„Sevenload war nie ein Copycat“

Das Unternehmen ist der Star – in diesem Fall aber auch der Gründer. Der Kopf hinter Sevenload ist Ibrahim Evsan. Der bloggende und twitternde Kölner gehört zu den angesehensten deutschen Web-Unternehmern. Im MEEDIA-Interview spricht er über seine Börsenpläne und kündigt weitere Partnerschaften mit großen Verlagen an. Dazu verrät Evsan, wie er gegen die US-Konkurrenz bestehen will: „Das ist wie im Film '300'. Wir sind die Spartaner im Kampf gegen 
die gesamte mächtige amerikanische Internet-Welt."

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Das erste Mal, dass ich von sevenload hörte, war im Summer 2006. Der
Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski hatte mit Ihnen ein Video-Interview
 (siehe rechts „Video I“) geführt.



Oh. Ich weiß noch. Das war in Düsseldorf auf der Kö in einem 
Sport-Studio. Ein sehr spannender Tag. Sevenload war gerade gestartet.

Sind sie stolz auf das Geleistete?

Ich bin extrem stolz. Die größte Aufgabe für Sevenload war es, das Team
 um Axel Schmiegelow, Thomas Bachem und Andreas Heyden zusammen zu setzen. 
Dann bin ich stolz darauf, dass Sevenload mittlerweile als Marke gesehen
 wird. Der Aufbau einer Marke ist das wohl Schwierigste überhaupt im Netz.
 Ein weiterer Erfolg ist es, dass wir Sevenload jetzt international 
aufrollen. Bald wird auch unser Gesamtkonzept sichtbar. Darauf bin ich 
jetzt schon stolz.


Hatten sie mit diesem Erfolg gerechnet?




Was wir heute für ein Standing haben, das hätte vor zwei Jahren keiner
 gedacht. Wir wollten ein kleines Projekt machen. Dass es so gigantisch 
geworden ist, hat aber auch mit Glück zu tun. Der Markt war einfach bereit
 für uns.


Ist ein solches Projekt heute noch möglich, oder hat sich das Web und die
 Venture Kapital-Szene verändert?




Um Gottes willen, man sollte noch viel mehr solcher Projekte aufziehen.
 Man sollte nur keine Kopie eines erfolgreichen US-Angebots mehr machen und
 hoffen, damit viel Geld zu verdienen. Die Zeiten sind vorbei. Was aber immer 
noch gewünscht und gewollt ist, sind neue und gute Ideen. Der Markt ist noch immer offen, und es gibt überall noch so viel Geld zu holen.




Gibt es wirklich so einfach Kapital?



Man muss schon ein gutes Konzept haben. Die Investoren wissen heute, wie
 man tatsächlich Geld verdienen kann. Die Venture Kapital-Firmen sind heute
 durch ihre eigene Web-Nutzung so erfahren, dass sie gute von schlechten 
Ideen unterscheiden können. Das gab es in der Web 1.0-Zeit nicht. Da haben 
Banker investiert, die nie das Internet genutzt haben. Heute ist ein 
Investment-Banker quasi der Internetnutzer in Perfektion, der das Web 
versteht. Es ist für mich sehr wichtig immer wieder zu erwähnen, dass die
 Investitionsbereitschaft in Deutschland gestärkt werden muss, damit wir
 international weiterhin eine wichtige Rolle spielen.




Sie haben eben gesagt, dass man kein Copycat sein soll. Ist sevenload nicht 
auch eine YouTube-Kopie?

Wir waren nie ein Copycat. Als wir anfingen, gab es YouTube nicht. Es gab
 noch nicht einmal Web 2.0. Wir haben im April 2005 mit der Programmierung 
begonnen. Dass YouTube dann so schnell so bekannt geworden war, als wir ein
Jahr später online gingen, war der Lauf der Dinge.




Künstlerpech?



Nein, kein Pech. Ich hatte einfach keine 30 Programmierer. Ich hatte zu
der Zeit nur einen. YouTube war einfach schneller. Die hatten natürlich auch 
Glück, dass die Soldaten im Irak-Krieg ihre Videos bei ihnen hochluden und 
dann alle Magazine darüber berichteten. Wären wir damals schon international
gewesen, hätte sie vielleicht uns gefunden.




Hat man als europäische Seite überhaupt eine Chance auf dem US-Markt?

Europa wird von den Amerikanern kaum wahrgenommen. Aber wir sind hier
 Kämpfer. Das ist wie im Film „300“. Wir sind die Spartaner im Kampf gegen 
die gesamte mächtige amerikanische Internet-Welt.




Macht es dann überhaupt Sinn, gegen YouTube anzutreten?



Natürlich. Im Gegenteil. Schauen wir uns die Spartaner-Idee an: Hätten
 die auch sagen sollen: Die Gegner sind übermächtig, die greifen wir jetzt 
nicht an? Man muss Marktnischen finden, die YouTube nicht so gut besetzen 
kann. Zum Beispiel die perfekte Kundenbetreuung. Rufen Sie mal bei YouTube 
an und versuchen Sie, einen Termin zu bekommen. Da ist Ebbe. Aber bei uns 
bekommen sie sofort einen Termin. Abgesehen davon, kann man uns gar nicht
 vergleichen. So bieten wir ja auch sehr viele erfolgreiche Business zu 
Business-Konzepte an.




Wie verdient Sevenload Geld?

Wir verdienen in vielerlei Hinsicht Geld. Wir machen Services für Firmen wie BMW, für die wir den TV-Kanal BMW-Web.tv betreiben. Dazu haben wir sehr
 viele Kunden, die von uns Player-Technik und Traffic kaufen. Wir können bis zu 500.000 Videoviews garantieren.




Was ist mit Werbung?

Dazu haben wir noch Crossmedia-Angebote und Leuchtturmprojekte
 wie Big Brother.




War die Big Brother-Kooperation erfolgreich?

Ja. Gigantisch. Wir hatten mehrere Millionen Besucher pro Tag, nur wegen Big 
Brother. Vor dem Hintergrund der Aktualität Web 2.0-Technologie und dem
 Wandel der Medienwelt sollte die Big Brother Website einen Mehrwert
 schaffen, indem sie als interaktives Medium parallel zum TV-Format die
 Zuschauer mit weiterführenden bewegten Bildinhalten versorgt. Zwei der 
Online Casting Kandidaten schafften den Einzug ins Haus. Die 
Rückkoppelungsfunktionen von TV und Internet schaffen zusätzlich zu der 1:1 
Abbildung und Begleitung eines Fernsehformats im Internet einen Mehrwert für
den Zuschauer. Die Kooperation von Endemol mit Sevenload, einen von 
deutschen Fernsehsendern unabhängigen Anbieter für Web-TV, ist für den 
Erfolg von BigBrother.de bezeichnend. Anstatt auf die Online-Töchter der
 TV-Sender zu setzen, wurde die Daily-Reality TV-Show durch Sevenload als 
neutraler Partner umgesetzt.




Wann geht Sevenload an die Börse?

Da darf ich im Moment aus verständlichen Gründen nichts zu sagen.




Aber der Traum besteht?

Nicht nur der Traum. Wir arbeiten dran. Es ist höchste Zeit, dass Firmen
 wieder den Mut haben, den Schritt Richtung Börse zu denken. Doch ein solcher
 Schritt muss intelligent geplant sein und nicht überhastet in Szene gesetzt
 werden.

Gibt es einen Masterplan, wie sevenload in der Zukunft aussehen soll?



Den gibt es. Technik und Strategie sind bei Sevenload untrennbar
 miteinander verwoben. Die gesamte Infrastruktur des Unternehmens ist auf
 nichts Geringeres ausgelegt, als sämtliche erdenklichen Daten und
 Informationen entsprechend flexibel und skalierbar verwalten zu können.
 Unser Unternehmen wird dabei auf Wachstum, Perfektion, Eigeninitiative und
 ständige Innovationen getrimmt. Damit unsere ehrgeizige Strategie aufgeht, 
forcieren wir eine Kultur des kontinuierlichen Lernens. In dieser 
Unternehmenskultur wird es regelrecht erwünscht sein, Fehler zu machen und
 einzugestehen, anstatt keine Entscheidungen zu treffen. Außerdem wird eine
Atmosphäre gefördert, in der Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg
 eine Selbstverständlichkeit ist. Als Erstes werden wir zeigen, dass wir mit
 mehreren Verlagen zusammenarbeiten können.


 Also nicht nur mit Burda.

Wie weit sind die Verhandlungen mit den neuen
 Partnern?



Die Verträge sind unterschriftsreif. Ich will aber nicht mehr verraten.
 Das wird jetzt aber nach und nach offen gelegt und einige Überraschungen beinhalten.

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