Bertelsmann: Sony-Deal wird konkret

Bertelsmann will sich in Kürze von seiner Musiksparte trennen. Wie die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei" mit Berufung auf Insider-Kreise berichtet, übernimmt die Sony Corporation den 50-Prozent-Anteil, den der Gütersloher Konzern an dem Joint Venture Sony BMG Music Entertainment hält. Sony verspricht sich als alleiniger Inhaber des Musiklabels eine bessere Marktposition gegenüber dem Marktführer Universal Music Group. Als Kaufpreis hat Sony rund 590 Millionen Euro ins Spiel gebracht.

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Sony soll am Dienstag Abend Verhandlungen mit Bertelsmann aufgenommen haben. Der japanische Elektronikkonzern besitzt ein Vorkaufsrecht auf die Anteile des Partners. Ursprünglich hatte Bertelsmann auf eine Summe von 1,8 Milliarden Euro für seinen Anteil spekuliert. Eine endgültige Einigung wird frühestens für Anfang August erwartet.

Ein Bertelsmann-Sprecher sagte zu den aktuellen Verkaufsgerüchten gegenüber MEEDIA: „Kein Kommentar“. Der Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski hatte bisher lediglich orakelt, dass sowohl ein Verkauf der Anteile als auch eine Übernahme der Sony-Beteiligung denkbar wäre, es sei eine Frage des Preises.

Bereits im Juni drangen Informationen nach außen, nach denen sich Bertelsmann ganz aus dem kriselnden Musikgeschäft zurückziehen wolle. Zuvor hatte sich der Gütersloher Konzern bereits von seinem durchaus profitablen Musikverlagsgeschäft getrennt. Angesichts der hohen Verschuldung, die aus dem 4,5 Milliarden Euro teuren Rückkaufs eigener Aktien resultiert.

Sony Music Entertainment Inc und die Bertelsmann Music Group waren 2004 zur Sony BMG Music Entertainment fusioniert. Der neu entstandene Musikkonzern ist die Nummer zwei nach Universal und hat einen Anteil von rund 20 Prozent am weltweiten Musikgeschäft.

Im Juli 2006 gab der Europäische Gerichtshof einer Klage unabhängiger Musikproduzenten statt und untersagte das Joint Venture. Die EU-Kommission habe nicht ausreichend nachweisen können, dass durch die Fusion keine dominante Marktposition geschaffen würde, hieß es in der Begründung.

Im Juli 2008 hob der Europäische Gerichtshof das Urteil Erster Instanz wegen „mehrerer Rechtsfehler“ wieder auf. Kurz nach dieser höchstrichterlichen Sanktionierung trennen sich die Protagonisten nun freiwillig, ein Jahr vor dem vertraglich festgelegten Ende des Joint Ventures im August 2009.

Der Umsatz von Sony BMG betrug in den zwölf Monaten bis Ende Juni 2008 rund 820 Millionen Dollar gegenüber 875 Millionen im Vorjahreszeitraum, ein Minus von sechs Prozent. Der Einbruch wird mit dem rückläufigen CD-Geschäft begründet. Das Label hat unter anderem die Künstler Justin Timberlake, Bushido und Beyonce unter Vertrag.

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