Tote Michelle: RTL gesteht „Fehler“ ein

Peinliche Panne oder handfeste handwerkliche Fehler? Das sind die Fragen, die sich nach einem Beitrag des RTL-Magazins „Extra“ stellen. Der Bericht über die Empörung Leipziger Bürger nach dem Mord an Michelle war mit Bildern von einer Neonazi-Demo illustriert worden, auf der die Todesstrafe gefordert wurde. Der Hinweis auf den braunen Hintergrund unterblieb, zudem wurde der nicht bestätigte Missbrauch des Mädchens als Tatsache hingestellt. Dies berichtet Journalist Stefan Niggemeier, RTL gibt "Fehler" zu.

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Von MEEDIA mit den Fakten konfrontiert, hat der Sender Einsicht gezeigt. RTL-Sprecher Matthias Bollhöfer gibt zu: „Uns sind Fehler unterlaufen. Das ist ärgerlich und darf trotz des grossen Zeitdrucks unmittelbar vor der Sendung nicht passieren.“ Und Bollhöfer gelobt Besserung: „Wir haben das zum Anlaß genommen, unsere diesbezüglichen Kontrollmechanismen noch einmal zu verschärfen.“

Wie es jedoch zu dem Versagen kommen konnte, ist nach wie vor ungeklärt. Ein Marathon des Schweigens. „Extra“-Redaktionsleiter Jan Rasmus in Köln war auf Nachfrage nicht erreichbar. Und Thomas Präkelt, der Leipziger RTL-Redaktionsleiter, will damit nichts zu tun haben: „Dafür sind die Kollegen in Köln zuständig.“

Derweil spricht Niggemeier, einer der erfahrensten Medien-Berichterstatter der Republik, von „ahnungslosen und sensationslüsternen Möchtegernjournalisten“. Bekanntlich ist die Forderung nach Todesstrafe für Pädophilie eines der mittlerweile typischen Neonazi-Themen, mit denen die Braunen versuchen, sich an das bürgerliche Lager heranzuwanzen.

RTL lässt sich dazu eine emotionalisierte Frontberichterstattung einfallen: „(Die) Angst treibt die Menschen in Leipzig auf die Straße. Sie machen sich Sorgen um ihre Kinder, solange der Mörder von Michelle noch frei herumläuft und fordern drakonische Strafen. Allein im Raum Leipzig sollen 350 Kinderschänder registriert sein. Die Bürger hier wollen jetzt keine Haftstrafen mehr für verurteilte Pädophile, sie fordern die Todesstrafe.“

Dass die Demonstranten nicht den Willen der Leipziger Bürger repräsentieren, sondern einem Aufruf einer Neonazi-Organisation namens „Freies Netz“ gefolgt sind, verschweigt der Bericht. Es wäre jedoch leicht gewesen, den politischen Background der Demonstranten zu erkennen. Auf einem Banner ist die Webadresse der rechten Vereinigung deutlich zu lesen. Und im Vorfeld hatte die NPD den Fall des ermordeten Mädchens schon genutzt, um ihre Forderung nach der Todesstrafe für Mörder von Kindern zu untermauern. Für Stefan Niggemeier gehen die RTL-Reporter den Neonazis „gleich doppelt auf den Leim, wenn sie zumindest voreilig die Fixierung auf das Thema ‚Kinderschänder‘ übernehmen und die Nationalen gleichzeitig als diejenigen zeigen, die den Volkswillen repräsentieren“.

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