90elf legt mit Gute-Laune-Pop los

Bei diesem Radio ist der Name nicht die UKW-Frequenz, denn 90elf sendet weder über Antenne noch über Kabel, sondern streamt nur im Internet sein Programm. Das widmet sich ausschließlich dem Sport, den in zweimal 45 Minuten zweimal elf Spieler ausführen. "Deutschlands erstes Fußballradio" berichtet live und kostenlos über die gesamte Bundesliga. Zum Start an einem Mittwoch klingt 90elf allerdings wie ein Mainstream-Musikradio mit Fußball-Infotainment und Kicker-Gedöns.

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Der Schwerpunkt des 24-Stunden-Programms liegt auf der Live-Übertragung aller Spiele der 1. und 2. Bundesliga. Dazu kommt eine Konferenzschaltung. 90elf sendet über mehrere Kanäle gleichzeitig.

Unter der Woche kündigt 90elf Berichte und ein eigenes Musikprogramm an. Die aktuellen Übertragungen sollen mit Zusatz- und Hintergrundinformationen bereichert werden. Daneben soll es auch den beliebten User generated content wie Videos, Fotos und Chats geben.

Und was sendet 90elf am ersten Tag? Klanglich unterscheidet sich der Sender nicht von anderen Mainstream-Radios. Es gibt vor allem Musik. „Musik, die aus der Kurve kommt“, sagt der Moderator und weiter:“Immer Fußball und immer vernünftige Musik.“ Dabei handelt es sich selbstverständlich nicht um die großen deutschen Streichquartette oder Symphonien, sondern um US-amerikanische Rocksounds und Gute-Laune-Pop, gelegentlich auch etwas Sentimentales, mit Schwerpunkt auf lauten Stimmen und E-Gitarren.

Dazwischen erklingen Jingles und Informationen wie Ankündigungen zu Spielen des Tages, sogar im europäischen Ausland. Auch „stündlich die wichtigsten Fußballnachrichten auf drei Minuten“. Im „Ventil“ können Anrufer eine halbe Minute Dampf ablassen, „da, wo der Schnürsenkel wirklich zwickt“ in Sachen Fußball.

So ähnlich funktioniert auch die „Lusche der Woche“ und der „Schnitzer des Jahrhunderts“. Hier werden enttäuschende Spieler an eine Art öffentlichen Pranger gestellt. Weitere weiche Info-Elemente: Was hört Werder-Bremen-Stürmer Aaron Hunt auf seinem iPod? Und Telefonterror: Anrufe bei ahnungslosen Bürgern werden zu scheinbaren Live-Gesprächen zusammengeschnitten. Eine Angerufene war hörbar genervt. Der Moderator: „Aber die vergisst uns bestimmt nicht mehr!“

90elf gehört zur Berliner Regiocast-Gruppe. Das Medienunternehmen ist an mehr als 20 privaten Hörfunksendern beteiligt, darunter Delta Radio, Radio Schleswig-Holstein und Sky Radio Hessen. Das Programm von 90elf wird im Leipziger Radiozentrum produziert. Die Redaktion besteht zum Sendestart aus zehn Mitarbeitern. Zu den Reportern gehört auch Radio-Urgestein Günther Koch.

Für die Live-Übertragungsrechte der Bundesliga soll Regiocast einen sechsstelligen Betrag an die Deutsche Fußball Liga gezahlt haben, die Rede ist von fast einer Million Euro. Die Investitionen für den Sendebetrieb werden noch einmal auf mehrere Millionen Euro geschätzt.

Trotz der erheblichen Kosten und obwohl sich das Programm ausschließlich über Audio-Spots und Online-Werbung finanzieren soll, hoffen die Geschäftsführer Florian Fritsche und Dirk van Loh, im dritten Jahr den Break-even zu erreichen.

Eigentlich sollte das neue Fußballradio auch über das DVB-H-Format auf Mobiltelefonen zu empfangen sein. Diese Pläne fielen dem missglückten Start von Handy-TV zur Fußball-EM 2008 zum Opfer.

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