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Nach HDTV kommt Personal TV

Während sich hierzulande TV-Sender noch mit dem Einstieg in HDTV-Übertragungen zieren, zeichnet sich in den USA bereits der nächste Evolutionsschritt des Fernsehens ab. Forrester Research hat eine Studie veröffentlicht, die zeigt, wie das Fernsehen die zunehmende Bedrohung durch das Internet meistern kann: Indem es selbst wird wie das Web! TV-Programme sollen in zehn Jahren weitgehend on-demand senden. Werbung wird auf die Zuschauer zugeschnitten und mit interaktiven Features versehen.

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Auf diese Weise, so die Marktforscher, könnte das Fernsehen seinen Status als anzeigenstärkstes Medium auch in Zukunft behalten. Los gehen soll es mit der schönen neuen Fernseh-Welt schon 2010. Dann würden laut Forrester Research erste Systeme zur Verfügung stehen, die On-Demand-TV und gezielte Anzeigenschaltung ermöglichen. Der Massenmarkt könnte dann zwischen 2012 und 2018 reif sein.

In den Ohren von ZDF-Intendant Markus Schächter mögen solche Prognosen wie Science Fiction klingen. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ hat Schächter für Deutschland gerade mal einen HDTV-Testbetrieb zur Leichtathletik WM 2009 zugesagt. Erst 2010, zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver, soll dann das gesamte ZDF-Programm in HDTV ausgestrahlt werden. Die Mainzer haben Angst vor den Kosten. Weil viele Zuschauer weiter mit alten analogen Empfangsgeräten und Röhrenfernsehern glotzen, müssen die Öffentlich-Rechtlichen das teure HDTV recht lange parallel zum herkömmlichen TV-Signal ausstrahlen. Sie haben schließlich die Pflicht zur Grundversorgung. Darum will Schächter zusammen mit dem derzeitigen ARD-Vorsitzenden Fritz Raff einen runden Tisch einberufen, der schon Mal festlegt, wann die Anstalten das analoge Signal abschalten. Und die Zuschauer damit zum Kauf teurer neuer Geräte zwingen.

Trifft nur die Hälfte der Forrester-Prognosen zu, dann ist das Fernsehen in den USA schon längst zu einer Art verlängertem Internet geworden, wenn Raff, Schächter und Co. noch an ihrem runden Tisch diskutieren. Während die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender in erster Linie von Gebühren leben, ist es für die US-Kanäle lebenswichtig, das Abwandern der Werbe-Erlöse ins Internet zu stoppen. Im nächsten Jahrzehnt wird die Zahl der Kanäle durch die digitale Distribution explodieren. Eine unüberschaubare Zahl von Spartensendern wird um die Aufmerksamkeit der Zuschauer konkurrieren. Zu vielen Angeboten wird es Communities geben.

Deutsche Privatsender wie RTL und ProSieben werden sich den Wandel des US-Fernsehens hin zum Internet mit Sicherheit sehr viel intensiver anschauen als die Öffentlich-Rechtlichen. Not macht erfinderisch.

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