Datenschützer gegen Google-Tool

Schwimmende Rechenzentren, ein globales digitales Zeitungsarchiv, die digitale Vermessung der Welt, die neue Browserwaffe Chrome: Kein Tag vergeht, ohne dass Google Argumente dafür liefert, dass der Konzern die Weltherrschaft im Datenverkehr übernehmen möchte. Datenschützer und Kartellwächter sorgen sich weltweit über die rasant anwachsende Dominanz des Unternehmens. Ein Hamburger Datenschützer will sogar das Tool Google-Analytics untersagen lassen

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Google ist zu bedrohlicher Größe angewachsen: In beinahe alle Lebensbereiche reicht inzwischen der Einfluss des Konzern. Google-Autos fahren durch die Straßen dieser Welt, vermessen diese digital, fotografieren Häuser und Wohnungen, die bei Google Earth präsentiert werden. Schwimmende Rechenzentren will der Datenriese auf die Weltmeere entsenden, um sich den Anti-Trust-Behörden entziehen zu können.

Mit Chrome stellte Google einen neuen Browser vor, der unsere Internetnutzung grundlegend verändern soll. Aber Datenschützer wie Hartmut Lubomierski schlagen Alarm: Google könnte neben den persönlichen Daten auch alle aufgerufenen Webseiten der Nutzer sammeln und ihre Spur im Internet verfolgen. „Da verschafft sich Google eine zweite Informationsquelle und Sie konzentrieren Ihre persönlichen Daten bei Google. Das sollte man nicht tun“, warnt Hamburgs oberster Datenschützer. Lubomierski äußert große Bedenken über die Datenschutz-Praxis von Google: „Auf jeden Fall würde ich nicht Google als Suchmaschine und gleichzeitig deren Webbrowser benutzen.“ Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz lässt derzeit prüfen, ob Chrome gegen deutsche Datenschutzgesetze verstößt.

Hartmut Lubomierski plant, noch einen Schritt weiter zu gehen: Er will das Analyse-Tool Google-Analytics untersagen lassen. „Mit diesem können Anbieter von Internetseiten herausfinden, wie ihre Angebote im Web abgerufen werden“, sagt Lubomierski. „Dort werden aber wieder die Adressen der Rechner gespeichert, die die Seite abrufen, ohne dass die Benutzer das wissen.“

Den Verlagshäusern treibt Google den Angstschweiß auf die Stirn mit der Ankündigung, ein globales digitales Zeitungsarchiv aufzubauen: Nutzer können dann kostenlos auf die Archive der Verlage zugreifen. „Google errichtet ein virtuelles Zeitungsmuseum, zu dem die Zeitungsleute selbst nur als Besucher Zutritt haben“, kritisiert „FAZ“-Medienredakteur Michael Hanfeld den „großen Raubkopierer“ Google, der immer mehr zum „Monopolisten des Weltwissens und der Bewusstseinsindustrie“ werde.

Je größer und einflussreicher Google wird, um so kritischer wird der Konzern auch von den Regulierungsbehörden beobachtet. Das amerikanische Justizministerium lässt die geplante Werbeallianz zwischen Google und Yahoo kartellrechtlich prüfen. Dafür hat sie sich die Dienste des amerikanischen Staranwalts Sanford Litvack gesichert. Gegen das Datenmonster kommen nur noch die besten Abwehrkräfte zum Einsatz.

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