Ab Freitag: Bauers „TV Movie Digital“

Am Montagnachmittag hat der Heinrich Bauer Verlag seine neue Zeitschrift vorgestellt: „TV Movie Digital“. Der Ableger des Bauer-Programmies „TV Movie“ soll dem Hauptkonkurrenten „TV Digital“ aus dem Axel Springer Verlag Paroli bieten und ist Bauers Antwort auf die Flut der digitalen TV-Programme. Diese Reaktion war überfällig. Zwar ist das Unternehmen mit seinem Jahresumsatz von rund 1,8 Mrd. Euro ein Schwergewicht in der Print-Welt. Dennoch knirscht es seit langem im Gebälk des Traditionshauses.

Anzeige

„TV Movie Digital“ wird ab Freitag dieser Woche in einer Druckauflage von 330.000 Exemplaren auf den Markt geworfen. Chefredakteur der neuen 14-tägigen Zeitschrift ist Stefan Westendorp, zugleich Chef des Mutter-Blattes „TV Movie“. „TV Movie Digital“ soll die wichtigsten Sender von sieben digitalen Programmpaketen neben den Angeboten aus dem Free-TV übersichtlich auflisten, Westendorp nennt diese Methode „Twin View“. Weiterer Schwerpunkt ist eine regelmäßige Fußball-Berichterstattung, die dazu beitragen soll, den Copypreis von 1,60 Euro zu rechtfertigen. Westendorp betont, dies sei ganz bewusst „kein Kampfpreis“ – wie überhaupt der Start von „TV Movie Digital“ belege, dass „Print noch lange nicht am Ende“ sei.

Aber trotzdem kann man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Deshalb wird  seit einigen Monaten im Hause Bauer heftig renoviert. Der Verlag soll fit gemacht werden für die Zukunft – und für eine Stab-Übergabe an die Töchter des Hauses. Heinz Bauer und seine Frau Gudrun hatten insgesamt fünf Kinder. Ihr einziger Sohn starb im Alter von nur fünf Jahren an Leukämie. Der erklärte Wille des 68-jährigen Verlegers ist es, dass seine Töchter eines Tages sein verlegerisches Lebenswerk weiterführen.

Weeklies in Bedrängnis

Traditionell verdient der Verlag mit dem Segment der Women’s Weeklies eine Menge Geld. Dünne Geschichten auf dünnem Papier für den schmalen Geldbeutel so mancher Dame. Nur: Das Geschäft mit den Billigheimern läuft nicht mehr rund. Anfang des Jahres sind kleine Verlage auf die Idee gekommen, alles noch billiger zu produzieren. So gab es jüngst eine wahre Schwemme an Ultra-Billigtiteln mit austauschbaren Covern, austauschbaren Geschichten und austauschbaren Namen wie „Von Frau zu Frau“, „Illu der Frau“, „Spaß für mich“, „Das macht Spaß“ und so weiter. Eines haben sie gemeinsam: Sie erscheinen monatlich und kosten zwischen 49 und 60 Cent. Damit unterbieten sie die Bauer-Weeklies deutlich im Preis.

Eine „Laura“ aus dem Hause Bauer kostet 90 Cent und „Alles für die Frau“ 70 Cent. Der Titel hat in der jüngsten IVW-Auflagenauswertung rund ein Drittel Auflage eingebüßt. Bauer hat vom Jahreszeitenverlag Jörg Hausendorf geholt, um die Misere zu richten. Hausendorf versucht es mit Beilagen, Relaunchs und Personal-Rochaden. „Tina“ bekommt mit Sabine Fäth im September eine neue Chefin, Viola Wallmüller übernimmt „Laura „. Außerdem redet Hausendorf in Interviews von „journalistischer Qualität“, mit der er die ungewohnte Billig-Konkurrenz bekämpfen will. Das von Bauer im Juni gestartete Heftchen „Adel Exklusiv“ kostet allerdings auch nur 49 Cent.

Fernseh-Flaggschiff mit leichter Schlagseite

Nachdem sich Bauer mit der Einstellung des Hochglanz-Männermagazins „Matador“ Ende März komplett aus dem Männer-Segment verabschiedet hat, bleibt die Programmzeitschrift „TV Movie“ als eines der letzten höherpreisigen Premium-Magazine (1,45 Euro) im Portfolio. Die Auflage sinkt, wie bei fast allen Programmzeitschriften, kontinuierlich. Ein Blick in den MEEDIA-Analyzer zeigt: In den zurückliegenden 12 Monaten ging der Verkauf um knapp zehn Prozent zurück, der Einzelverkauf sogar um zwölf Prozent. Gestützt wurde die Auflage, indem die sonstigen Verkäufe im selben Zeitraum auf jetzt 30.700 Exemplare angehoben wurden.

Allerdings liegt „TV Movie“ mit 1,6 Mio. Exemplaren immer noch stabil vor „TV Spielfilm“ und „TV Today“. Im verlagsinternen Ranking musste „TV Movie“ die Auflagen-Krone schon länger an „TV 14“ abgeben. Die 1-Euro-Programmzeitschrift verkauft stabil rund 2,3 Mio. Exemplare. Die Konkurrenz für Bauers Fernseh-Magazine heißt „TV Digital“ und kommt von Axel Springer. Der Gesamtverkauf dieser digitalen Programmzeitschrift ist über die 2-Mio.-Marke geklettert und steigt und steigt. Große Teile der Auflage generiert „TV Digital“ zwar über Kooperationen mit Pay-TV-Anbietern wie Premiere – der Erfolg ist aber nicht zu bestreiten. Die 14-tägliche Programmzeitschrift „tv life“ hat Bauer im Juli eingestellt, die „Fernsehwoche“ bekommt mit Beatrix Kruse zum 1. September eine neue Chefredakteurin.

Stiefkind Online

Eine stringente Online-Strategie ist beim Bauer-Verlag nicht zu erkennen. Seit September 2007 hat der Verlag seine Internet-Aktivitäten zwar in der Bauer Digital KG gebündelt, die von Schwiegersohn Sven-Olof Reimers geführt wird; herausragende Aktivitäten gibt es hier aber bislang keine. Im Gegenteil. Im April hat Bauer den Versuch beendet, mit der Spiele-Plattform eGames.de im boomenden Markt mit Online-Spielen mitzumischen. Ein Print-Titel gleichen Namens wurde ebenfalls schnell wieder beerdigt. Während Verlage wie Burda, Holtzbrinck und Axel Springer Online-Beteiligungen kaufen und gründen, wo es nur geht, und Gruner + Jahr versucht, wenigstens seine Marken ins Internet zu verlängern, herrscht bei Bauer digitales Schweigen. Von einzelnen Vorzeigeprojekten wie Bravo.de abgesehen. Wohlmeinende sprechen dem Verleger zu, dass er nicht jeden Hype mitmacht und mit seinen bunten Heften viel mehr Geld verdient, als die jungen Internet-Start-ups sich jemals erträumen könnten. Doch das Geschäft mit den billigen Frauen-Zeitschriften und TV-Magazinen ist ein problematisches Business.

Hoffnungsträger People-Segment

Als Zukunftsfeld im Hause wird offenbar weniger das Internet gesehen als das People-Segment bei den Zeitschriften. Im Juni hat der Verlag sich nach langer Leidenszeit von der siechende Altlast „Revue“ getrennt. Mit „InTouch“ hat der Verlag ein neues heißes Eisen im Feuer. Nach Startschwierigkeiten entwickelt sich die Auflage des Promi-Bilderbogens sehr gut. Seit der ersten IVW-Meldung im 1. Quartal 2006 konnte „InTouch“ den Einzelverkauf von knapp 174.000 auf rund 267.000 Exemplare im 2. Quartal 2008 steigern. Ein Erfolg, den Bauer mit dem Start von „Life & Style“ Ende Mai gerne wiederholen würde. Als Chefredakteurin wirkt Ilka Peemöller, die von der „Bild am Sonntag“ geholt wurde, als „aktive Herausgeberin“ ist die älteste Bauer-Tochter Mirja, die Ehefrau von Digital-Mann Reimers, an Bord. Eine ähnliche Konstellation wie beim Start von „InTouch“. Genau wie „InTouch“ hat „Life & Style“ ein erfolgreiches Mutterblatt in den USA, aus dem Geschichten übernommen werden können. Und genau wie bei „InTouch“ spielt eine Tochter des Hauses von Beginn an eine wichtige Rolle.

Bei „InTouch“ machte Nicola Henriette Bauer eine steile Karriere von der Redakteurin über die Stellvertreterin, bis sie im Januar 2007 Gründungs-Chefredakteur Marc Werthmann ablöste. Zu diesem Zeitpunkt war schon abzusehen, dass „InTouch“ die Startschwierigkeiten überwunden hat und auf der Erfolgsspur landen würde. Spricht man mit ehemaligen Mitarbeitern und Führungskräften des Hauses, ist über die Qualitäten von Nicola Bauer als Chefin wenig Gutes zu hören. In der Redaktion habe eine „Atmosphäre der Angst“ geherrscht. Tatsache ist: Seit dem Amtsantritt von Nicola Bauer hat fast das ganze Redaktionsteam gewechselt. Dem Erfolg von „InTouch“ tat das bisher allerdings keinen Abbruch.

Die Hoffnungsträger sind also „InTouch“ und „Life & Style“, beziehungsweise Nicola und Mirja. Ach ja, und Yvonne. Yvonne Bauer hat ebenfalls eine herausgehobene Stellung in der Firma ihres Vaters eingenommen. Sie leitet seit April den Bauer Vertrieb. Als Mitglied der Steuerungskommission Vertrieb war sie bereits seit September 2006 an Aufräumarbeiten in der Abteilung beteiligt. Hintergrund ist ein Vertriebsskandal im Hause Bauer. 2006 kam heraus, dass von Bauer beauftragte Vertriebsmitarbeiter in großem Stil Abo-Abrechnungen gefälscht und Provisionen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Im Hause wird gerne erzählt, dass Yvonne Bauer damals „entscheidende Hinweise“ zur Aufklärung gegeben habe.

Die vierte Tochter heißt Saskia Bauer, hat in London Philosophie studiert und wurde als Trainee für den Verlag nach London geschickt. Das England-Geschäft ist für Bauer immens wichtig geworden. Ende 2007 hat Heinz Bauer für erkleckliche 1,6 Mrd. Euro die britische Emap-Gruppe mit all ihren Zeitschriften und Radiosendern gekauft. Gut möglich, dass Saskia eines Tages ihre berufliche Bestimmung auf der Insel findet.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige