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Bild.de nahm Obama-Story vom Netz

"Bild" meets Barack Obama - Peinlichkeiten inklusive: Weil eine Klatschreporterin Obama beim Berlin-Besuch in einem Fitness-Studio undercover auflauerte und darüber einen reichlich ausgeschmückten Aufmacher veröffentlichte, reagierte der Kandidat genervt. "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann hatte zunächst von einer "tollen Reporterleistung" gesprochen und seinem Blatt einen Erfolg gegen die "Wahlkampfmaschine" Obamas bescheinigt. Seltsam nur, dass die vermeintliche Super-Story zwischenzeitlich mehr online war.

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„Das war ja letztlich nur eine regionale Geschichte“, erklärt „Bild“-Sprecher Tobias Fröhlich gegenüber MEEDIA. Eine „regionale Geschichte“, die es immerhin auf Seite eins der Bundesausgabe geschafft hat. Die genauen Hintergründe der Entscheidung der Chefredaktion, die Story aus dem Netz zu nehmen, kenne er nicht: „Es gibt jedenfalls keine rechtliche Auseinandersetzung.“ Mittlerweile wurde die Geschichte bei Bild.de wieder online gestellt. Gegenüber der „New York Times“ hatte Obama gesagt, er fühle sich von der „Bild“-Zeitung „abgezockt“. Und: „Wir wurden übers Ohr gehauen.“

Was sich exakt in der Workout-Zone des Berliner Ritz Carlton abgespielt hat, wird wohl nie aufgeklärt werden. Die Hauptpersonen: Barack Obama, Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, und Judith Bonesky, Hauptstadt-„Stalkerin“, äh „Talkerin“ von „Bild“. Beide tragen Sportkleidung.
Die unspektakuläre Variante dessen, was sich abspielte, veröffentlichte die „New York Times“, die Barack Obama so zitiert: „Wir betreten das Sportstudio. Sie ist schon auf dem Laufband. Sie sieht aus wie ein ganz gewöhnliches deutsches Mädchen. Sie lächelt und winkt verlegen, macht sich aber nicht die Mühe, etwas zu sagen. Als ich wieder gehe, sagt sie: Oh, kann ich ein Foto haben? Ich bin ein großer Fan.“

In „Bild“ und auf Bild.de liest sich das so: „Während Tausende an der Siegessäule warteten, traf ich, die ‚Bild‘-Reporterin, Barack Obama alleine im Fitness-Studio.“ Und weiter: „Die Tür geht auf. ER ist es wirklich! ER (1,87 Meter) ist viel größer, als ich ihn mir vorgestellt habe.“ „Hallo, wie geht’s?“ fragt er auf Englisch mit kräftiger, sehr männlicher Stimme. Ich antworte: „Sehr gut. Und wie geht es Ihnen? …. Ich heiße Judith.“ ER: „Ich bin Barack Obama. Schön, dich kennenzulernen.“ Es folgen Betrachtungen über die „knackige Hinteransicht“ Obamas und die Reporterin bekennt: „Ich bin jetzt noch so in meinem Traum drin.“

Vielleicht hat sie deshalb nicht daran gedacht, Obama ein kleines Detail zu verraten: Dass sie von der „Bild“-Zeitung ist und, was immer er sagt, in der nächsten Ausgabe erscheinen wird. Im Übrigen auch das, was er nicht sagt.

Gegenüber der „New York Times“ bekannte Obama „Wir sind übers Ohr gehauen worden.“ Für „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann ist die Story dagegen geradezu ein Triumph der freien Presse. Man habe „Obamas ausgeklügelte, bis ins letzte geplante PR-Inszenierung gestört. Das war eine tolle Reporterleistung, denn ‚Bild‘ ist nicht Teil der Wahlkampfmaschine.“ Barack Obama quittierte den Vorfall im „New York Times“-Interview leicht resigniert: „Ich merke erst jetzt, an was ich mich noch alles gewöhnen muss.“

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