Kassierte der MDR 400.000 € „Zuschuss“?

Im Fall des mutmaßlich korrupten Ex-Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, ist noch kein Urteil gesprochen, da wartet schon der nächste Skandal-Prozess auf die ARD. Das Leipziger Landgericht verhandelt voraussichtlich Anfang 2009 den Fall des Ex-Sportchefs Wilfried Mohren vom MDR. Beide Fälle weisen erhebliche Parallelen auf. Sowohl Mohren als auch Emig haben offenbar Sponsorengelder für die Sender herangeschafft und sich dabei in großem Stil selbst bedient.

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Mohren und seine Frau Christiane sollen illegal über 350.000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben, wie der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe vorrechnet. Mohren soll u.a. Sponsorenverträge mit der Bierbrauerei Hasseröder ausgehandelt haben und persönlich dafür gesorgt haben, dass Interviewpartnern Hasseröder-Logos auf die Kleidung aufgenäht wurden. Außerdem soll er sich diverse Male Flugkosten vom MDR habe erstatten lassen, obwohl entweder Veranstalter oder der Sender die Flüge bereits vorab bezahlt hatte.

Schlimme Vorwürfe. Aber die Sache reicht tiefer in das System ARD hinein. Genau wie beim Fall Emig in Frankfurt, gab es offenbar auch im Fall Mohren deutliche Hinweise, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Und genau wie im Fall Emig hat sich niemand so recht für diese Hinweise interessiert.

Laut „Spiegel“ erkundigte sich Mohren beim früheren MDR-Verwaltungsdirektor Rolf Markner, was „für ihn rumkomme“, wenn er Sponsorenverträge vermittle. Markner soll korrekt geantwortet haben, dass für Sponsorenverträge die MDR-Werbetochter zuständig sei. Markner schrieb nach dem Gespräch vorsorglich einen Brief an die MDR-Werbung, in dem er fragte, „ob die Gefahr besteht, dass Sportredakteure bzw. Sportchefs der einzelnen ARD-Anstalten sich nach der Devise, eine Hand wäscht die andere, gegenseitig über den Abschluss von Sponsoringverträgen zusätzliche Einkünfte verschafften“. So zitiert der „Spiegel“ aus dem Schreiben. Ein deutlicher Hinweis auf Mohren und eventuelle Unstimmigkeiten.

Trotzdem wurde niemand hellhörig, als die Werbeagentur von Hasseröder kurze Zeit später kundtat, man wolle weitere Kooperationen separat mit Mohren besprechen. Nach Meinung der Staatsanwälte ging es bei diesen weiteren Kooperation um das Platzieren von Firmenlogos in Sportsendungen des MDR. Genau wie im Fall Emig der HR profitierte auch der MDR von den Aktivitäten Mohrens. So soll Mohren 2002 beim Motorradweltverband einen Produktionskostenzuschuss in Höhe von 400.000 Euro für die Motorrad-WM 2002 herausgeschlagen haben.

Gut möglich, dass Anfang 2009 MDR-Intendant Udo Reiter vor Gericht erläutern darf, warum er von diesen Vorgängen rein gar nichts mitbekommen hat. Genau wie sein HR-Kollege Helmut Reitze derzeit in Frankfurt.

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