Emig-Prozess: Heuchelei mit System

Der ehemalige Fernsehspielchef des SR, Martin Buchhorn, hat sich im Zusammenhang mit dem Emig-Prozess zu Wort gemeldet. Dem Ex-Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, wird vorgeworfen, systematisch über Jahre hinweg Geld für Schleichwerbung kassiert haben. Buchhorn dazu: "Bei der Finanzsituation der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten bleibt gar nichts anderes übrig." Den ARD-Führungsgremien attestiert er gegenüber der "SZ" eine "pharisäerhafte Haltung".

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Buchhorn weiß, wovon er spricht. Der Regisseur, Sachbuchautor, Filmemacher und Lyriker war 34 Jahre, von 1970 bis 2004, beim Saarländischen Rundfunk, überwiegend als Fernsehspielchef. Statt von einem „System Emig“ spricht er von einem „System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, in dem öffentlich Schleichwerbung und Produktplatzierungen verurteilt, aber intern toleriert oder sogar verlangt wurden“.

Den Grund für diese illegale Praxis sieht Buchhorn im Geldmangel. Insbesondere die neue Konkurrenz durch das Privatfernsehen in den 1980er Jahren hätten die Etats der öffentlich-rechtlichen Sender schrumpfen lassen. Wie die ARD diese Finanzlücken zu schließen wusste und weiß, beschreibt Buchhorn in aller Deutlichkeit:

„Wir haben im Lauf der Jahre Wege entwickelt und perfektioniert, Dinge des täglichen Lebens, die sowieso in den Filmen auftauchen würden, dramaturgisch so zu platzieren, dass Industrie, Wirtschaft und andere Hersteller aus ihrer Konkurrenzsituation heraus über Agenturen dafür Geld bezahlt haben.“

Zur Verschleierung der Geldbewegungen nutzte die ARD privatwirtschaftliche Tochterunternehmen und Agenturen. Buchhorn: „Es gab dieses System und es wurde und wird kräftig geheuchelt.“

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Ex-Fernsehspielchef zur versteckten Werbung bei der ARD aus der Insiderperspektive äußert. Bereits 2005 hatte Buchhorn im Gespräch mit der „Hörzu“ zugegegeben, selbst Schleichwerbung betrieben zu haben und beschrieb die „übliche Praxis“ der „Etataufbesserungen“ bei der ARD, die von „den Redaktionen und Produktionen über die Intendanten bis zu den Gremien“ reichten.

Sein Engagement im aktuellen Strafprozess begründet Buchhorn damit, dass es „auch für Emig Gerechtigkeit geben“ müsse. Allerdings sei es nicht hinnehmbar, wenn Emig auch in die eigene Tasche gewirtschaftet haben sollte. Schleichwerbung und Produktplatzierungen seien vollkommen in Ordnung. Sofern „die akquirierten Gelder einzig und allein dem Film zugute kommen“, so Buchhorn.

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