Olympia: US-Zuschauer gucken in die Röhre

Spektakel der Superlative mit Schönheitsfehlern: Nicht nur die Chinesen, auch die Amerikaner müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, keine Live-Bilder zu senden. Der US-Sender NBC, der die exklusiven TV-Rechte an den Olympischen Spielen besitzt, zeigt die Wettkämpfe zum Teil zeitversetzt und im Internet nur eingeschränkt. Zuvor hatte ein Mitarbeiter des chinesischen Künstlerteams zugegeben, dass ein Teil der TV-Bilder vom imposanten Eröffnungs-Feuerwerk manipuliert worden war.

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894 Millionen US-Dollar hat NBC für die exklusiven Übertragungsrechte gezahlt. An Video-Feeds sind rund 2.200 Stunden vorgesehen – dennoch muss sich der US-Sender den Vorwurf gefallen lassen, seinen Zuschauern einige der besten Momente vorzuenthalten. Warum? Weil TV-Werbung immer noch mehr Geld einbringt als Web-Werbung, und sich der Sender von der Taktik verspricht, eine größere Reichweite zu erzielen. Manche, besonders beliebte Sportarten werden Sportfans daher nur im Fernsehen zu sehen bekommen – und zwar nicht live, sondern zeitversetzt. Auch der Wohnort macht einen Unterschied: Wer an der amerikanischen Ostküste lebt, konnte etwa Schwimmstar Michael Phelbs live dabei zusehen, wie er seinen eigenen Rekord über 400 Meter Lagen brach – an der Westküste nicht wurde der Wettkampf erst drei Stunden später ausgestrahlt.

Schon die Eröffnungsfeier etwa strahlte NBC 12 Stunden später aus, was dazu führte, dass viele Amerikaner ins Internet abwanderten, um die Olympischen Spiele dort in Echtzeit mitverfolgen zu können, berichtet die „New York Times“. Doch der Stream ließ zu wünschen übrig.

Versierte Nutzer suchten daraufhin nach technischen Lücken, etwa bei YouTube oder bei ausländischen Nachrichtenseiten, um NBC zu umgehen. Eine fanden sie laut „New York Times“ bei der ARD. Grundsätzlich ist es so, dass die Internet-Rechte am Bild an jedes Land einzeln verkauft werden. Meist bekommen sie dieselben Sender, die bereits die TV-Rechte besitzen. Auflage ist, dass die Live-Streams geschützt oder für das Ausland blockiert werden, so dass sie nur im eigenen Land abrufbar sind. Bei der ARD hat es diesen geographischen Schutz für eine Weile offenbar nicht gegeben.

Den Chinesen ging es bei der Bilder-Manipulation ums Image. Laut „Spiegel Online“ hat ein Mitarbeiter der Video-Produktionsfirma „Shui Jing Shi“ eingeräumt, einige der Feuerwerksbilder am Computer bearbeitet zu haben – und das ausgerechnet gegenüber einer chinesischen Zeitung, der „Beijing Shibao“. Zwischen Juni 2007 und Juli 2008 seien etwa die digitalen Fußstapfen aufgezeichnet worden und am Computer mit Tricks wie der Zublendung von Nebel aufgehübscht. Nur die Übertragung der letzten 29 Fußstapfen sei live gewesen, hieß es. Am Eröffnungsabend soll es Schwierigkeiten bei den Filmaufnahmen gegeben haben, wegen Flugeinschränkungen und zeitlicher Probleme. Das sei der Grund für die Entscheidung gewesen, bearbeitete Bilder zu senden.

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