Das Ende von AOL Time Warner

Es ist das Ende einer ungleichen Partnerschaft: Morgen wird Time Warner die Trennung von AOL bekanntgeben. Bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen in New York gibt der US-Medienkonzern Einzelheiten bekannt. Unklar ist noch, ob AOL verkauft wird oder ob die Geschäftszweige aufgespalten und mit Partnern betrieben werden. Die schwächelnde Internet-Tochter belastet Time Warner schon seit Jahren. Als mögliche Käufer werden EarthLink, Yahoo oder Microsoft gehandelt.

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Time-Warner-CEO Jeff Bewkes hatte die Abwicklung von AOL zur Chefsache gemacht. Trotz energischer Strategiewechsel war es über Jahre nicht gelungen, die Perspektive im Internetmarkt zu verbessern. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, gilt AOL-Konkurrent EarthLink als einer der Hauptinteressenten für eine Übernahme. AOL verfügt über einen Stamm von 8,7 Millionen Kunden, EarthLink nur über 3,3 Millionen. Daher sei es auch möglich, dass Time Warner beim Verkauf des Internet-Zugangsgeschäfts einen höheren Preis erzielen könnte als der von Analysten auf zwei bis drei Milliarden Dollar taxierte Wert. Für diesen Bereich ist Netzero ein weiterer Interessent. Daneben werden offenbar auch Gespräche über Kooperationen geführt. Als Kandidaten gelten hier Yahoo und, wie üblich, Microsoft.

In den vergangenen Monaten hatte Bewkes die internen Vorbereitungen für eine Abspaltung des Internetgeschäfts vorangetrieben. Sie sind laut „WSJ“ jetzt abgeschlossen. Für Time Warner käme vermutlich der Komplettverkauf am gelegensten, da bei Kooperationen die Verteilung von Anteilen und Margen schwieriger zu bewerkstelligen wäre. Allerdings könnten die Sparten des Unternehmes (neben dem klassischen Provider-Business und der Content-Unit zunehmen das Online-Werbegeschäft) auch separat betrieben werden. Zu diesem Zweck sind die Unternehmenszweige organisatorisch getrennt worden.

Dennoch gestalten sich die Verhandlungen mit möglichen Partnern zäh. Weder Yahoo noch Microsoft haben bislang offenbar ein akzeptables Angebot vorgelegt. Allerdings wurden die Gespräche durch die Versuche von Microsoft, Yahoo zu übernehmen, belastet. Die Yahoo-Spitze favorisiert Insiderberichten zufolge eine Minderheitsbeteiligung von Time Warner. Erstaunlich ist die Bewertung von AOL durch die Yahoo-Analysten, die dem Konzern unter Ausklammerung des Provider-Geschäfts einen Wert von rund zehn Milliarden US-Dollar attestieren. Allgemein erwartet wird, dass Time Warner einen Gesamtpreis um fünf Milliarden Dollar erzielen dürfte.

Seit der Fusion von Time Warner und AOL 2001 war die dotcom-Sparte eine Belastung für das Gesamtunternehmen geworden. Damals war das Traditionsunternehmen vom Newcomer AOL für 164 Milliarden US-Dollar gekauft worden. 2002 nach der Internet-Krise schlug in der Bilanz des Gesamt-Konzerns aber ein Rekordverlust von 99 Milliarden US-Dollar zu Buche. Kurze Zeit später ging die Macht im Konzern wieder auf die Time Warner-Seite über. Seither war immer wieder über eine Trennung der beiden Unternehmen spekuliert worden. Allerdings weisen Analysten auch darauf hin, dass AOL inzwischen profitabel ist, allerdings auf einem strategisch unbefriedigenden Niveau.

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