SID setzt Olympia-Chef Hennig ab

Der Sport-Informations-Dienst reagiert damit auf die Kritik zu IOC-freundlicher Berichte und stellt den OIympia-Redaktionsleiter Dieter Hennig frei. Das bestätigte der sid-Geschäftsführer Michael Cremer dem Journalisten Jens Weinreich. „Wir müssen in Peking differenziert berichten und dürfen uns nicht nur auf den rein sportlichen Aspekt beschränken. Wir dürfen nicht in so eine Hurra-Falle laufen“, zitiert Weinreich Cremer. Unterdessen beugte sich das IOC dem Druck der chinesischen Web-Zensur.

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Zensur, Restriktionen und Kontrolle: Die Hoffung auf ein freies Arbeiten und Surfen kann die internationale Presse wohl begraben. Eine Zusage Chinas für einen freien Internet-Zugang hat es nie geben. Gegebenheiten, vor denen auch der IOC-Präsident kapitulieren muss. Jacques Rogge spricht mittlerweile nur noch davon, den akkreditierten Journalisten einen „größtmöglichen Zugang“ sicherzustellen. Neuester Aufreger ist ein angebliches Blog-Verbot für Athleten.

Zur Beruhigung der aufgeregten internationalen Presse gab Rogge bereits am Sonntag eine außerplanmäßige Pressekonferenz. Auf ihr musste der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees eingestehen, dass Zensur-Problem und die Hartnäckigkeit der Gastgeber unterschätzt zu haben. „Wir sind Idealisten. Idealismus ist etwas, das mit Naivität verbunden ist.“ Ein skurriler Satz. Denn Rogge gilt allgemein als einer der ausgebufftesten Sport-Funktionäre der Welt.

Bereits vor Wochen bereitete sich das IOC akribisch auf einen möglichen Proteststurm der internationalen Presse und vieler Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vor. Dazu erstellte die Kommunikationsabteilung des IOCs ein spezielles „Briefing Kit“, das die IOC-Mitglieder einweist, wie sie mit dem Thema „Olympische Spiele in Peking” umgehen sollen. Viele Vor-Formulierte Standardsätze geben eine gewisse Hilfestellung, wie die Funktionäre mit kritischen Fragen umgehen können. Zu lesen ist das 48seitige PDF auf der Seite des „Report Mainz”. Ein solches Handbuch ist nicht verwerflich und gehört zur ordentlichen Vorbereitung auf ein solches Event. Die gespielte Überraschung der Sport-Funktionäre erhält dadurch allerdings einen faden Beigeschmack.

Zweiter Olympia-Aufreger ist die Frage, ob und wie die Sportler vor Ort bloggen dürfen. Das IOC erlaubt Internet-Tagebücher, doch dürfen diese auf keinen Fall „journalistisch“ sein. Die Athleten sollen nur über ihre Erlebnisse während der Wettkämpfe berichten. Der SWR berichtet darüber hinaus, dass es ein generelles Blog-Verbot für die Athleten geben soll, eine Direktive, die – laut „taz“ – gegen die bestehenden Regeln des Internationalen und des Nationalen Deutschen Olympischen Komitees verstoßen würde. Unklar ist, wie der SWR zu dem Schluss kommt, dass es Blog-Verbot für Sportler gibt.

Neben der Kontrolle des Internets verhinderte die chinesische Regierung auch die Belieferung des „Deutschen Hauses“ im Olympischen Dorf mit deutschen Zeitungen. „Das ist ein eklatanter Vorstoß gegen die Prinzipien der Pressefreiheit und den olympischen Geist“, kommentierte VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner die Umstände. Dieses Vorgehen stehe im klaren Widerspruch zu den Zusicherungen des IOC im Vorfeld der Veranstaltung. Den Journalisten von Fernsehen, Radio und Printemdien müsse die uneingeschränkte Arbeit vor Ort möglich sein.

Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ meldet, sind Verhandlungen des Verlages über eine „direkte, freie und zügige Belieferung des Olympischen Dorfes“ in den vergangenen Monaten gescheitert. Behördliche Begründung: Die chinesische Zensur brauche mindestens drei Tage, um Publikationen zu sichten, bevor sie freigegeben werden könnten.

Auch die Politik hatte sich bereits in den Streit eingemischt. Bundestagspräsident Lammert protestierte in einem Schreiben an den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach. Er müsse ihm seine „Fassungslosigkeit“ angesichts des „offensichtlich handfesten Ansinnens der chinesischen Behörden“ mitteilen, zitiert die „FAZ“ Lammert.

Auf Anfrage von Spiegel Online erklärte DOSB-Sprecher Gerd Graus, bereits in Peking vor Ort, es „wäre wünschenswert gewesen, wenn Herr Lammert sich nicht nur auf Medienmeldungen aus Deutschland verlassen hätte, sondern sich vor Ort bei uns erkundigt hätte“. Die Meldungen über das „Deutsche Haus“ hätten „hohe Wellen“ geschlagen, entbehrten jedoch eigentlich „jeder Grundlage“.

Ihm zufolge handelt es sich bei der Auslage der drei deutschen überregionalen Zeitungen „Welt“, „Süddeutsche“ und „Frankfurter Allgemeine“ um ein technisches Problem. Man wolle vermeiden, dass etwa drei Tage alte Zeitungen ausgeliefert würden. Die Sportler wollten schließlich möglichst zeitnah Berichte lesen. „Unser Bestreben ist es, möglichst aktuelle Zeitungen auszulegen“, so Graus.

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