Murdochs Mann führt jetzt Premiere

Michael Börnicke hat mit sofortiger Wirkung seinen Posten als Premiere-Chef niedergelegt. Es übernimmt Mark Williams, der bisher für den Premiere-Gesellschafter Rupert Murdoch im Aufsichtsrat saß. Murdochs News Corp ist mit 25,1 Prozent bereits der größte Einzelaktionär bei dem Bezahlsender. Börnickes Rücktritt dürfte kaum freiwillig erfolgt sein. Der Personalie voraus ging zu Wochenbeginn eine Veröffentlichung im "Spiegel", laut der es in der Premiere-Abo-Kartei zahlreiche Karteileichen gebe.

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Bei offiziell 3,5 Millionen Abos war in dem Artikel die Rede davon, dass rund 1 Mio. Abos nicht bezahlt werden oder aus Karteileichen bestehen. Murdochs Leute würden darauf drängen, dass bei den Abos aufgeräumt werde. Nun hat der austro-amerikanische Medienzar Murdoch erstmal im Vorstand aufgeräumt. Mark Williams ist ein Mann der Zahlen. Er führt für News Corp die Finanzen in Europa und Asien und sitzt in der Geschäftsführung von Murdochs italienischem Pay-Sender Sky Italia. Sein Aufsichtsratsmandat bei dem deutschen Bezahlsender lässt er vorerst ruhen.

Börnicke war ohnehin stets ein schwacher Vorsitzender. Nach dem charismatischen Georg Kofler versuchte Börnicke, durch überambitionierte Fantasie-Ziele, wie 10 Millionen Abos bis 2012, zu punkten. Bei einem Realisten wie Murdoch kam das offenbar gar nicht gut an. Zudem steckt der Sender in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr 2008 kletterten zwar die Umsätze auf 523,9 Mio. Euro, der Nettoverlust kletterte aber auch, und zwar von 28,1 auf 65,9 Mio. Euro. Der Sender-Vorstand suchte die Fehler nicht bei sich selbst, sondern machte Hacker verantwortlich, die sich illegal Zugang zum Premiere-Programm verschaffen. Williams sagte zu seinem Einstand im Premiere-Management: „Ich bin davon überzeugt, dass es ein großes Potenzial für das Pay-TV in Deutschland gibt. Ich weiß, dass die Einschätzung von der News Corporation geteilt wird.“ Man kann davon ausgehen, dass es Mr. Murdoch ist, der hier durch seinen Manager spricht.

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