NewsNetz.ch: Modell für Deutschland?

Im eidgenössischen Netz ist Schluss mit beschaulich: Mit dem Start von Newsnetz.ch ist der Kampf um die Nachrichten-Vorherrschaft im Alpen-Web eröffnet. Unter dem Dach einer gemeinsamen Online-Redaktion bündelt Tamedia – der zweitgrößte Schweizer Zeitungs-Verlag – die Netz-Aktivitäten seiner drei großen Regionalzeitungen. Bis Oktober will die Konkurrenz mit news1.ch nachziehen. Als Verlierer stehen Großverleger Michael Ringier und die ehrwürdige „Neue Zürcher Zeitung“ da.

Anzeige

„Unter dem Dach von Newsnetz.ch bauen wir die neuen Online-Portale der Basler Zeitung, der Berner Zeitung und des Tages-Anzeigers auf“, sagt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer gegenüber MEEDIA. Alle drei Objekte behalten ihre Internet-Adressen, die überregionalen Inhalte kommen jetzt aber von einer neu aufgebauten und gemeinsamen, über 30 Mann starken Online-Redaktion. Für eidgenössische Web-Verhältnisse ein journalistischer Großangriff. Der Schweizer Medien-Experte und Blogger Ronnie Grob warf bereits einen Blick auf die neue Seite und ist zufrieden: „Das Portal macht vom Design her schon einmal einen guten Eindruck“. Verantwortlich für die Mantelredaktion in Zürich ist Chefredakteur Peter Wälty – ein erfahrener Onliner. Wälty baute für Tamedia bereits den Internet-Auftritt der Gratiszeitung 20Min.ch auf.

Die Idee hinter Newsnetz birgt eine gehörige Sprengkraft. Denn durch den Zusammenschluss der drei Lokalzeitungen entsteht eine bundesweite Plattform mit tiefen regionalen Wurzeln. Verglichen mit Deutschland wäre das so, als ob sich die stärksten Lokalzeitungen aus Berlin, dem Rhein/Main-Gebiet und dem Revier zu einem gesamtdeutschen Portal vereinigen würden. Ein Traum für Vermarkter: Es ließe sich Werbung sowohl für den Frisör um die Ecke, als auch große bundesweite Kampagnen verkaufen. „Ich trauen diesem Projekt einiges zu“, sagt Grob gegenüber MEEDIA.

„Die Tamedia-Pläne haben die Konkurrenten jetzt schon gehörig aufgeschreckt“, so Grob. Am Dienstag gaben die sechs Regionalverlage Neue Luzerner Zeitung, St. Galler Tagblatt, AZ Medien, die Meier + Cie AG, die Südostschweiz Medien AG und die Zürich Land Medien AG bekannt, mit News1.ch eine Konkurrenz-Plattform aufbauen zu wollen. Starttermin für den Herausforderer soll im Oktober sein.

„Damit wächst nun der Druck auf die NZZ, die sich aus diesem Deal herausgehalten hat“, sagt Grob. Immerhin ist die „Neue Zürcher Zeitung“ über Beteiligungen am St. Galler Tagblatt und an der Zürich Land Medien AG indirekt mit an Bord.

Der zweite große Verlierer könnte der Ringier-Verlag sein. Das größte Schweizer Medienhaus konzentriert sich in seinem Heimatmarkt bislang vor allem auf zwei Web-Projekte: das Boulevard-Portal Blick.ch und die Wirtschaftsseite Cash-Daily.

Nach den aktuellen Zahlen von WEMF NET-Metrix – der Schweizer IVW – ist Blick.ch mit rund 1,5 Millionen Besuchern die Nummer zwei. Marktführer ist Tamedias 20Min.ch. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Newsnetz-Chefredakteur Wälty nun seine eigene Kreation 20Min.ch angreift. Das neue Nachrichten-Portal hat jedenfalls gute Chancen, eine Erfolgsgeschichte zu werden. Addiert man die aktuellen Zugriffszahlen der drei Regionalblätter, belegen sie jetzt schon Platz sechs im eidgenössischen Besucher-Ranking.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige