TV-Sender lassen HDTV schleifen

Interessenkonflikt bei der Einführung des neuen Fernsehstandards HDTV: Der Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) wirft den deutschen TV-Sendern vor, die Einführung von HDTV zu verzögern. In einem Brief, den auch Elektro-Fachhändler wie Media-Saturn und Expert unterzeichneten, fordert der BVT eine „schnelle und verbindliche Entscheidung für das Fernsehen der Zukunft“. Im Gespräch mit der „FTD“ beklagte Expert-Chef Volker Müller zudem, dass die Sender ihre Prioritäten falsch setzen.

Anzeige

Hintergrund der Vorwürfe sind sinkende Umsätze im Bereich der Flachbildschirme. Ein erster „Flachbildschirm-Boom“ flaut gerade ab, der nächste ist nicht in Sicht. Die Elektrofachhändler fürchten, ohne neue Anreize – sprich: hochauflösende Inhalte im TV – nur wenige neue Kunden zum Kauf eines Flachbildschirms bewegen zu können.

Für die Sender wiederum lohnt sich die Einführung des neuen Standards nach eigenen Aussagen erst, wenn ca. zehn Prozent aller deutschen Haushalte HDTV empfangen können. Dafür genügt nicht allein ein Flachbildschirm, auch eine HDTV-Empfangsbox muss angeschafft werden. Die bisherigen Zahlen lassen einen HDTV-Start in weite Ferne rücken: Gerade einmal eine halbe Million Haushalte verfügt über eine solche Empfangsbox. Bei den Bildschirmen sieht es besser aus, über zehn Prozent (5,3 Millionen) aller deutschen Fernseh-Haushalte sollen laut BVT bis Ende 2008 damit bestückt sein.

Doch für die Sender, die sich von dieser Zahl unbeeindruckt zeigen, ist der Einstieg extrem teuer: Die Produktions- und Sendetechnik müsste zuerst komplett umgerüstet werden. Ein Vorgang, für den die gebührenverwöhnte ARD allein 140 Millionen Euro veranschlagt – für die Jahre 2009 bis 2012, in denen sie etwa 15 Prozent des Programms im HDTV-Standard zeigen möchte.

Vor allem kleinere Sender haben dagegen bei der Einführung von HDTV die Nase vorn: Arte und Kabel1 etwa, die über Satellit HDTV-Kanäle anbieten. Oder der Anfang 2009 startende Klassiksender von Jan Mojto. Den HDTV-Sender wird Mojto mit seiner Produktionsfirma Unitel Classica alleine finanzieren. Von solch einem Wagemut kann man weder bei den Öffentlich-Rechtlichen noch bei den privaten Platzhirschen sprechen.

Immerhin gibt die ARD mit 2010 einen Starttermin für HDTV aus. Und auch das ZDF will pünktlich zu den olympischen Winterspielen anfangen, hochauflösend zu senden. ProSiebenSat.1 will ebenfalls 2010 starten, RTL hält sich an die Zehn-Prozent-Grenze. Wenigstens auf der diesjährigen IFA, die Ende August startet, wird HDTV einer der Schwerpunkte sein – wenn schon nicht auf den Vorstands- und Gremien-Sitzungen der Sender.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige