„Dumpfbacke Bundy“ in einer neuen Rolle

Christina Applegate – die 36-jährige Schauspielerin kennt fast jeder durch ihre Rolle der Kelly „Dumpfbacke“ Bundy. Als frühreifes blondes Töchterchen von Al pubertierte sie sich mit dummen Sprüchen über zehn Jahre lang durch die US-Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“ und wurde zur Kultfigur. Jetzt kehrt sie in einer neuen Serienrolle auf die Mattscheibe zurück. Blond ist sie immer noch, aber diesmal ist ihre Figur nicht eindimensional - in „Samantha Who?“ spielt sie ein doppeltes Spiel.

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Als die erfolgreiche Immobilienmaklerin Samantha Newly – im Krankenhaus aus einem Koma erwacht, beugt sich eine schrille Frau über sie und formt ihre roten Lippen auffordernd zu einem Kussmund. Samantha reißt die blauen Augen weit auf – wie sie das noch sehr oft tun wird –   und fragt mit entgeisterten Blick „Who are you?“.

Samantha erkennt die eigene Mutter nicht wieder, denn sie leidet nach einem Autounfall unter einer retrograden Amnesie: Ihr Langzeitgedächtnis ist verloren und damit auch ihre Erinnerung an Eltern, Freunde und ihren Partner. Doch der Erinnerungsverlust alleine ist verglichen mit dem, was noch auf sie zukommt, harmlos. Dreh- und Angelpunkt der Serie ist der plötzliche Erkenntnisgewinn, dass sie in ihrem früheren Leben ein fieses Miststück war.

Ihren braven Freund Todd (Barry Watson) hatte sie über Jahre mit einem verheirateten Mann betrogen, mit ihrer schrägen Über-Mutter Regina (Jean Smart) herrschte seit über zwei Jahren Funkstille und zudem war sie Mitglied bei den Anonymen Alkoholikern. Auf dem Anrufbeantworter zuhause hört Samantha das  erste Mal in aller Deutlichkeit, wie beliebt sie war: „Wer immer Sam angefahren hat, wir finden den Typen … und spendieren ihm einen Drink“, diese unsanfte Nachricht hatte jemand ihrem Freund Todd auf den gemeinsamen AB gesprochen, während Samantha noch im Krankenhaus lag.

Die als Gutmensch neu geborene Samantha Newly, alias Christina Applegate, verbringt nun die restlichen Folgen á jeweils 22 Minuten damit, herauszufinden, wer sie früher war und stolpert dabei von einer haarsträubenden Erkenntnis zur nächsten. In Rückblenden sieht der Zuschauer Kostproben ihres ehemalig bösen Naturells.

In den USA war die ABC-Serie mit 14 Millionen Zuschauern der erfolgreichste Serien-Neustart in der Saison 2007/2008. Die Hauptdarstellerin Christina Applegate, die gleichzeitig Producerin ist, wurde für ihre Rolle als Samantha für die Fernsehpreise „Emmy“ und den „Golden Globe“ nominiert. Vor kurzem startete die Sitcom in den USA in die zweite Staffel.

Und zugegeben, die ehemalige „Dumpfbacke“ ist schon lange flügge geworden – sie ist immer noch spitzbübisch, aber gleichzeitig hat sie Verve und wirkt ernstzunehmend erwachsen. Und wären das Drehbuch und die Dialoge besser – wer weiß – vielleicht könnte sie nicht nur im Ansatz erkennbar talentiert, sondern auch herausragend in ihrer „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“-Rolle sein. Doch die Scriptwriter haben aus der Vorlage der irischen Erfolgsautorin Cecelia Ahern („PS Ich liebe dich“) eine vorhersehbare und konventionelle Komödie gestrickt. Das ständig wiederkehrende Motiv einer überrascht wirkenden Samantha mit großen blauen Manga-Telleraugen, die ob ihres ach so bösen früheren Charakters schockiert ist („I was that bad?“), ist wenig subtil, sehr vorhersehbar und auf Dauer etwas ermüdend.

Hinzu kommt, dass die Serie einfach zu viel Gas gibt. Bereits im halbstündigen Piloten bleiben kaum Pausen für Situationskomik, geschweige denn Raum für die Entwicklung der Charaktere. Samantha springt wie ein Ping-Pong-Ball von einem Katastrophen-Tatort zum nächsten. Dabei wirkt sie wie ein Wellensittich auf Ecstacy, der dem Käfig entkommen ist, und wild zwitschernd  gegen sämtliche Hindernisse im Raum fliegt.

Unwillkürlich fragt man sich, wie es mit der Serie weitergeht und ob die zahlreichen unglaublich überraschenden Wendungen („That bad?“) den Adrenalinpegel der Zuschauer genug kitzeln und sie davon bewahren, nicht selbst in einen Komaschlaf zu fallen.

Doch vielleicht gibt es noch eine interessante Wendung: Als Samantha schließlich nach so einigen „That bad?“ entdeckt, dass der Unfall eigentlich ein Mordversuch war, ist sie selbst am Ende ausnahmsweise mal wenig überrascht. Und das ist irgendwie auch mal ganz wohltuend.

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