ZDF-Stars in der Quotenkrise

Das ZDF legt Hand an "Wetten dass..?" und will den Samstagabend-Dampfer wieder auf Quotenkurs bringen. Dafür trennen sich die Mainzer von dem langjährigen Bühnenbildner Pit Fischer und ersetzen ihn durch Florian Wieder. Der hat unter anderem für RTL die Kulisse zu "Deutschland sucht den Superstar" gestaltet. Grund für die Maßnahme: "Wetten dass..?" kämpft mit rückläufigen Quoten und einem schwächelnden Moderator. Auch andere Formate dürften den ZDF-Chefs Falten auf die Stirn treiben.

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So konnte der von RTL geholte ehemalige „Explosiv“-Moderator Markus Lanz die in in gesetzten Erwartungen bislang nicht erfüllen. Als Vertreter von Johannes B. Kerner holte Lanz im Sommer Marktanteile von 11,4% im Gesamtpublikum und 5,4% bei den 14- bis 49-Jährigen. Kerner lag 2008 bisher deutlich darüber: mit 13,1% bzw. 6,9% in der Zielgruppe. „Lanz kocht“, der Nachfolger von „Kerner kocht“, köchelt auf kleiner Quoten-Flamme. Die Sendung schaffte bisher im Durchschnitt Marktanteile von nur 9,7% im Gesamtpublikum und 6,2% bei den 14- bis 49-Jährigen. „Kerner kocht“ erreichte 2008 auch keine guten Zahlen, lag mit 10,4% und 6,6% aber immerhin knapp vor Lanz.

Auf die schmeichelhaften Fragen des „Focus“ („Manche behaupten, Sie seien der bessere Kerner. Stimmt das?“) durfte Lanz gerade antworten, dass er sich beim ZDF überhaupt nicht unter Quotendruck fühlt. „Beim ZDF frage ich manchmal erst am übernächsten Tag, welche Zahlen wir hatten. Weil Quote dort eben nicht alles ist“, so Lanz im „Focus“. Wenn er sich da mal nicht vertut. Auch wenn er nicht selbst nägelkauend vor dem Videotext sitzt, um die Quoten abzufragen – andere beim ZDF werden es tun und ganz genau beobachten, wie ihr neuer Moderator sich in der Zuschauergunst behauptet.

Nicht viel Glück hatte das ZDF auch mit Ernst-Marcus Thomas, dem Nachfolger von Andrea Kiewel beim „Fernsehgarten“. Die Sonntags-Vormittags-Show holte im Jahr 2008 bisher 16,3% im Gesamtpublikum und 7,6% bei den 14- bis 49-Jährigen. 2007 waren es noch wesentlich bessere 19,8% bzw. 10,8%. Es gingen also 3,5 bzw. 3,2 Prozentpunkte verloren. „Kiwi“ wurde gefeuert, weil sie unter anderem in ZDF-Sendungen Schleichwerbung für Weight-Watchers-Produkte betrieben hatte.

Es läuft nicht rund mit den neuen Formaten, die die Mainzer ausprobieren. Da ist es umso bedenklicher, dass auch der Show-Dino „Wetten dass..?“ Schwächen zeigt. Die letzte „Wetten dass..?“-Show vor der langen Sommerpause kam Anfang März aus Halle. 10,28 Mio. Zuschauer aus dem Gesamtpublikum schauten zu und 3,38 Mio. aus der Zielgruppe. Klingt nach viel, ist gemessen an „Wetten dass..?“-Standards aber alles andere als berauschend. Ende der 80er Jahre lockte die Sendung noch regelmäßig 20 Mio. Zuschauer vor den Fernseher. 2004 schauten zuletzt über 15 Mio. zu. Auch Gottschalk zeigt Nerven: „Mir ist der gemütliche 52-Jährige in seinem Fernsehsessel lieber als der bescheuerte 17-Jährige, der nur Klingeltöne runterlädt“, giftete er nach der Halle-Show in der „Bild am Sonntag“.

Seit Mitte 2007 hat die private Konkurrenz die Jagd auf die Bastion „Wetten das..?“ eröffnet. Jahrelang galt es als Usus bei den Privaten, dass gegen „Wetten dass..?“ kein Kraut gewachsen ist, folglich wurden eher unattraktive Programme dagegen programmiert. Das ist vorbei. „‚Wetten, dass..?‘ werden wir künftig häufiger ärgern“, sagte der RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger im Juni 2007 und programmierte in Folge Top-Hits wie „Deutschland sucht den Superstar“, „Wer wird Millionär?“ oder „Let’s dance“ gegen die ZDF-Show. Ergebnis: „Wetten dass..?“ fiel unter die Marke von 10 Mio. Zuschauern.

Zur Angriffslust der Konkurrenz kommen Ermüdungserscheinungen bei Show und Moderator. Gottschalk werden Altherrenwitze und allzu platter Sofa-Talk vorgeworfen. Internationale Gäste bleiben nur so lange wie nötig auf der Couch und verschwinden eilig, sobald sie können. Die Wetten wiederholen sich und die Wett-Einsätze werden immer banaler. In der Show aus Halle bestand der Wetteinsatz von Paris Hilton darin, dass sie sich mit einer Zuschauerin für ein Passbild zur Verfügung zu stellen.Na ja.

Kein Wunder, dass die ZDF-Oberen nun die Stadtwetten abschaffen wollen. Die Happenings, bei denen Bürger meist in albernen Kostümierungen in großer Zahl auflaufen, sind nicht mehr originell und ziehen die Show sehr in die Länge. Offiziell bestätigt wird das natürlich noch nicht. „Bei einem Erfolgsformat wie ‚Wetten dass..?‘ gibt es immer mal wieder kleine Anpassungen. Konkret ist mir hier aber nichts bekannt“, sagte ein ZDF-Sprecher zu MEEDIA.

Doch die Zeiten, in denen es als lustig galt, dass Gottschalk eine Dreiviertelstunde überzogen hat, sind vorbei. RTL beweist u.a. mit „DSDS“, dass man Live-Shows auf den Punkt genau produzieren und moderieren kann. All dies sorgt dafür, dass die Quoten erodieren. Die sechs „Wetten dass..?“-Shows der Saison 2006/07 holten im Gesamtpublikum noch 40,9% Marktanteil und bei den 14- bis 49-Jährigen 36,0% – die sechs Ausgaben 2007/08 landeten deutlich darunter bei 37,7% und 32,1%. „Wetten dass..?“ ist nach wie vor die meist gesehene Show im deutschen Fernsehen, aber die Zahlen gehen immer weiter zurück und nichts ist in Sicht, was Gottschalk und „Wetten dass..?“ beim ZDF ersetzen könnte.

Die Kritik an der Show hat längst Spekulationen entfacht, wer einst der Thron-Erbe vom „Thommy“ sein wird. Immer wieder wird Hape Kerkeling als Wunsch-Kandidat des ZDF genannt. Ebenso oft wird die Personalie dementiert. Gottschalks aktueller Vertrag läuft bis 2010, bisher wurde der Vertrag stets mit Handschlag verlängert. Ehrensache unter den Freunden Gottschalk und ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner. Beide fahren auch schon Mal zusammen in Urlaub fahren oder schenken sich Cowboystiefel zum Geburtstag. Teubners Vertrag läuft im nächsten Jahr aus und dem Vernehmen nach hat er im Sender bereits kundgetan, ihn nicht zu verlängern. Bei „Wetten dass..?“ ersetzt Teubners Stellvertreterin Birgit Göller den bisherigen Produzenten Viktor Worms. Ob Gottschalk seinen nächsten Vertrag auch noch mit Handschlag abschließt? Wir werden sehen.

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