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Öffentlich-rechtliches Radio ist Spitze

Die Radio-Sender der ARD gehen mit Erfolg aus der neuen Radio-MA 2008 II. 51,1 Prozent aller Deutschen und EU-Ausländer ab 10 Jahren hörten werktäglich mindestens einen öffentlich-rechtlichen Sender. Auch der Vermarkter ARD-Werbung Sales & Services (AS&S) kann zufrieden sein: Mit 10,75 Millionen Hörern pro Durchschnittsstunde liegt das Unternehmen klar vor dem privaten Konkurrenten RMS (kommt auf 8,58 Millionen Hörer). Bei den Sendern führt weiterhin Platzhirsch Radio NRW vor Antenne Bayern und SWR3.

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So verfügt Radio NRW laut MA 2008 II nun über 1,392 Mio. Hörer pro Durchschnitsstunde (werktäglich, 6 bis 18 Uhr), Antenne Bayern folgt mit 1,030 Mio. und SWR 3 mit 0,934 Mio. Vergleiche zu vorigen MA-Analysen können diesmal nicht angestellt werden, da sich die Grundgesamtheit der Untersuchung deutlich geändert hat. Statt nur Deutsche, die mindestens 14 Jahre alt sind, zählt die MA erstmals auch EU-Ausländer und Kinder im Alter von 10 bis 13 Jahren mit. Dadurch stieg die Basis der MA um 7,7% von 64,818 Mio. Leuten auf 69,828 Mio. Die Dauer des täglichen Radiokonsums liegt nunmehr bei 190 Minuten, ohne die neuen Zielgruppen waren es bei der MA 2008 I noch 186 Minuten. Am meisten Radio hören die Berufstätigen (273 Minuten), sowie die 30- bis 59-Jährigen (268 Minuten).

Hinter den drei großen Sendern Radio NRW, Antenne Bayern und SWR3 rückt WDR-Ableger 1Live mit nun 836.000 Hörern pro Durchschnittsstunde auf den vierten Platz vor – in der vergangenen MA lag man noch auf Rang 5. Womöglich profitierte der Sender von den neuen Zielgruppen der MA. Das Bayern-Funkpaket verliert hingegen zwei Plätze und findet sich auf Platz 6 hinter Bayern 1 wieder. Ein paar Plätze gut gemacht hat weiter hinten auch R.SH Radio Schleswig-Holstein, das sich nun auf Rang 21 wiederfindet. Die Top 25 der werberelevanten Sender sieht so aus:

Auch auf den Plätzen dahinter gibt es einige berichtenswerte Details. So kletterten im Südwesten Radio Regenbogen und SWR1 RP ein paar Ränge nach oben, Radio Hamburg fiel hingegen von Platz 26 auf 28. Noch deutlicher der Sturz von RTL Radio: In der MA 2008 I noch auf der 28, bleibt dem Kanal diesmal nur Rang 34. Ob das allerdings mit tatsächlichen Hörerverlusten zu tun hat – oder doch nur mit den MA-Änderungen – lässt sich nicht sagen. Nach unten ging es im Sender-Ranking auch für mdr 1 Radio Sachsen-Anhalt und die Ostseewelle Mecklenburg-Vorpommern, ein paar Plätze nach oben sprang das Sachsen-Funkpaket. In der Liste der Kombis führt weiterhin die große ARD-Kombi AS&S All Stars mit insgesamt 9,576 Mio. Hörern pro Durchschnittsstunde, dahinter folgen die RMS Super Kombi (8,585 Mio.) und die RMS Super Kombi Kompakt (7,191 Mio.). Auf den ersten zehn Plätzen finden sich sechs ARD-Kombis und vier RMS-Kombis:

Am ehesten vergleichbar sind die Marktanteile der Sender in den einzelnen Regionen – und genau das wollen wir nun tun. Aufgeschlüsselt nach Bundesländern haben wir jeweils die Marktanteile der wichtigsten Sender aufgelistet – und zum Vergleich die Zahlen der MA 2008 I. Im Gegensatz zur oberen Tabelle sind hier alle Sender aufgeführt und nicht nur werberelevante. Bei diesen Marktanteilen spielt logischerweise keine Rolle, dass die Grundgesamtheit der MA gewachsen ist. Lediglich die Gründe für die Marktanteilsänderungen bleiben im Dunkeln, denn hier spielen sowohl die neuen Zielgruppen der jungen Hörer und EU-Ausländer eine Rolle als auch Erfolg und Misserfolg der Sender. Starten wir mit den ersten sechs Bundesländern:

Auffällig sind hier u.a. die starken Marktanteilsgewinne von R.SH in Schleswig-Holstein und Bremen Vier in Bremen. Außerhalb unserer Liste legten auch N-Joy (+2,0) und delta radio (+1,9) in Schleswig-Holstein und R.SH (+2,2) in Hamburg deutlich zu. Offensichtlich haben im Norden also vor allem jüngere Sender von den neuen Zielgruppen (u.a. die 10- bis 13-Jährigen) profitiert. Relativ klar verloren haben NDR 2 in Schleswig-Holstein, NDR 1 in Bremen und hr 4 in Hessen, sowie außerhalb unserer Liste Oldie 95 (-2,7) und NDR 1 Welle Nord (-2,0) in Hamburg und radio ffn (-2,4) in Bremen. Vornehmlich also ältere Sender. Mit anderen Worten: Die Öffnung hin zu Kindern und EU-Ausländern verhilft jüngeren Sendern zu mehr Marktanteilspunkten, ältere Sender müssen sich von ein paar Zählern verabschieden. Etwas differenzierter sieht die Situation in den nächsten sechs Bundesländern aus:

In Rheinland-Pfalz ist der größte Marktanteils-Gewinner ausgerechnet Schlagersender SWR4 mit einem Plus von 1,6 Zählern. Verloren hat hingegen Marktführer RPR1. Eine entgegengesetzte Entwicklung ist in Baden-Württemberg zu beobachten: SWR4 verlor hier relativ klar, SWR3 und Radio Regenbogen (+1,7) gewannen. Sehr Interessant sieht es im Saarland aus: Radio Salü schob sich an beiden großen SR-Kanälen vorbei und führt nun den Markt an. Ob es an den EU-Ausländern liegt, die dort in Form von Franzosen stark vertreten sind? Schwer zu deuten sind die Zuwächse in Brandenburg: Dort gewannen beide großen Sender, Antenne Brandenburg und BB Radio im Gleichschritt hinzu, verloren haben hingegen mdr 1 Radio Sachsen (-1,9) und Energy Berlin (-3,5).

Auch in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gibt es einige Verwerfungen. So gewann NDR 1 Radio MV in Mecklenburg-Vorpommern deutlich hinzu, während die Ostseewelle und Antenne MV klar auf die Seite der Verlierer gehören. In Sachsen gilt ähnliches für das älteren mdr 1 Radio Sachsen und das jüngere Jump. Eins haben all diese Zahlen aber gemeinsam: Sie lassen sich aufgrund der neuen MA-Grundlagen sehr schwer einordnen. Die MA 2009 I, die im nächsten Frühjahr veröffentlicht wird, dürfte hier glücklicherweise wieder etwas mehr Klahrheit bringen.

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