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Der Google-Blogger Nummer eins

Zum Chrome-Start brachten wir ein Interview mit Philipp Lenssen von Blogoscoped, dem wohl einflussreichsten Google-Blog der Welt. Als einer der ersten hatte der Stuttgarter das Comic zugeschickt bekommen, mit dem Google seinen Browser bewarb. Fix hatte er das Buch Seite für Seite eingescannt und in sein Journal gestellt. Die Folge: Viele Nachrichtenseiten und fast alle […]

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Zum Chrome-Start brachten wir ein Interview mit Philipp Lenssen von Blogoscoped, dem wohl einflussreichsten Google-Blog der Welt. Als einer der ersten hatte der Stuttgarter das Comic zugeschickt bekommen, mit dem Google seinen Browser bewarb. Fix hatte er das Buch Seite für Seite eingescannt und in sein Journal gestellt. Die Folge: Viele Nachrichtenseiten und fast alle großen US-Blogs verlinkten auf seine Seite.
Wegen des Besucheransturms war Lenssen an den folgenden Tagen fast ausschließlich damit beschäftigt, seinen Server am Leben zu erhalten, weshalb er auch die MEEDIA-Fragen nur zum Teil beantworten konnte. Hier nun das ganze Interview inklusive der fehlenden Antworten.
 
Warum bricht gerade Ihr Server fast zusammen?
Wegen des riesigen Ansturms. Es wurde von so vielen Sites über Google Chrome und auch das Google-Blogoscoped-Posting berichtet
Hatten Sie jemals vorher mit solch einem Besucheransturm zu kämpfen?
Ich werde das bald analysieren – zur Zeit bin ich noch in der „heißen“ Phase, in der ich versuche, den Server am Leben zu erhalten. Aber meine bisherige Einschätzung ist, dass dies der größte Ansturm aller Zeiten auf den Server ist… also seit Beginn von Google Blogoscoped im Jahr 2003.
Wie war das mit dem Chrome-Comic. Lag der gestern einfach in Ihrem Briefkasten?
Ja, beziehungsweise er wurde mir über einen FedEx-Boten übermittelt. Ich hatte keine Ahnung, was drin sein könnte im Paket, und war doch unglaublich überrascht, als ich es aufgemacht habe. Nicht zuletzt, weil ich die Werke des Zeichners Scott McCloud seit langem kenne und schätze. Nach ein paar Seiten erkannte ich den McCloud-Stil und habe mich dann gefragt, ob Google hier geschickt kopiert. Bis ich dann auf der vorletzten Seite die Credits gesehen habe.
Wie ist Ihre Meinung zum neuen Google-Browser? Ist er gut und macht es für Goolge überhaupt Sinn, einen eigenen Browser zu starten?
Auf den ersten Blick fühlt sich Chrome sehr leicht an. Die Seiten, die ich bislang testen konnte, luden sehr schnell, schneller sogar als in anderen Browsern. Aber erst ausführliche Vergleiche werden zeigen, welcher Browser wirklich der schnellste ist. Die meisten Tester haben allerdings einige Dinge gefunden, die dem Browser noch fehlen.
Ihr Blog gilt als das wichtigste Google-Blog der Welt. Wie kam es dazu?
Ob es das Wichtigste ist, weiß ich nicht. Google Operating System hat beispielsweise oft höheren Traffic (und auch echt tolle Inhalte). Und es gibt da noch ein paar andere Technologieblogs allgemein, die sich auch mit Google befassen. Nicht zuletzt gibt es auch tolle nationale Google-Watch-Blogs, wie etwa GoogleWatchBlog.de. Aber mich freut es, wenn viele Leute durch Tipps, Kommentare, Korrekturen (sowas kann man nicht alleine machen) helfen – und dann auch viele Leute Spaß an den Infos haben.
Wie viel Zeit investieren Sie in Ihr Blog?
Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem, welche anderen Projekte anstehen, aber auch welche Neuigkeiten über Google gerade auflaufen. Das kann von ein paar Stunden am Tag hin zu einem vollen Tag reichen. Es ist allerdings etwas seltener, dass ich an einem Tag gar nicht für den Blog arbeite. Aber man muß sich auch immer den Kopf freihalten und den Horizont offen, sollte also sicherlich – auch im Interesse eines Blogs über Google – nicht 12 Stunden am Tag Google-Nachrichten durchforsten…
Was machen Sie sonst?
Ich bin selbstständig und arbeite von zuhause oder im Cafe an verschiedenen Web-Projekten. Drei meiner aktuell größeren Projekte sind CoverBrowser.com, GamesfortheBrain.com, und Bomomo.com. Einige andere Projekte sind auch unter outer-court.com gelistet.
Warum überhaupt ein Blog über Google?
Als ich 2003 in Malaysia in Internetcafes viel über Google gelesen habe, hat mich das Thema immer mehr interessiert – soviel sogar, dass mir die beiden damaligen populären Blogs zum Thema einfach nicht oft genug Neues brachten. Erst hab ich angefangen, ein paar Artikel händisch auf die Homepage zu stellen, was aber auf die Dauer ein bißchen umständlich ist, und die Navigationsstruktur einer traditionellen Homepage bietet sich auch nicht so dafür an. Also kam das Blogformat ganz passend – Google hatte auch gerade Blogger.comaufgekauft – und ich habe einen Blog gestartet, in dem ich noch mehr und häufiger über Google berichten wollte, als das zu dem Zeitpunkt anderswo geschah.
Mittlerweile gibt es mehrere Blogs zum Thema Google und Nachrichten über Google verbreiten sich auch sehr schnell über die vielen allgemeinen Technologieblogs. Ich finde die ganze Thematik spannend: die Vernetzung des Wissens, die ständige Abrufbarkeit durch Websuchen, die Möglichkeiten, Nachrichten zu verbreiten über Blogs und mehr, und auch die Wende vom traditionellen Betriebssystem zum Browser-Betriebssystem.  Bei all diesen Internet-Themen hat Google seine Finger drin, mal mehr, mal weniger.
Auch gibt es viele Dinge, die Beobachtung verdienen: Missbraucht Google seine Marktführerschaft in Deutschland, USA und anderswo, was die Websuche anbelangt? Wie geht Google mit Benutzerdaten um? Sind Google-Dienste sicher? Wie und wo arbeitet Google mit Regierungen zusammen? Was ist zensiert (Deutschland war leider ein Vorreiter bei der Suchmaschinenzensur)? Wie bündelt Google seine Software? Behandelt Google kleine und große Webseiten gleich, oder gibt es Sonderregeln?
Ist Google böse?
Ich denke, Formeln wie „Google ist gut“ oder „Google ist böse“ fassen die Lage nie ganz in all ihren Facetten. Google ist eine mächtige (und mächtiger werdende) Firma, die im Vergleich zu etwa Microsoft mehr Wert auf offene Schnittstellen und ähnliches legt.
Dies kann sich zum einen aber auch ändern über die Zeit – Mitarbeiter wechseln, die Firmenkultur wandelt sich; und zum anderen gibt es auch bei Google Tendenzen weg vom einfachen „Tu gar nichts Böses“-Motto hin zum komplizierteren (und eigentlich so auch von allen Firmen anwendbaren) „Tue auch mal kleine böse Sachen, wenn du meinst, es würde auf lange Sicht die Dinge bessern.“
Nur, was auf lange Sicht besser ist, das entscheidet Google dann eben oft auch im Alleingang, ohne dabei auf Ratschläge von Menschenrechtsorganisationen – oder auf Detailfragen von Journalisten – zu hören. 
Will Google das Internet kontrollieren?
Google hat in seiner langfristigen Strategie sicherlich jene Punkte lokalisiert, die auch eine große Firma in den Ruin treiben könnten… siehe etwa Netscape, die den Browserkrieg gegen Microsoft verloren haben, trotz unglaublich guter Marktstellung damals (die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page haben das ja quasi live miterlebt). 
Im Fall von Google wären das etwa Dinge wie: Microsoft bringt ein neues Betriebssystem heraus, welches die Suche standardmässig nicht mehr über Google, sondern über die Microsoft-Webseite laufen lassen würde. Oder aber Internetverbindungen laufen nicht mehr frei, sondern sind kontrolliert, und man dreht den Hahn zu, wenn es um die Verbindung zu Google geht. Oder aber: Ein Konkurrent kann sich viel besser im wachsenden chinesischen Internetnutzer-Markt positionieren und „schluckt“ in 10 Jahren Google, weil China die bestimmende Internetmacht geworden ist.
Während also Googles Mission nach deren Angaben das Finden und Verfügbar-machen aller möglichen Informationen ist, so ist die Firma sicherlich auch daran interessiert, wichtige Grundlagen ihres Geschäfts abzusichern (lebst du vom Bahntransport so denk auch an die Schienen!), und dabei hilft ein wenig Kontrolle halt manchmal. So erklären sich oftmals Initiativen wie Googles Lobbyismus für Net Neutrality, Googles unglaubliches Interesse am chinesischen Markt, oder auch – seit dieser Woche – Googles eigener Browser. An irgendeinem Punkt kann dies natürlich legale Probleme mitbringen, wenn die Firma beginnt, eine Monopolstellung einzunehmen…

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