ZDF macht Propaganda mit BBC-Chef

ZDF-Intendant Markus Schächter hat BBC-Chef Mark Thompson nach Berlin karren lassen, der dann von ZDF-Journalisten interviewt wurde. Thema: Was dürfen öffentliche-rechtliche Sender im Internet und was nicht. Just das Thema, das gerade heiß diskutiert wird. Thompson wurde von Claus Kleber im "heute journal" als Kronzeuge für die Haus-Interessen des ZDF vorgeführt. Dabei ging es über Gebühr unjournalistisch zu. Fakten wurden verdreht oder weggelassen, wie etwa, dass die BBC auf Werbung verzichtet.

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Am Ende entstand der Eindruck von einem armen öffentlichen Rundfunk, der von den bösen Privatverlegern gegängelt werden soll. Praktisch kurz vor dem Beschluss der umstrittenen Neufassung des Rundfunkstaatsvertrags, in dem vor allem geregelt werden soll, was ARD und ZDF online dürfen und was nicht. Damit die Botschaft in eigener Sache auch möglichst viele erreicht, wurde BBC-Mann Thomspon in gleich zwei ZDF-Sendungen eingebaut. Zunächst in den „heute“-Nachrichten um 19 Uhr, dann in der Pause von Oliver Kahns Abschiedsspiel im „heute journal“. Nur am Rande sei erwähnt, dass die Mainzel-Männer die Kahn-Abschiedssause für schlappe 3 Millionen Gebühren-Euros eingekauft haben. Dabei erweckte Kleber den Eindruck, als habe Thompson von sich aus Partei ergriffen, aus Sorge über das öffentliche-rechtliche System in Deutschland im Allgemeinen und das ZDF im Speziellen. Kein Wort darüber, dass ZDF-Intendant Schächter selbst Thompson für einen Vortrag, ein Hintergrund-Gespräch mit Journalisten und ein Interview hergeholt hat.

Mit der Wahrheit nahm man es dann in den gebauten Beiträgen nicht so genau.Thompson kritisierte, dass ARD und ZDF Beiträge sieben Tage nach Ausstrahlung aus ihren Online-Angeboten wieder entfernen sollen. Seltsam, denn in England ist die BBC genau der gleichen Regel unterworfen. ARD und ZDF benutzen gerne den Begriff „löschen“ und schüren bei Zuschauern die Vorstellung, die ganzen tollen und teuren ARD und ZDF-Sendungen würden auf Geheiß der bösen Privatwirtschaft für alle Zeiten vernichtet. Dabei geht es tatsächlich nur darum, dass die Beiträge aus den Online-Portalen zurück ins Sender-Archiv wandern, wo sie für eine spätere Nutzung selbstverständlich zur Verfügung stehen. Bei zeitgeschichtlich wertvollen Beiträgen sind sogar Ausnahmen von der Sieben-Tage-Regel möglich.
Ob die ZDF-Kollegen dem Mann aus England das so genau erklärt haben, oder ob sie auch ihm gegenüber gesagt haben, sie müssten alles wirklich „löschen“ – man weiß es nicht. In dem „heute journal“-Beitrag fehlte zudem jeder Hinweis darauf, dass die englische BBC ganz ohne Werbung, Gewinnspiele und Sponsoring auskommt und einiges ihrer Gebühren zudem in den Ausbau der technischen Infrastruktur investieren muss, die auch von privaten Medien genutzt wird. Das sollte man vielleicht mal hierzulande vorschlagen. Dass ARD und ZDF Gebührengelder abzwacken, damit die Burdas und Holtzbrincks ihre Online-Videos besser verbreiten können. Die anschließende Diskussion wäre sicher interessant.

Es gibt sehr viele sehr gute Argumente für einen starken öffentlichen Rundfunk. Gerade deshalb ist es so schleierhaft, warum ARD und ZDF immer wieder auf plumpe Propaganda und Tatsachenverdrehung setzen, statt einfach zu informieren. Musterbeispiel und bis dato unerreichter Gipfel der Peinlichkeit war die einseitige und propagandistische „TV Reportage“ des SWR-Chefreporters Thomas Leif, „Quoten, Klicks & Kohle“, die die privatwirtschaftlichen Verleger als Reich des Bösen fast schon karikierte und die öffentlichen mit einem überzogenen Heiligenschein versah. In jüngster Zeit muss man aus den Häusern ARD und ZDF leider eher Korruption (Hademar Bankhofer und seine „Kloster-Melisse“, der Prozess gegen den Ex-HR-Sportchef Jürgen Emig), Verschwendung (3-Mio. für Kahns Abschiedsspiel, Kerners Hin- und Herfliegerei während der Olympischen Spiele) und Tatsachenverdrehung (Leif, Kleber) zur Kenntnis nehmen. Es gibt den alten Spruch „Geld verdirbt den Charakter“. Offenbar trifft der auch auf ganze Rundfunksysteme zu.

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