Die erfolgreichsten Websites Deutschlands

Vor einigen Wochen startete Netz-Gigant Google mit "Google Trends for Websites" und dem "Google Ad Planner" zwei Tools, die Nutzerzahlen von Millionen Websites hochrechnen und länderspezifisch ausweisen. MEEDIA präsentiert nun exklusiv erste Rankings der laut Google nutzerstärksten Websites und News-Angebote Deutschlands und analysiert, was die Zahlen aus den Google-Tools taugen. Eins der Ergebnisse: ebay.de, mozilla.com und wikipedia.org sind die Traffic-Giganten.

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Mit den beiden Diensten will Google Netzforscher wie Nielsen, Compete, comScore, Quantcast oder Hitwise angreifen, die in den USA derzeit den Markt für Trafficzahlen unter sich aufteilen. In Deutschland müssten sich auch Anbieter wie die AGOF und die IVW warm anziehen, wenn die Google-Zahlen gut sind. Bevor wir Ihnen unsere Meinung zu dieser Frage sagen und das Ergebnis unseres ersten Tests in Form ausführlicher Rankings zeigen, müssen noch ein paar Worte zu den Google-Zahlen angemerkt werden:

– „Google Trends for Websites“ weist für jedes halbwegs relevante Internet-Angebot die Zahl der „Daily Unique Visitors“ aus. Im „Google Ad Planner“, der momentan im Beta-Test läuft, wird daraus ein 30-Tage-Wert für „Unique Visitors“ errechnet. Nicht ausgewiesen werden die Zahlen Google-eigener Websites und die von Porno-Angeboten.

– Google zeigt die „Unique Visitors“ pro URL und nicht unbedingt pro Website. Beispiel: GMX taucht in den Google-Statistiken u.a. mit den URLs gmx.net, gmx.de und gmxattachments.net auf. Einen gemeinsamen Wert für alle URLs eines Anbieters gibt es nicht. Im Normalfall ist das allerdings kein Problem, die meisten Websites sind über eine populäre URL erreichbar. Zudem haben diese Zahlen den Vorteil, dass es nicht wie bei IVW und AGOF möglich ist, jede Menge Websites zu einem Angebot hinzuzählen zu lassen, weil der Betreiber meint, sie würden dazu gehören.

– Google weist für die Websites Gesamt-Zahlen für alle weltweiten Unique Visitors, sowie länderspezifische Zahlen aus. Für unsere Rankings haben wir die Unique Visitors, die laut Google aus Deutschland stammen, genutzt. In den Google-Diensten existieren keine vorgefertigten Rankings, die MEEDIA-Tabellen basieren daher auf intensiven Recherchen. Wir sind sicher, dass uns keine wichtige Website durch die Lappen gegangen ist, übernehmen dafür aber keine Gewähr.

– Woher genau Google seine Zahlen hat und wie sie errechnet werden, verrät der Internet-Multi nicht. Nur so viel: „Google Ad Planner data is estimated, based on an automated analysis of millions of search queries and site visits. However, Google Ad Planner data is accurate enough to be used directionally, and to provide valid planning recommendations. We’re continually working to improve the accuracy of these estimates over time.“ Es handelt sich also um Hochrechnungen, die gut genug sein sollen, um Trends aufzuzeigen.

– Derzeit werden die Zahlen im „Ad Planner“ und bei „Google Trends for Websites“ einmal monatlich aktualisiert. Die Zahlen in unserer Analyse stammen aus dem momentan aktuellsten 30-Tage-Zeitraum von Mitte Juni bis Mitte Juli.

Jetzt aber genug der Vorrede, kommen wir zu den konkreten Zahlen und den 25 laut Google besucherstärksten Websites in Deutschland:

Hinter den drei Google-Websites google.de, youtube.com und google.com, die laut anderen Anbietern die eigentlich populärsten in Deutschland sind, deren Traffic-Zahlen Google aber verschweigt, waren im Wertungszeitraum also ebay.de und mozilla.com die meistbesuchten URLs Deutschlands. mozilla.com profitierte dabei von der neuen 3.0-Version des Firefox-Browsers, der alle Nutzer der Software automatisch auf die Website brachte. Im Vormonat lag die Website noch bei rund einem Drittel der nun erreichten Unique Visitors – darauf wird man im kommenden Monat wohl auch wieder zurückfallen. Auf den weiteren Plätzen folgen mit jeweils ebenfalls mehr als 10 Mio. monatlichen Unique Visitors wikipedia.org, yahoo.com, web.de und amazon.de. Das GMX-Problem haben wir bereits erwähnt, würde man dort alle URLs zusammenzählen, würde auch GMX noch weiter vorn liegen. studivz.net und schuelervz.net liegen bei Google gleichauf, im Vormonat hatte schuelervz.net noch einen Vorsprung von rund 900.000 Unique Visitors. Mit spiegel.de findet sich auch ein Nachrichten-Angebot in der Top 25 – mit 5,10 Mio. Unique Visitors gleichauf mit myspace.com.

Der zweite Teil der Top 50 wird von bild.de angeführt – dort gab es laut Google im 30-Tage-Wertungszeitraum 4,30 Mio. Unique Visitors. Ebenfalls stark: Community wer-kennt-wen.de auf Platz 27. Ergänzt wird die Top 50 u.a. von einigen Shopping-Angeboten wie tchibo.de, neckermann.de und otto.de. Da Google nicht immer zwischen tatsächlich aufgerufenen Websites und eingeblenderter Werbung durch Pop-Ups etc. unterscheiden kann, finden sich auch Werbe-Anbieter wie mpnrs.com und mediaplex.com in der Liste. Platz 38 haben wir aus rechtlichen Gründen verfremdet – es handelt sich um eine verblüffend erfolgreiche Website, auf der sich ohne Gebühr (urheberrechtliche geschützte) aktuelle Kinofilme und TV-Serien anschauen lassen.

In einem dritten Ranking haben wir uns auf die erfolgreichsten Nachrichten-Websites in Deutschland konzentriert:

Hinter den auch in der Gesamt-Top-50 platzierten spiegel.de und bild.de folgen hier focus.de, welt.de und suedeutsche.de. tagesschau.de belegt hinter stern.de den siebten Platz. Besonders diese Information ist interessant, gehören doch die Websites von ARD und ZDF zu den wenigen redaktionellen Angeboten, die nicht bei AGOF und IVW auftauchen. tagesschau.de platziert sich damit inmitten der großen Anbieter und immerhin noch vor faz.net und zeit.de. Die ersten regionalen Website folgen auf den Plätzen 11 bis 13: rp-online.de, derwesten.de und abendblatt.de. Holtzbrincks Experiment zoomer.de liegt gleichauf mit dem gerelaunchten n24.de etwas abgeschlagen auf den Rängen 16 und 17 – immerhin aber noch vor ZDFs heute.de. Ebenfalls interessant: nytimes.com, die Website der „New York Times“ schaffte mit immerhin 320.000 Unique Visitors aus Deutschland den Sprung in die Top 25 – noch vor Angeboten wie taz.de, wiwo.de und fr.online.de.

Um all diese Zahlen nun einordnen zu können, bleiben wir gleich einmal bei den Nachrichten-Websites und vergleichen die Google-Angaben mit der aktuellen AGOF-Analyse. Zwar lassen sich die Zahlen nicht hundertprozentig miteinander vergleichen, da sich die AGOF-Zahlen auf die Monate Januar bis März beziehen und die von Google auf Juni/Juli, dennoch sollte ein Vergleich zeigen können, ob die Google-Zahlen vollkommen unrealistisch sind. Genau das ist aber offensichtlich nicht der Fall: Laut AGOF hatte spiegel.de beispielsweise im ersten Quartal monatlich 5,13 Mio. Unique User. Bei Google waren es im Juni/Juli 5,10 Mio. Unique Visitors. Ähnlich erstaunlich die Lage bei bild.de: AGOF weist 4,46 Mio. Nutzer aus, Google 4,30 Mio. focus.de hatte bei der AGOF 2,91 Mio. Unique User, bei Google sind es 2,60 Mio. Etwas größer sind die Unterschiede bei den folgenden Websites wie welt.de, sueddeutsche.de und stern.de. Ob die AGOF dort überbewertet oder ob Google nur bei den ganz großen Websites richtig liegt, lässt sich nur schwer sagen. Womöglich liegen die Nutzerzahlen in den bei Google in die Wertung gekommenden Sommermonaten auch nur unter denen des ersten Quartals. Ein weiterer vergleich der aktuellen Google-Zahlen mit der kommenden AGOF-Analyse sollte hier mehr Klarheit bringen.

Fürs Erste lässt sich jedoch sagen, dass die Google-Zahlen nicht vollkommen unrealistisch sind und zumindest in der Reihenfolge der Websites meist richtig liegen. So sind die Platzierungen in der Nachrichten-Top-Ten bei AGOF und Google bis auf tagesschau.de, das bei der AGOF nicht dabei ist und einem Plätzetauch zwischen focus.de und welt.de, vollkommen identisch. Auch ein Vergleich zwischen IVW-Visits und Google-Visitors zeigt fast identische Platzierungen in der Top Ten.

Für den deutschen Markt bietet die AGOF derzeit noch unschlagbare Vorteile wie demographische Daten, doch vor allem kostenpflichtige Zahlendienste wie Nielsen und comScore solten sich warm anziehen. Google hat auf Anhieb realistisch aussehende Zahlen auf den Markt gebracht, die noch dazu kostenlos sind. Für die USA bietet Google zudem ebenfalls schon Geschlechter- und Altersstrukturen an – auch hier gibt es keinen Vorteil mehr für Nielsen, comScore & Co. Und wer Google kennt, weiß, dass die bisherige Form von „Google Trends for Websites“ und „Ad Planner“ erst der Anfang sein werden. Die Tools werden weiterentwickelt, die Zahlen weiter verbessert. MEEDIA wird den neuen Mitbewerber im Markt der Internet-Nutzerzahlen auf jeden Fall weiter beobachten und von nun regelmäßig Rankings mit Google-Zahlen veröffentlichen.

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