Springer: Die Galerie der Beinahe-Vorstände

Gerade machte die Nachricht die Runde, dass Philipp Welte wohl seinen Posten als Chef-Vermarkter der Axel Springer AG aufgeben wird, um in den Vorstand bei Burda einzuziehen. Als Welte Ende 2006 von Burda zu Springer wechselte, wurden ihm auch dort Vorstands-Ambitionen nachgesagt. Und er war nicht der einzige, von dem vermutet, werden darf, dass er gerne in die oberste Chefetage bei Springer eingezogen wäre. Doch der Berliner Vorstand bleibt unter sich. MEEDIA präsentiert die Galerie enttäuschter Top-Manager.

Anzeige

Philipp Welte
Noch steht er in Springer-Diensten. Aber seine Tage sind gezählt. Daheim in München wartet Hubert Burda mit den heiß ersehnten Vorstands-Litzen. Dabei wird dem umtriebigenWelte nachgesagt, er sei 2006 auch deshalb bei Burda ausgestiegen, weil er dort keine Perspektiven mehr für sich sah. Bei Springer wollte er dann die ganz großen Duftmarken setzen und trieb den Start des Groß-Projekts „Test Bild“ voran, das später den sperrigen Namen „Objektiv“ verpasst bekam. Aber „Objektiv“ wurde schon schon kurze Zeit nach Weltes Amtsantritt beerdigt. Alsdann wirkte Welte, der Energie-Bolzen, ein bisschen bei Bild.de und schwang sich schließlich auf den Chefsessel der neu gegründeten Vermarktungseinheit Axel Springer MediaImpact. Oberster Anzeigen-Verkäufer von Springer zu sein ist nicht übel, muss für einen Kerl vom Schlage Weltes aber zu wenig sein. Da es bei Springer keinen Posten mehr für seine Kragenweite zu geben schien und Welte in München manche Träne nachgeweint wurde, wird er jetzt eben Vorstand in seinem alten Verlag. Hauptsache Vorstand.

Claus Strunz
Der ewige Hoffnungsträger, der eine Zeit lang schon routinemäßig für jede größere Aufgaben in der Medienbranche gehandelt wurde. Der ehemalige „Bild am Sonntag“-Chefredakteur Claus Strunz kam von der „Welt“ und hat die „BamS“ dann jünger hingemodelt und weiblicher gemacht. Er hat einer Talkshow seinen Namen gegeben („Was erlauben Strunz?“ bei N24), den Leserbrief-Onkel im Blatt gegeben („Fragen Sie den Chefredakteur“) und den strunzdoofen Werbeslogan „Die neue BamS mit mehr Bums“ durchgewunken. Hinter vorgehaltener Hand wurde er zu seiner Hoch-Zeit für so manche Chefredaktion für präsidiabel befunden, vom „stern“ bis zur „Zeit“. Und er galt lange Zeit als möglicher Aspirant auf einen Vorstandsposten, wenn, ja wenn Ober-Boss Mathias Döpfner endlich mal ein eigenes Ressort Zeitungen im Vorstand geschaffen hätte. Man beachte den andauernden Konjunktiv. Seit Oktober 2000 hat sich Strunz an der „BamS“-Spitze abgerackert. Die Käufer haben es ihm nicht gedankt. Die Auflage ist stetig gesunken. In den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent. Der Verlag hat es ihm irgendwann auch nicht länger gedankt und ihn zum viel kleineren „Hamburger Abendblatt“ abgeschoben. Tausendsassa Strunz beim Regionalblatt – mal sehen, wie lange das gut geht.

Kai Diekmann
Wenn man von Strunz spricht, darf sein Antipode bei Springer nicht fehlen. Auch „Bild“-Chef Kai Diekmann arbeitet sich seit 2000 mit dem Auflagen-Niedergang der „Bild“ ab. Auch er galt lange lange Zeit als möglicher zusätzlicher Vorstand im Hause Springer. Er hat die „Bild“-Zeitung in schwierigen Zeiten ertragreich gehalten. Journalistisch, so meinen einige Kenner des Hauses, entferne sich das Massenblatt aber immer weiter von der Zielgruppe der einfachen Leute. Aber vielleicht ist das ja normal, wenn man als Chefredakteur mit eigenem Fahrer jahrelang den Vorstandsposten schon fast mit Händen greifen kann, der sich aber wie ein Wurstzipfel an der Angel immer wieder dem Zugriff entwindet. Sogar die zeitweise penetrant wiederholten Gerüchte, Diekmann würde zu Burda gehen, um Helmut Markwort beim „Focus“ zu beerben, ließen Döpfner und Friede Springer nicht den Vorstandsvertrag zücken. Es gab und gibt weder das eigene Vorstandsressort für die rote „Bild“-Gruppe noch für die Zeitungen. Mitte 2007 wurde Diekmann dann wenigstens Content-Vorstand bei Bild.de. Na ja. Spätestens nach dieser Berufung dürfte klar sein, dass der „richtige“ Springer-Vorstand für ihn wohl ein Wunschtraum bleiben wird.

Christian Nienhaus
Noch so ein Kämpfer der roten „Bild“-Gruppe. Nienhaus war lange Zeit der kaufmännische Gegenpart zu „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Genau wie er trimmte er die „Bild“ mit einer Preiserhöhung nach der nächsten gnadenlos auf mehr Rendite und bescherte dem Verlag die besten „Bild“-Bilanzen aller Zeiten. Dabei rechnete der Westfale sich Chancen aus, eines Tages in die Vorstandsetage einziehen zu können. Endlich raus aus dem lästigen Tagesgeschäft. Aber auch für den harten Nienhaus gab es bei Springer kein Happy-End. Als Nienhaus Ende 2007 seine Siebensachen packte und zur WAZ Gruppe nach Essen abzog, wurden seine Aufgaben einfach dem Zeitschriften- und Auslandsvorstand Andreas Wiele mit aufgebrummt. Vorteil für Nienhaus bei der WAZ: Die haben gar keinen Vorstand. Man kann also auch nicht enttäuscht werden.

Christoph Keese
In einem Atemzug dementierte er noch scharf seinen Abgang bei der „Financial Times Deutschland“, zwei Schnaufer weiter saß er schon auf dem Chefsessel der „Welt am Sonntag“. Dort krempelte der geschmeidige Christoph in Rekordzeit das Blatt komplett um, führte einen Newsroom für die gesamte „Welt“-Gruppe ein und wollte mit „Welt Online“ zum Halali auf „Spiegel Online blasen. Ambitionen auf einen Vorstandsposten zu haben dementierte er stets, wenn man ihn danach fragte. Leute, die in ganz gut kennen, waren sich da nicht so sicher. Keeses Wunsch, nicht Vorstand zu werden, wurde von Döpfner dann auch prompt erfüllt. Keese wurde vom Chefredakteursstuhl der „WamS“ auf den etwas seltsamen Posten als Konzerngeschäftsführer Public Affairs versetzt. Von dort ist von ihm seither nicht mehr viel zu hören. Den Job als Chefredakteur der gesamten „Welt“-Gruppe macht der wesentlich ältere und wesentlich unaufgeregtere Thomas Schmid.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige