem KGV jenseits der 80 den Besitzer wechselte. Oder etwa die Mondbewertungen der China-Überflieger Baidu und Alibaba.com im Zuge der Mega-Hausse an den chinesischen Festlandbörsen in Shanghai und Shenzen. Auch mit Research in Motion und Apple schienen es Anleger gegen Ende vergangenen Jahres etwas zu gut zu meinen.

Kleine Übertreibungen und gierige Kursrallyes – nicht im Entferntesten jedoch zu vergleichen mit den Exzessen um die Jahrtausendwende, als hochdefizitäre Luftblasen in der Wall Street hochgejagt wurden. Dennoch, so scheint es, wenn man auf die Notierungen an der Technologiebörse blickt, ist das Gespenst der Vergangenheit wieder zurück. Blutrot färbten sich auch die Kurse von Technologie- und Internetaktien, die mit dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbanken  so gut wie nichts zu tun haben und doch stärker heruntergeprügelt wurden als die Leitindizes.

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Wie abwegig das zum Teil ist, haben die Geschäftszahlen der großen Player der Technologie- und Internetlandschaft zum Großteil in diesem Jahr bewiesen. Sowohl Google als auch Apple als auch Research in Motion können in dem aktuell herausfordernden Umfeld noch immer ein Gewinnwachstum von mehr als 30 Prozent aufweisen.

Fallen Angels: Technologie 2008 schwer unter Beschuss

Börsianer scheinen davon jedoch keine Notiz zu nehmen. Im Gegenteil:  Die Aktien der einstigen Technologielieblinge werden noch härter abgestraft als der breite Markt. Seit ihren Zwischenhochs Mitte August haben die Aktien von Apple und Research in Motion mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren!  Und seit Jahresbeginn liegen die fünf höchst kapitalisierten Werte der US-Technologiebörse gar wie folgt hinten:

• Google: – 40 Prozent
• Apple – 36 Prozent
• Microsoft: – 31 Prozent
• Intel: – 31 Prozent
• Cisco: – 20 Prozent

„Nowhere to run, nowhere to hide“, wie es im Englischen so schön heißt. Das Grundproblem der bis dato immer noch ziemlich robusten Branche liegt im umfassenden Vertrauensentzug, den Aktionäre der Anlageklasse im Moment entgegenbringen. Die Rechung ist einfach: Kippt die US-Wirtschaft spätestens im nächsten Jahr in die Rezession, dürfte es dem technikverliebten amerikanischen Konsumenten immer schwerer fallen, die Extra-Dollars im höherpreisigen Segment für iPhones, iMacs oder MacBookAirs auszugeben.

Im Umkehrschluss dürften auch die anstehenden Massenentlassungen im Zuge der Bankenpleiten irgendwann in der Bilanz des Smart-Phone-Anbieters RIM ankommen – schließlich sind gerade Banker typische Blackberry-Kunden. Und auch Google dürfte nicht ungeschoren aus einer Rezession davonkommen: Bricht der enorm prozyklische Werbemarkt weg, dürfte dieser Effekt auch im schnell wachsenden Onlinemarkt ankommen. Und selbst die Traditionsunternehmen Microsoft, Intel, Cisco dürften die konjunkturelle Delle durch eine im Zuge steigender Arbeitslosigkeit gedrosselten Nachfrage zu spüren bekommen.

Das sind die Szenarien, die Technologieaktien aktuell zu Boden ziehen – abgesehen von ihrer traditionell höheren Volatilität. Und doch sollten Anleger berücksichtigen: All das sind derzeit nur Unterstellungen und Prognosen. Schon André Kostolany wusste: An der Börse werden Meinungen gehandelt. Die Fakten sehen für die Zugpferde der Nasdaq noch immer gut aus. Noch.

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