Flach, billig, kabellos: die IFA-Megatrends

Mit einem neuen Ausstellerrekord startete vergangene Woche die Internationale Funkausstellung in Berlin. Noch bis Mittwoch präsentieren auf der IFA rund 1250 Hersteller ihre Produkte. Darunter sind erstmals neben Unterhaltungselektronik auch elektrische Haushaltsgeräte vertreten, so genannte "weiße Ware". Größter Trend in diesem Jahr ist das "kabellose Zuhause", rund um Fernsehen und Musik. Diese und alle weiteren Top-Themen im Messe-Trendcheck von MEEDIA.

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Trend 1: Fernseher flacher,  billiger und bald drahtlos


Philips Research 8 mm LCD-Prototyp

Dass Flachfernseher im Mittelpunkt der Funkausstellung stehen, ist keine Überraschung. Dass die Preise für Flat-TVs sinken, auch nicht. Nur so drastisch bergab ging es noch nie zu vor: Um bis zu 30 Prozent sind die Preise im Vergleich zum Vorjahr gefallen – ein Minusrekord, Folge des knallharten Verdrängungswettbewerbs und latenter Konsumflaute.

Nahezu verzweifelt forschen die großen Markenhersteller an Innovationen, um dem Preis als wichtigstes Verkaufsargument etwas entgegen zu setzten. Philips verrät, wohin die Reise geht: Noch dünner müssen sie werden, die Ultraflachfernseher der Zukunft. Wie Bilderrahmen sollen sie an die Wand gehängt werden. Auf der Messe zeigt der niederländische Konzern den Prototyp eines nur acht Millimeter dünnen LCD-Gerätes. Und Sony wirbt mit einem 9,9 Millimeter schlanken Fernseher, der sogar bereits serienreif sein soll. Zu kaufen gibt es beide Geräte aber noch nicht.

Waren Full-HD-Fernseher auf der IFA im vergangenen Jahr noch das Sahnehäubchen, so gehören Geräte mit dieser höchstmöglichen Auflösung mittlerweile bei den Premium-Herstellern beinahe zum Standard – und das, obwohl in HDTV ausgestrahlte Inhalte in Deutschland weiterhin Mangelware sind. Trotzdem setzten die Hersteller auf hochauflösende Bilder, die in Zukunft sogar drahtlos übertragen werden können. Panasonic zeigt als einer der ersten Fabrikanten die Wireless-HD-Übertragung vom Receiver zum Fernseher. Ein großer Schritt in Richtung kabelloses Wohnzimmer.


Trend 2: Kabellose Haus-Musik mit Multiroom-Technik

Trekstor Wireless Soundbox

Während die drahtlose Übertragung von hochauflösenden Fernsehsignalen noch technisches Neuland ist, funktioniert die Kabelfreiheit im Bereich Audio schon seit Jahren ohne große Probleme. Sinn macht das vor allem, wenn mehrere Zimmer in einem Haus von einer Anlage beschallt werden sollen. Traditionell waren aber genau solche Systeme ein teures Vergnügen. Das ändert sich spätestens auf dieser IFA: Der ansonsten eher für preiswerte MP3-Player bekannte Hersteller Trekstor bringt eine Box auf den Markt, die kabellose Musik von der Festplatte in jedes Zimmer streamt. Das Basis-Paket mit USB-Funk-Stick und einem Lautsprecher kostet gerade einmal 50, jede weitere Box 30 Euro.

Doch auch besonders audiophile Menschen, bei denen die Billig-Lösung von Trekstor wahrscheinlich in Sachen Klangqualität durchfallen würde, müssen nicht mehr all zu tief in die Tasche greifen, um Musik kabelfrei überall im Haus erklingen zu lassen. Auch Philips setzt auf das Zauberwort „Multiroom“ und bietet mit dem „Streamium MCI500H“ eine hochwertig ausgestattete Stereoanlage mit Festplatte und WiFi-Sender an, die Musik zu beinahe beliebig vielen weiteren Außenstationen senden kann. Kostenpunkt: Etwa 600 Euro. Eine ganze Reihe weiterer Fabrikanten, darunter Sony oder Spezialhersteller wie die Firma Sonos, zeigen dieser Tage in Berlin auf ihren Ständen ähnliche Lösungen.

Trend 3: Mini-Beamer vs. Maxi-Qualität

Mitsubishi LCD-Beamer HC7000

Beamer werden immer beliebter. Nicht nur im Büro, sondern vor allem im Wohnzimmer. Und neuerdings auch unterwegs. Mini-Beamer sind endlich bezahlbar, wie ein auf der IFA ausgestelltes Modell des Technik-Discountversandes „Pearl“ zeigt: Ein tragbares, kompaktes Gerät für nur 170 Euro – das gab es bislang noch nicht. Allerdings sollte man von der Strahlkraft solcher Hosentaschen-Projektoren nicht zu viel erwarten. Ist es dort, wo man unterwegs sein mobiles Video-Lager aufschlagen möchte, nicht dunkel genug, dürfte kaum etwas zu erkennen sein.

Der andere große Trend im Beamer-Bereich geht in genau die entgegengesetzte Richtung, zumindest preislich: HD ist auch bei den Projektoren angekommen. Wem selbst ein XXL-Flatscreen manchmal noch immer zu klein ist und wer auch auf der heimischen Großleinwand nicht auf High Definition verzichten möchte, der braucht einen Full-HD-Projektor. Wie zum Beispiel Mitsubishis Luxus-Modell HC7000. Trotz der hohen Auflösung und eines Kontrastverhältnisses von sensationellen 70.000 zu 1 soll das Gerät nahezu lautlos arbeiten – anders als andere Beamer, die mit ihrem Lüftergebrumme den Filmgenuss doch erheblich schmälern können. Der Preis wurde noch nicht bekannt gegeben, dürfte aber im mittleren vierstelligen Bereich liegen.

Trend 4: Navis – intelligenter als ihrer Fahrer

Tom Tom Go 940 Live

Oder wissen Sie immer, in welche Fahrspur sie sich einordnen müssen, wo sämtliche Sehenswürdigkeiten Europas zu finden sind oder wie das Wetter in Wanne-Eickel wird? Unsere Navigationsgeräte werden diese Fragen bald für uns beantworten können: Die kleinen GPS-Kisten entwickeln sich gerade von einfachen Lotsen zu voll ausgerüsteten Multimediazentralen im Auto.

So ist zum Beispiel Tom Toms neuer „Go 940 Live“ ständig mit dem Internet verbunden, informiert Autofahrer damit schneller über das Wetter und die aktuelle Verkehrslage als jede Radiostation. Dazu greift das Navi auch noch auf Googles Kartensuche zurück, findet also zum Beispiel den nächsten Supermarkt oder sämtliche Hotels in der Umgegend. Die Preise beginnen ab etwa 350 Euro, für die Datenflatrate werden zusätzlich noch einmal etwa 10 Euro pro Monat fällig.

Garmins neue Top-Modelle aus der Serie „nüvi 7“ sind hingegen zwar keine mobilen Internet-Stationen, stellen dafür aber Sehenswürdigkeiten in 3D und fotorealistische Ansichten von Kreuzungen dar. Außerdem helfen sie Autorfahrern, auf die richtige Spur zu kommen – mithilfe eines Fahrspurassistenten. Nur einen Autopolit haben auch diese Geräte leider noch nicht an Bord. Aber es müssen ja schließlich auch noch ein paar Innovationen für kommende Funkausstellungen übrig bleiben.

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