Ulmens „neue Freunde“ langen wieder zu

Die Figuren des ProSieben-Formats "Mein neuer Freund" kommen ins Internet. Schauspieler Christian Ulmen hat neue Folgen mit Alexander von Eich, Uwe Wöllner und Knut Hansen vorgestellt. Die Charaktere des Comedy-Multitalents werden ab Freitag bei MySpass.de zu sehen sein. In den Episoden führt der Entertainer Menschen aus dem Volk vor. Produktionsfirma Brainpool glaubt, dass so die "für das Internet produzierte Shows in Zukunft aussehen" könnten. Manchem dürfte der Spaß allerdings vergehen.

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Die drei Comedy-Charaktere der neuen Show entstammen alle der legendären Brainpool-Produktion „Mein neuer Freund“. Darin schlüpfte Christoph Ulmen in verschiedene Rollen. Seine Partner waren damals Frauen und Männer, die sich freiwillig für die Doku-Soap gemeldet hatten. Hielten sie ein Wochenende mit Ulmen als neuem Freund durch, wurden die Kandidaten mit 10.000 Euro ausgezahlt.

Der Arbeitsaufwand für die neuen Folgen hat sich in Grenzen gehalten. „Wir haben drei Wochen gedreht“, jeweils eine Woche mit einer Figur, sagt Christoph Ulmen auf der Pressevorführung vom Freitag, die ins Internet übertragen wurde. Herausgekommen ist eine Real-Satire, die die Grenzen der Fairness immer wieder überschreitet.

Einen harmlosen Spaß inszeniert Ulmen mit der Rolle des arbeitslosen Muttersöhnchens und isoliert lebenden Losers Uwe. In der ersten Folge von „Uwe Wöllner startet richtig durch“ treibt dieser als ersten Schritt in die Arbeitswelt einen weiblichen Image-Coach an den Rand der Fassungslosigkeit. Hier ist es noch witzig, wenn die ganze Szene kippt und die Image-Trainerin von der Führenden zur Vorgeführten wird.

Mit dem talentlosen Entertainer Knut Hansen greift Ulmen schon tiefer ins Klo. Am Wirtshaustisch von Chamerau, einem Dorf im Bayerischen Wald, gewinnt er beim Bier das Vertrauen des Bürgermeisters. Schon bald hat er seinen Gesprächspartner so weit, rechtsradikale Ansichten zu Ausländern, Kriminellen und seine Neigung zum tschechischen Straßenstrich vor laufender Kamera zu verbreiten. Immerhin: Wenn auch hier das Lachen im Hals stecken bleibt, gelingt Ulmen ein eiskalt berechneter Einblick in die Vorstellungswelt einer deutschen Provinz.

Bei „Alexander von Eich hilft“ geht es allein um Demütigung. Ulmen hat hier die Rolle eines adeligen Dandy mit einer Familie kontrastiert, die von Hartz IV lebt. Bald kommt es zu entwürdigenden Handlungen: Die übergewichtigen Eltern werden aufgefordert, eine Kletterwand zu ersteigen und gleichzeitig lächerliche Laute von sich zu geben. Nach einer Reihe von Beleidigungen lässt Ulmen alias von Eich seine Opfer nachsprechen: „…wir liegen dem Staat auf der Tasche“, „…sind selber Schuld“, „Wir sind die Unterschicht“ und schließlich: „Wir sind Mongos“.

Es ist dieselbe Lust am Wirken, mit dem der Grundschüler einen unterlegenen Mitschüler in der Öffentlichkeit demütigt und der Lächerlichkeit preisgibt: ein erbärmlicher Spaß auf Kosten des offensichtlich Schwächeren. – Muss das wirklich sein?

„Es gab Leute“, so Ulmen über die Gefühle seiner Dokusoap-Partner nach dem Dreh, „die dann den nötigen Humor vielleicht doch nicht aufbringen können“. War das der Fall, so hätten sich die Kontrahenten „hier und da geeinigt, das Gesicht zu Pixeln, die Stimme zu verändern oder einen Balken“ zu setzen. Die Mutter der vorgeführten Familie, die mehrfach den Tränen nahe ist, soll zu denen gehören, die mit dem Ergebnis einverstanden sind.

Unterdessen arbeitet Ulmen bereits an komplett neuen Figuren, „die unbekannt sind“ und mit denen „man überall hingehen kann, in die Öffentlichkeit“. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass das Format sich noch mehr in Richtung „Versteckte Kamera“ entwickeln wird. Bereits im Dezember soll das Rollen-Trio übrigens um eine neue vierte Figur bereichert werden.

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