„Switch reloaded“: Parodie als Ritterschlag

Die beste Fernsehkritik gibt´s im Fernsehen: Jede Woche wird in ProSiebens „Switch reloaded“ scharfsinnig das eigene Medium parodiert. Doch nicht nur Trash-TV dient dabei als Vorlage, auch anspruchvolle Formate bleiben nicht verschont. Wenn etwa Hitler alias Stromberg alias Christoph Maria Herbst zur Dreifach-Parodie verschmilzt, dürfte das ein Höhepunkt deutscher Comedy sein. MEEDIA sprach mit Producer Benedikt Nordmann über die preisgekrönte Serie und Reaktionen der parodierten Kollegen.

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Vor kurzem ist die dritte Staffel der Comedyserie „Switch reloaded“ auf ProSieben gestartet. Die Quoten sind ausgesprochen gut, das Feuilleton ist begeistert.
Wenn man ein leckeres Essen kochen will, braucht man gute Zutaten. Und unser Produzent Marc Schubert hatte dabei ein sehr gutes Händchen: Wir haben Autoren, die treffende Parodien schreiben können, ein herausragendes Ensemble, dass mit Martina Hill und Max Giermann ausgezeichnet verstärkt wurde. Und Regisseur Marco Musienko hat mit viel Liebe zum Detail und sehr viel Akribie die Drehbücher inszeniert. Insgesamt liefern wir einfach ein sehr gutes Gesamtpaket ab.

Wie reagieren eigentlich die Parodierten? Gab es schon mal richtig Ärger?
Richtig Ärger hatten wir noch nicht, das Feedback ist überwiegend positiv. Die Leute, die wir parodieren, wissen offenbar, dass es viel sympathischer ist, über sich selbst zu lachen, als mit Anwälten zu drohen. Johannes B. Kerner hatte seinen Parodisten Peter Nottmeier sogar schon in seine Show eingeladen, Tim Mälzer ist von Max Giermanns Darstellung begeistert. Selbst Florian Silbereisen, den wir nicht grade geschont haben, äußerte sich sehr positiv. Profis vor der Kamera wissen, dass eine Parodie im Grunde ein Ritterschlag ist.

Gibt es jemanden, den sie nicht parodieren würden? Wo liegen die Tabus?
Satire kann und darf keine Grenze haben. Denn wer sollte diese Grenze ziehen?  Wir wollen in erster Linie durch treffende Parodien eine lustige Sendung machen und dabei schrecken wir erstmal vor nichts zurück. Es gibt natürlich Figuren, die sich für eine Parodie stärker anbieten. Stefan Raab mit seinen Ecken und Kanten ist natürlich eine ganz hervorragende Vorlage. Wir wollen niemanden verletzten, ich kann aber auch nicht ausschließen, dass wir manchmal jemandem zu nahe treten. In einer Parodie auf das „Frühlingsfest der Volksmusik“ ging es einmal um das Thema Inzest in den Bergen. Die Folge wurde ausgestrahlt, bevor es den Fall Anstetten gab. Wäre unsere Parodie eine Woche nach dem Ereignis an der Reihe gewesen, hätte ProSieben sie nicht gezeigt. Insofern gibt uns die aktuelle Nachrichtenlage manchmal Grenzen vor. Gemeinsam mit ProSieben agieren wir dann natürlich mit Fingerspitzengefühl.

Wer steht denn als nächstes auf der Liste von „Switch reloaded“?
Harald Schmidt und Oliver Pocher sind Kandidaten, die uns sehr reizen. Es gibt ja immer wieder Stimmen, die behaupten, dass man lustige Menschen nicht parodieren kann. Wir haben bewiesen, dass dem nicht so ist.

Die Quotenliegen meist über dem Senderschnitt, sind schon weitere Staffeln in Planung?
Meist beachtet man nur die Durchschnittsquote, die hängt aber sehr stark davon ab, wie die vorherige Sendung lief. So haben sich die für ProSieben unterdurchschnittlichen Quoten von „Comedy-Zoo“ in der vergangenen Woche auch auf den „Switch reloaded“-Marktanteil ausgewirkt. Viel interessanter für mich ist aber, wie die Quoten-Kurve aussieht – und mit unserem Verlauf sind wir sehr zufrieden. „Switch reloaded“ gewinnt während der Sendung kontinuierlich Zuschauer hinzu. Unseren Zuschauern macht das Format offensichtlich genauso viel Spaß wie uns Machern die Produktion. Wir würden sehr gern noch viele neue Staffeln „Switch reloaded“ herstellen. Ob wir dürfen, entscheidet ProSieben.

Vor kurzem hatte der Medienjournalist Peer Schader in seinem Blog kritisiert, das die eingeblendete Fake-Nummer bei der Teleshopping-Parodie wirklich funktioniert: Für 50 Cent ist Michael Kesslers Parodie der Stoiber-Transrapid-Rede zu hören. Das würde man von „Switch reloaded“ eigentlich nicht erwarten…
Ich freue mich sehr, endlich erfahren zu haben, wer der Anrufer war, der die Nummer gewählt hat. Es ist doch großartig, dass Switch reloaded Zuschauer hat, die so genau hinsehen und da sogar tatsächlich anrufen. Wir haben in unseren Folgen einige solcher Easter-Eggs versteckt und man muss sehr aufmerksam sein, diese zu entdecken. Prima!

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