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FC Bayern will die 30-Minuten-„Sportschau“

Die Vermarktung der Fußballrechte ab 2009 bleibt nach der Kartellamts-Entscheidung umstritten. Während der Kirch-Vertraute Dieter Hahn im "Spiegel" einen möglichen Verzicht der Sirius-Gruppe andeutete, bekundet laut "Focus" inzwischen Rupert Murdoch Interesse an den TV-Rechten. Kreativer Vorstoß von Rekordmeister FC Bayern: Dessen Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge droht mit Ausstieg aus der Zentralvermarktung und will eine radikale Verkürzung der ARD-"Sportschau" erzwingen.

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Am Tag fünf nach der Entscheidung des Kartellamtes, das bisher geplante Vermarktungsmodell der DFL zu stoppen, zeichnet sich kein Ausweg ab. Die Allianz zwischen der Deutschen Fußball-Liga und dem Medien-Unternehmer Leo Kirch zeigt nach außen noch keine Risse. Kirch hatte der Liga 500 Millionen Euro pro Saison garantiert und die Mehreinnahmen gegenüber den derzeitigen Erlösen (ca. 420 Millionen Euro) durch Exklusiv-Verträge mit Pay-TV-Sendern wie Premiere generieren wollen. Dies wird nach der Empfehlung des Kartellamtes kaum möglich sein, da die Behörde verlangt, dass die Bundeliga-Zusammenfassungen vor 20 Uhr im Free-TV, sprich in der ARD-„Sportschau“ zugänglich gemacht werden müssen. Für Dieter Hahn, rechte Hand von Leo Kirch, ist durch diese „willkürliche Entscheidung“ die Basis verloren, „500 Millionen zu garantieren“. Die DFL will aber zunächst weiter mit Kirch verhandeln.
Die zögernde Haltung von Kirch hat einen Investor auf den Plan gerufen, der traditionell das Risiko nicht scheut: Rupert Murdoch, der seit einigen Monaten erneut massiv auf den deutschen Markt drängt, prüft laut „Focus“ eine 450-Millionen-Euro-Offerte. Würde er sich damit durchsetzen, hätte der Tycoon ein attraktives Paket, mit dem er seine Zukaufspläne (Sat1) vorantreiben könnte. Quellen nannte der „Focus“ allerdings nicht.
Unterdessen berichtet die „Welt“ von einem Vorstoß aus der Liga. Rekordmeister FC Bayern habe dem Kartellamt gedroht, aus der Zentralvermarktung durch die DFL auszuscheren. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist überzeugt, dass der Klub in Eigenregie 100 Millionen aus der Vermarktung seiner Spiele erlösen könnte. Derzeit sind es nur 25 Millionen. Auch wenn ein Alleingang unwahrscheinlich ist, eröffnet dies einen möglichen Mittelweg: Demnach könnte die „Sportschau“ stark verkürzt als 30-Minuten-Format die wichtigsten Höhepunkte der Spiele zusammenfassen; alles andere bliebe den Pay-TV-Sendern vorbehalten oder dürfte erst nach 22 Uhr ausgestrahlt werden. Nach Auffassung der Bayern-Funktionäre bliebe damit das Grundrecht auf Informationsfreiheit gewahrt.
Der DFL scheint dieser Mittelweg als Option noch nicht interessant zu sein. Ligaverbands-Geschäftsführer Christian Seifert beschuldigt das Kartellamt, den Wettbewerb zu verhindern und Interessenspolitik für die ARD zu betreiben.

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