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Sat.1 ist wieder verliebt in Berlin

Am Montagabend wird es ernst für die Sat.1-Chefetage: Mit der neuen Telenovela "Anna und die Liebe" startet das wichtigste Sender-Projekt der neuen TV-Saison. Die tägliche Serie mit Jeanette Biedermann soll den Vorabend beflügeln und dem direkten RTL-Konkurrenten "Alles was zählt" möglichst viele junge Zuschauerinnen abjagen. Doch wird das auch gelingen? MEEDIA hat sich die ersten fünf Episoden der Serie angesehen und bewertet die Marktchancen. Fazit: Erfolg nicht ausgeschlossen.

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Es steht viel auf dem Spiel für Sat.1. Erstmals seit dem Aus für den Telenovela-Megahit „Verliebt in Berlin“ gibt es größere Veränderungen im vorabendlichen Programmschema, kommt frischer Wind in den festgefahrenen Mix aus zahlreichen trashigen Crime-Soaps. Seit den alten Zeiten des Serienerfolgs mit Alexandra Neldel, die auf ihrem Peak Zielgruppen-Marktanteile von 25% und mehr geholt hat, fragen sich die Sat.1-Oberen, wie dieser Erfolg noch einmal wiederholt werden kann.

Versucht wurde es nach dem Ausstieg Neldels mit größeren Umbesetzungen. Versucht wurde es mit einer weiteren Telenovela, die längst vergessen ist. Und versucht wurde es aus der Not heraus zuletzt mit einem Billigkrimi-Marathon von 17 Uhr bis 19.30 Uhr, der nur die Schmerzfreiesten zweieinhalb Stunden vor dem Fernseher hält.

Und es steht auch viel auf dem Spiel für Producers at Work. Nach kapitalen Megaflops wie der peinlichen ProSieben-Serie „Volles Haus“ oder der zumindest handwerklich guten Ermittlerserie „R.I.S.“, die bei Sat.1 leider auch kaum jemand sehen wollte, muss die nach dem „Verliebt in Berlin“-Erfolg von ProSiebenSat.1 und Ex-Grundy-UFA-Mann Christian Popp gegründete Produktionsfirma endgültig beweisen, dass sie mehr kann, als konzerneigene Aufträge quasi per Rohrpost zugestellt zu bekommen. Sollte auch „Anna und die Liebe“ floppen, könnten die Producers at Work zunehmend zur Lachnummer der Branche werden.

Mit „Anna und die Liebe“ soll nun alles anders werden. Um es vorweg zu nehmen: Das könnte gelingen. „Anna und die Liebe“ schaut zumindest in den ersten fünf Episoden wie eine Serie aus, die bei der Kernzielgruppe der jungen Frauen großen Anklang finden könnte. Und das alles, obwohl oder gerade weil so einiges bei Außenstehenden für Kopfschütteln sorgen wird. So passiert in fünf „Anna und die Liebe“-Folgen in etwa so viel wie in einer mittelprächtigen US-Serie in fünf Minuten.

Und so besteht der Cast aus einem bunten Mix aus Menschen, die man kennt, Menschen, die man schon beinahe vergessen hat und Menschen, die man nicht kennen muss. Zum Beispiel der ehemalige Schauspielpromi Mathieu Carrière, bei dem man sich in jeder Szene fragt, ob er damals einfach überschätzt wurde oder ob er sich für „Anna und die Liebe“ ganz einfach an das Niveau der schlichten Telenovela-Bücher anpasst. Oder Alexander Klaws, der nach seinem Sieg bei „Deutschland sucht den Superstar“ erst Millionen auf Dieter Bohlens Konto geschaufelt hat, dann in einem Musical mitspielen durfte und nach einem relativ erfolglosen Pop-Comeback nun zum Telenovela-Sternchen mutiert. Und natürlich Jeanette Biedermann, deren zu spielende Figur in den ersten Episoden so unglaublich holzschnittartig daher kommt, dass eine etwaige schauspielerische Leistung einfach nicht zu bewerten ist; immerhin schafft sie es, selbst Leuten, die eine gewisse Antipathie gegen sie hegen, diesmal ausnahmsweise nicht auf die Nerven zu gehen.
Gepaart mit offensichtlichen Billig-Kulissen, Klischees ohne Ende und der üblichen Prise Über-Dramatik entsteht aus all dem ein Mix, der genau den Nerv der Zielgruppe treffen könnte. Das liegt auch daran, dass „Anna und die Liebe“ gekonnt das „Verliebt in Berlin“-Thema – hässliches Entlein verliebt sich in unerreichbaren Prinzen – kopiert. Die Alexandra-Neldel-Rolle übernimmt Biedermann, ihr Pendant wird verkörpert vom Telenovela-erfahrenen Roy Peter Link („Rote Rosen“).

So sehr all diese Zutaten zwar nicht gerade für Innovation, Kreativität oder Originalität stehen, so sehr versprechen sie aber doch Erfolg. Schließlich will die Zielgruppe vor allem 30 tägliche Minuten Ablenkung, Spannung, Emotion, liebens- und hassenswerte Soap-Sternchen sowie Geschichten, denen leicht zu folgen ist. All das bietet „Anna und die Liebe“ meisterhaft. Ob allerdings meisterhafter als RTL-Konkurrent „Alles was zählt“ – das müssen die nächsten Wochen zeigen.

Sat.1 zeigt „Anna und die Liebe“ ab Montag, 24. August werktäglich um 19 Uhr.

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