Neue WAZ-Zeitschrift kopiert sich selbst

Die WAZ Gruppe hat über ihr Tochterunternehmen Gong Verlag jüngst mit einigem Brimborium das Magazin "TV für mich" gestartet, einen Mix aus Frauenzeitschrift und Programmheft in 14-täglichem Rhythmus. Die Macher bezeichnen das Magazinkonzept in der Verlagsmitteilung vollmundig als "Dual Use"-Konzept. "Dual Use" praktiziert die WAZ allerdings auch noch in einem anderen Sinne. Die erste Ausgabe von "TV für mich" ist so gut wie identisch mit der März-Ausgabe der Zeitschrift "Aktuell für die Frau".

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Der Markt der Frauen- und der Programmzeitschriften ist hart umkämpft. Falls sich also jemand fragt, wie man rentabel Frauenmagazine für sagen wir 70 Cent oder TV-Zeitschriften für 90 Cent profitabel produzieren kann, der könnte sich einen Rat bei der WAZ holen.

Nicht nur Cover-Foto und Themen sind identisch. Die Zeilen und die Aufmachung der Titel gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Im Innenteil der Hefte finden sich dann auch weitgehend identische Geschichten, zum Teil sogar auf den gleichen Heftseiten. Unterschiede findet man höchstens im Detail. So wird den Leserinnen von „Aktuell für die Frau“ auf dem Cover „Urlaub in Deutschland“ nahegebracht, während die Zielgruppe von „TV für mich“ in einem Gewinnspiel einen Türkei-Urlaub angepriesen bekommt. Der Heftpreis unterscheidet sich auch. Man kann vermuten, dass „TV für mich“ 20 Cent teurer ist, weil man die Kosten für die Programmlistings kompensieren muss.

Verlag von „TV für mich“ ist der Gong Verlag aus Ismaning bei München, der zur WAZ Gruppe gehört. Dort erscheinen etablierte Titel wie „Gong“/“Bild + Funk“, „Die Aktuelle“ oder „TV direkt“. Produziert wird „TV für mich“ aber von dem kleinen Rastatter Verlag MS-Medienteam, den die WAZ kürzlich übernommen hat. Man darf einmal raten, welchen anderen Titel das Medienteam auch noch in der Mache hat. Richtig: „Aktuell für die Frau“. Chefredakteur beider Zeitschriften ist Michael Stange. Der war früher mal bei der „Bild“-Zeitung und hat für die Bauer-Tochter Pabel-Moewig (ebenfalls in Rastatt) schon das Frauenblatt „Mini“ verantwortet.

Dass in solch niedrigstpreisigen Magazin-Gefilden nicht zu Kisch-Preis-verdächtigen journalistischen Högenflügen angesetzt wird, ist klar. Aber immerhin steht hier mit der WAZ Gruppe ein renommierter, bekannter Medienkonzern dahinter. WAZ-Sprecher Paul Binder gegenüber MEEDIA: „Bei rund 70 Prozent des Mantels haben wir auf bereits vorliegendes Material zurückgegriffen. Wir garantieren damit einen Themenmix, der sich bei den Leserinnen bereits bewährt hat. Die zweite Ausgabe von ‚TV für mich‘ wird zu 70 Prozent aus neuen Inhalten bestehen, die dritte Ausgabe dann komplett.“

Für seine Neugründung „TV für mich“ hat der Verlag groß via Pressemitteilung und Werbekampagne getrommelt. Zitat aus der Verlagsmitteilung: „Damit ist ‚TV für mich‘ die erste Markteinführung im Programmzeitschriftenmarkt seit mehr als zehn Jahren, die der bestehenden Fernsehzeitschriftenpalette ein völlig neues Angebot hinzufügt.“ Dass man es am unteren Ende der Preisskala nicht so ganz genau nimmt, ist nicht weiter verwunderlich. Dass man aber darauf auch noch stolz ist, schon.

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