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Browser-Krieg: Google greift Microsoft an

Nun also doch: Googles eigener Webbrowser „Chrome“ geht heute in einer Beta-Version für Windows online. Der „G-Browser“ soll schneller, benutzerfreundlicher und sicherer sein als die Konkurrenz: „Wir haben einen Browser gebaut, der viel besser mit den heutigen komplexen Web-Anwendungen umgehen kann“, schreibt der Internet-Konzern im Unternehmensblog. Eine Kampfansage gegen Microsoft: Dessen Internet Explorer hält einen Marktanteil von rund 75 Prozent.

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Zur Einführung des neuen Browsers wählte Google ein ungewöhnliches Konzept und produzierte ein 38 Seiten langes Erklär-Comic, das versehentlich zu früh freigegeben wurde: Das Internet-Blog Blogoscoped bekam die Einführung schon gestern zugeschickt und veröffentlichte prompt die ersten Zeichnungen. Google reagierte schnell und machte die Nachricht auf seinem Blog offiziell.

Die Oberfläche des Browsers wurde Google-typisch einfach gehalten. Tabs werden oberhalb der URL-Liste angezeigt und laufen in jeweils eigenen Prozessen (der sogenannten „sandbox“), sodass Abstürze einzelner Fenster nicht gleich den gesamten Browser lahmlegen. „Chrome“ soll schneller sein als andere Browser, eine neue JavaScript-Engine namens V8 rüstet die Software für künftige Web-Applikationen und ist nach Google-Angaben weniger fehleranfällig. „Chrome“ setzt unter der Haube auf Komponenten von Apples Browser-Engine WebKit sowie Mozillas Firefox-Browser und steht unter einer Open-Source-Lizenz.

Der überraschende Launch über Nacht sei „nur der Anfang“, schreibt der Konzern in seinem Blog, „wir sind noch lange nicht fertig.“ Man wolle nun die ersten Reaktionen abwarten und mit der „gesamten Community“ an der Weiterentwicklung arbeiten.
Zwei Jahre lang soll Google an seinem „Chrome“-Browser getüftelt haben, offiziell wurde dies allerdings stets dementiert. Man sehe keine Veranlassung, einen eigenen Browser zu ent wickeln, die Auswahl am Markt sei bereits groß genug, zitierte das „Wall Street Journal“ einst Google-CEO Eric Schmidt. Das klingt heute etwas anders: „Warum launchen wir Google Chrome? Weil wir glauben, dass wir den Nutzern einen Mehrwert geben können und zugleich helfen wollen, Innovationen im Web anzukurbeln“, heißt es im Unternehmensblog.
Zugleich tritt Google Markt-Rivale Microsoft kräftig auf die Füße: Der hat erst vor wenigen Tagen die zweite Testversion seines „Internet Explorer 8“ vorgestellt, den mit knapp 75 Prozent Marktanteil meistbenutzten Browser der Welt. Der Explorer war bislang Microsofts kräftigstes Zugpferd im Internet, im Bereich Online-Werbung bzw. Suchanzeigen liegt der Software-Konzern abgeschlagen hinter Google. Mit knapp 20 Prozent folgt Firefox auf Platz zwei der Browser-Könige, auch hier sorgte Google kürzlich für Schlagzeilen: Der Such-Riese verlängerte seinen Vertrag mit Mozilla und sicherte sich für weitere drei Jahre die Position als integrierte Standard-Suchmaschine im Firefox-Browser.
Microsoft gibt sich hinsichtlich der neuen Konkurrenzsituation gelassen. Der Explorer biete den Usern die benötigten Dienste ohne Umwege, respektiere ihre persönlichen Browser-Gewohnheiten und gebe ihnen mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten als jede andere Browser-Technologie, zitiert das „Wall Street Journal“ einen Explorer-Verantwortlichen.
Danny Sullivan, Suchmaschinen-Experte und Chefredakteur der Website Search Engine Land, sieht das ähnlich: „Nur weil Google einen Browser draußen hat, bedeutet das nicht, dass jeder ihn nutzen wird“, sagte er dem „Wall Street Journal“. Google habe, mit Ausnahme der Karten-Software Google Earth, bisher wenig Erfolg damit gehabt, potentielle User zum Download seiner Software zu bewegen. Google werde jedoch versuchen, neue Nutzer durch Produkte und Updates für „Chrome“ zu locken, die für andere Browser erst später angeboten werden.
Googles Vorgehen erinnert an den „Browserkrieg“ Mitte der neunziger Jahre zwischen Microsoft und Netscape – nur dass heute Google in der Position des Angreifers sitzt. Damals sank der Marktanteil des Netscape Navigators von über 80 Prozent auf unter vier Prozent, während der Marktanteil des Internet Explorers im selben Zeitraum von unter drei Prozent auf über 95 Prozent stieg. Der Kampf endete mit dem Aufkauf von Netscape durch AOL, das die Weiterentwicklung für den Navigator im Februar 2008 einstellte.

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