RTL-Serie „112“ soll Leben und Quote retten

Das gab es noch nie im deutschen Fernsehen: Mit „112 - Sie retten dein Leben“ versucht sich RTL ab Montag an einer täglichen Action-Soap im Nachmittagsprogramm. Die Serie dreht sich um ein Team von Rettern, die zu spektakulären Einsätzen gerufen werden. Doch nicht nur Leben sollen hier gerettet werden – auch die schlechten Quoten am Nachmittag will RTL in den Griff bekommen. Der Sender setzt dabei auf die erfolgreiche „Alarm für Cobra 11“-Produktionsschmiede Action Concept.

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„Mach endlich den Gameboy aus“ schreit die genervte Mutter ihren Sohn an, mit dem sie auf der Autobahn unterwegs ist. Hektisch fuchtelt sie an seinem Gurt herum –bis sie die Kontrolle über das Auto verliert und mit gefühlten zehn Überschlägen eine Böschung hinabstürzt. Großeinsatz für Brandinspektor Ingo Bender (Gernot Schmidt) und sein Team: Gemeinsam mit Rettungssanitätern und der Polizei versuchen sie in einer spektakulären Rettungsaktion die Verletzten zu bergen.

Dass das Auto dabei halb über einem Abgrund hängt und zu allem Übel auch noch Feuer fängt, trägt die Handschrift der Serien von Action Concept. Schließlich ist der Produktionschef Hermann Joha ein ehemaliger Stuntman, der in den letzten Jahren gleich viermal den „World Stunt Award“ gewann und mit der deutschen Primetime-Actionserie  „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“ einen Quotenerfolg nach dem anderen feiert.

Die Herausforderung bei der Produktion von „112“ ist das Abdrehen einer kompletten Folge pro Tag – inklusive Autocrashs und Hubschraubereinsätzen. Um das Produktionsbudget, das „im guten sechsstelligen Bereich“ liegt nicht zu überschreiten, wird auf Video statt auf Film gedreht. Außerdem ist „112“ eine gute Möglichkeit, die aufwändigen Kulissen von Action Concept, wie beispielsweise ein zwei Kilometer langes Autobahnteilstück, voll auszunutzen: „In den letzten 15 Jahren haben wir uns einen Spielplatz fürs Action-Genre aufgebaut. Eine tägliche Serie wie ‚112 – Sie retten dein Leben‘ können wir nur deshalb stemmen, weil wir aufgrund dieser Erfahrung unglaublich effizient geworden sind“, so Hermann Joha in einem Interview.

Die Actionszenen von „112“ sind gewohnt professionell abgedreht. Doch auch die spektakulärsten Bilder helfen nicht, wenn die Geschichte komplett vorhersehbar ist. Jede Folge ein Unfall, jede Folge eine dramatische Rettungsaktion, die die Helfer an ihre physischen und emotionalen Grenzen treibt, jede Folge ein ­–nein, wir wollen das Ende an dieser Stelle nicht verraten. Der Rest besteht aus den üblichen Soap-Zutaten Liebe, Intrige, Eifersucht und Kompetenzgerangel in gewohnt mittelprächtiger schauspielerische Darstellung.

„112“ ist demnach weder Fisch noch Fleisch. In den 22 Minuten langen Folgen lassen sich kaum verzwickte Beziehungskonstellationen und überraschende Wendungen unterbringen, die den Suchstoff einer Dailysoap ausmachen. Und auch ein immer gleicher Ablauf der Actionszenen wird wohl kaum für Spannung sorgen. Interessant ist jedoch die Frage, wer eigentlich „112“ sehen wird: Die Mischung aus „harter“ Action und „weichen“ Soap-Geschichten ist ungewöhnlich und lässt nicht eindeutig auf eine Zielgruppe schließen.

Zugute halten muss man RTL dennoch seine Experimentierfreudigkeit: Genre-Grenzen zu überschreiten ohne einfach nur die Konzepte andere zu kopieren, ist ohne Zweifel mutig. Und 80 bereits abgedrehte Folgen sprechen für einen langen Atem bei den Verantwortlichen, selbst wenn die Quote am Montag nicht überzeugen sollte.

RTL zeigt «112 – Sie retten dein Leben» ab dem 25. August 2008 immer montags bis freitags um 17 Uhr.

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