DFL sucht Wege aus der TV-Krise

Jürgen Doetz, Chef des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), hat mächtig Schaum vor dem Mund: "Es ist einfach dreist", empörte sich Doetz im Interview gegenüber dem "Tagesspiegel". Die Position des Bundeskartellamts spiele lediglich der ARD und der "Sportschau" zu. Die Privatsender sehen sich bei der Vermarktung der Fußballrechte durch die Entscheidung des Kartellamts schwer benachteiligt. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) sucht jetzt nach einer Lösungsmöglichkeit aus der Vermarktungskrise.

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Nachdem das Bundeskartellamt seine Entscheidung bekannt gegeben hatte, wirkte die DFL ratlos. Offensichtlich hatte man sich zu sehr darauf verlassen, dass die Kartellwächter das von der Liga vorgeschlagene Ausschreibungsmodell akzeptieren. Ein zeitnah umsetzbarer Alternativplan liegt jedenfalls nicht vor. Man müsse jetzt, kündigte Christian Seifert, Geschäftsführer der DFL, „einen Plan C, vielleicht sogar einen Plan D und E entwickeln“. Das „Handelsblatt“ stellt mögliche Szenarien vor.

Plan B: Die DFL erhebt Einspruch gegen die Entscheidung der Wettbewerbhüter. Die DFL lässt derzeit prüfen, ob sie juristisch gegen das Bundeskartellamt vorgehen kann. Das Problem dabei: Die Aufsichtsbehörde hat das Vermarktungsmodell der DFL nicht förmlich untersagt, sondern lediglich eine Empfehlung ausgesprochen. Die Liga kann demnach keine förmlichen Rechtsmittel einlegen, sondern lediglich seine Gegenposition vorlegen.

Plan C: Die DFL schlägt einen Kompromiss vor, der eine Zusammenfassung der Samstagsspiele im frei empfangbaren Fernsehen vor 20 Uhr vorsieht. Ein derzeit diskutierter Vorschlag: Eine ARD-Mini-„Sportschau“ fasst die wichtigsten Spielszenen in 30 Minuten zusammen, die ausführliche Spiel-Berichterstattung fände im Privatfernsehen statt – so wie es das abgelehnte Vermarktungsmodell ursprünglich vorsah. Als Befürworter der Kompromisslösung gelten auch die Privatsender RTL und Sat.1.

Plan D: Die DFL schreibt ihre Rechte wie bisher selbst aus. Dann allerdings müsste die Liga mit finanziellen Einbussen rechnen: Statt der von Leo Kirch garantierten 500 Millionen Euro pro Saison erwarten Experten nur noch 400 Euro. Eine Einbuße, die Funktionäre wie Bayern Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf den Plan rufen: Damit sei die internationale Wettbewerbsfähigkeit noch stärker gefährdet.

Plan E: Die DFL entschließt sich zur dezentralen Vermarktung, dem radikalsten aller Szenarien. Dies würde die Vermarktungsriesen der Liga wie den FC Bayern München mit einem Geldsegen überschütten, die kleineren Klubs aber vor existenzielle Probleme stellen. Die wirtschaftliche Kluft zwischen den Klubs würde noch größer werden. Der FC Bayern könnte als Selbstvermarkter ungefähr 100 Millionen Euro einnehmen – viermal so viel als bislang

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