RBB: kein Entkommen aus der Finanzklemme

Der RBB, einer der kleinsten Sender im ARD-Verbund, wird offenbar seine Etatprobleme nicht los. Obwohl renommierte Programme wie Radiomultikulti und „Polylux“ gestrichen werden sollen, fehlen dem Sender aus Berlin und Brandenburg weiterhin 54 Millionen Euro im Haushalt. Im Gespräch mit der „Berliner Morgenpost“ fordert RBB-Intendantin Dagmar Reim eine gerechtere Verteilung der Rundfunkgebühren. Außerdem mokiert sie sich über die Proteste gegen die Schließung des Radioprogramms.

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Darunter versteht die Senderchefin, dass sich die Gebühren künftig nicht mehr „wie bisher an der Zahl der Geräte bemessen, für die gezahlt wird“. Dadurch hat der Hauptstadtsender in der Tat schlechte Karten, da in Berlin und Brandenburg besonders viele Hartz-IV-Empfänger wohnen, die von der Gebührenzahlung befreit sind.

Allerdings ist es unwahrcheinlich, dass sich die anderen ARD-Oberen auf ein neues Verteilungsmodell für die Gebühren einlassen werden. Reim hatte ihre Forderung bereits im Frühjahr erhoben und war damals von den grösseren Sendern massiv ausgebremst worden. Ihre Lektion scheint sie gelernt zu haben, wenn sie jetzt sagt: „Wer klein ist, sollte nicht versuchen, Muskeln zu zeigen.“ Und: „Wir setzen darauf, dass die Kraft der Vernunft siegt.“

Derweil reißen die Proteste gegen die bisher verkündeten Sparmaßnahmen nicht ab. So hat sich ein Freundeskreis radiomultikulti gebildet, der Unterschriften sammelt und Solidaritäts-Konzerte veranstaltet. Reim dazu: „Zurzeit ist viel Heuchelei im Spiel.“ Radiomultikulti habe eine Einschaltquote von 0,9 Prozent. Bei den Einwohnern mit Migrationshintergrund rangiere der Sender lediglich auf Platz 10. Im übrigen blieben auch die Inhalte von Radiomultikulti erhalten.

Auf die Frage nach weiteren Einsparpotentialen verweist Reim auf eine stärkere „Verzahnung von Radio- und Fernsehberichterstattung“. Aber sie schließt auch weitere Programmreduzierungen nicht aus: „Der RBB muß an alles denken, wenn er keine Hilfe bekommt. Dann müsste es auch noch mehr Programminhalte treffen als bisher.“

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