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Emig-Prozess: Intendant unter Druck

Im Strafprozess gegen Jürgen Emig, den früheren Sportchef des HR, musste Kurt Denk am Mittwoch in den Zeugenstand. Der Veranstalter des „Ironman Frankfurt“ sagte am Mittwoch vor dem Landgericht Frankfurt aus, er habe sich 2003 über die hohen Produktionskostenzuschüsse, die Emig gefordert hatte, bei der Hessischen Landesregierung beschwert. Diese habe den Brief an HR-Intendant Helmut Reitze weitergeleitet, der die hohen Zahlungen in einem Antwortschreiben rechtfertigte, meldet epd.

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Als Veranstalter hatte Denk einen Kostenzuschuss in Höhe von 95.000 Euro an SMP geleistet, eine zwischengeschaltete Agentur, bei der Emigs Ehefrau stille Teilhaberin ist. SMP soll jedoch nur 30 000 Euro an den HR weitergeleitet haben.

Denk richtete seine Beschwerde an die Hessische Landesregierung als Aufsichtsinstanz, nachdem er erfahren hatte, dass der Hamburger Triathlon-Veranstalter weniger Geld an den NDR gezahlt hatte. In Reitzes Antwortschreiben hieß es, der HR verfüge nicht über dieselben finanziellen Möglichkeiten wie der NDR – eine umfangreiche Live-Berichterstattung könne nur durch Beistellungen des Veranstalters gesichert werden. Da Reitze den geforderten Beitrag, der mit „fast 100.000 Euro“ angegeben war, nicht angezweifelt hatte, ging Denk davon aus, „dass die Oberen beim HR Bescheid wussten“.

Der HR äußerte sich bislang nicht zu diesem Vorgang. Bislang hatte der Sender stets betont, erst 2005 im Zuge der staatsanwaltlichen Ermittlungen von der Differenz erfahren zu haben, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Die Hessische Landesregierung, die der Veranstalter 2003 ursprünglich angeschrieben hatte, erklärte, der Vorgang aus 2003 sei nicht auffindbar.

Im Jahr 2004, nach Emigs Ausscheiden als HR-Sportchef, gingen noch 78.000 Euro an den Sender. Die Revision des HR habe im Herbst 2004 Denk um Akteneinsicht im Zusammenhang mit den Ironman-Verträgen gebeten, die er ihr auch gewährt hat. Seit 2006 zahlte Denk gar kein Geld mehr für die Übertragung des „Ironman“ an den HR, betonte er.

Jürgen Emig ist wegen Bestechlichkeit, Betrug und Untreue angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Schmiergelder in Höhe von mehr als 600.000 Euro für bevorzugte TV-Übertragungen von Sportereignissen erhalten zu haben.

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