Döpfner: „Online ist der Freund der Zeitung“

Die Axel Springer AG will auch nach Vorlage der Halbjahreszahlen das Rekordergebnis von 2007 für das Gesamtjahr übertreffen. "Online ist der Freund und nicht der Feind der Zeitung", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner bei der Präsentation der Zahlen. Den Online-Werbevermarkter Zanox und das europäische Frauenportal auFeminin.com lobte er als wichtige Wachstumsbringer. Auf niedrigem Niveau, könnte man hinzufügen. Das Segment Digitale Medien legte im 1. Halbjahr im EBITDA von knapp vier auf sechs Mio. Euro zu.

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AuFeminin.com erwirtschaftete eine sagenhafte Umsatzrendite von über 50 Prozente, schwärmte Döpfner. Zwar sei der Aktienkurs gefallen, Springer habe dies aber genutzt, um seine Anteile an auFeminin.com günstig auf 79,7 Prozent aufzustocken. Ab 18. August will Springer über Bild.de auch Bundesliga-Fußball zeigen. Döpfner kündigte eine tägliche Video-Show mit Spiel-Ausschnitten an, die in Kooperation mit der Telekom gezeigt wird.

Bei aller Online-Seligkeit – im Vergleich zu den knapp 160 Mio. Euro, die „Bild“ und die anderen inländischen Zeitungen im 1. Halbjahr verdienten, sind die Online-Gewinne Kleckerles-Beträge. Doch nach wie vor sinken bei den deutschen Zeitungen Erlöse und Gewinne. Das EBITDA von „Bild“ und Co lag im 1. Halbjahr 2007 noch bei 180 Mio. Euro. Dabei sind die Vertriebserlöse bei den deutschen Zeitungen sogar um drei Prozent gestiegen. Massive Preiserhöhungen machen’s möglich. Der naheliegende Schluss: Der Werbemarkt für deutsche Print-Produkte schwächelt weiter. Bei den deutschen Zeitschriften verzeichnet Springer zwar einen EBITDA-Sprung von 22 Prozent auf 51 Mio. Euro. Das ist aber nur auf den ersten Blick toll. Der Umsatz sank nämlich von 296,4 auf 287,4 Mio. Euro. Grund für den Gewinnsprung sind Sparmaßnahmen und geringere Kosten, weil weniger entwickelt wurde. Operativ sieht es also auch hier mau aus. Es könnte natürlich alles noch schlimmer sein.

Döpfner betonte bei der Vorstellung der Zahlen, dass nur neun Prozent der Print-Werbeerlöse aus dem Geschäft mir Rubrikenanzeigen stammen. Die Kleinanzeigen sind am ehesten ins Internet abgewandert, so dass Springer hier vergleichsweise wenig gebeutelt ist. „Alle reden von der Print-Krise, ich kann es nicht mehr hören. Da muss man tapfer durch. Die Digitalisierung ist eine Chance“, zeigte sich Döpfner optimistisch. Das EBITDA in den kommenden zwei Quartalen im Vergleich zum Vorjahr erneut zu steigern, werde gleichwohl schwierig, schränkte er ein. Trotzdem hält Springer an der Prognose fest, das Rekord-Ergebnis vom vergangenen Jahr zu übertreffen.

Erfreulich für den Konzern ist auf jeden Fall der Blick ins Ausland. Die internationalen Zeitschriften steigerten den Umsatz um 6,4 Prozent auf 207,9 Mio. Euro. Vor allem die Zukäufe und Neugründungen in der Schweiz und in Polen sind für das Wachstum verantwortlich. Das EBITDA der internationalen Print-Aktivitäten kletterte von -9,8 auf 10,4 Mio. Euro.

Der Gesamtkonzern Axel Springer steht auf dem Papier nach wie vor sehr gut da. Im 1. Halbjahr wurde ein EBITDA von knapp 214 Mio. Euro erwirtschaftet, das ist ein Plus von 7,2 Prozent. Der Umsatz kletterte um rund 11 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Aber nochmal zur Erinnerung: Von den 214 Mio. Euro operativer Gewinn stammen dicke 160 Mio. aus dem rückläufigen deutschen Zeitungs-Geschäft. Eine Antwort auf dieses Zukunfts-Problem hat Döpfner noch nicht gefunden. Man kann es, wie Döpfner es tut, natürlich auch positiv formulieren: „Wir haben seit sieben Jahren Strategie-Kontinuiät.“ Nicht ganz freiwillig allerdings. Dass das Kartellamt die Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 verhindert hat, sitzt nach wie vor wie ein Stachel im Fleisch. Kommende Woche wird die gescheiterte Übernahme von ProSiebenSat.1 durch Springer vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verhandelt. Springer wehrt sich juristisch gegen das Bundeskartellamt, das die Fusion des Zeitungskonzerns mit der TV-Kette verhindert hat. Sollte sich nachträglich etwas an der kartellrechtlichen Bewertung ändern, wäre Springer nach wie vor bereit, einen Kauf von ProSiebenSat.1 zu prüfen. Das sagte Döpfner noch im März dieses Jahr.

Die derzeitigen Eigentümer von ProSiebenSat.1, die Finanzinvestoren KKR und Permira, wären einem Verkauf womöglich nicht abgeneigt. Bei ProSiebenSat.1 knirscht es an allen Ecken. Schlechte Zahlen, die schwierige Integration der skandinavischen Senderkette SBS, die wackelige Einführung eines neuen Werbe-Vermarktungsmodells, noch kein Ersatz für den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Guillaume de Posch – nur Probleme. Zur Zeit wird ProSiebenSat.1 an der Börse mit 700 Mio. Euro bewertet. Springer wollte seinerzeit vier Mrd Euro zahlen. Bekäme Döpfner den TV-Konzern zum Schnäppchenpreis, wäre er sicher bereit, die eine oder andere Problemkröte zu schlucken.

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