Blödsinn am Sonntag

Minutenlanges Kopfschütteln hat die aktuelle „Bild am Sonntag“ bei mir erzeugt. Unter der Headline „Die 50 besten Schauspieler“ wird schon auf der Titelseite eine „Quoten-Studie“ angekündigt, die zweifelhafter kaum sein könnte. Noch schlimmer wird es im Innern der Zeitung, wo die Zahlen doch tatsächlich auch noch mit „Das sind die wahren Quotenstars“ überschrieben sind: Was […]

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Minutenlanges Kopfschütteln hat die aktuelle „Bild am Sonntag“ bei mir erzeugt. Unter der Headline „Die 50 besten Schauspieler“ wird schon auf der Titelseite eine „Quoten-Studie“ angekündigt, die zweifelhafter kaum sein könnte. Noch schlimmer wird es im Innern der Zeitung, wo die Zahlen doch tatsächlich auch noch mit „Das sind die wahren Quotenstars“ überschrieben sind:

Was hat die „BamS“ getan? Sie hat aus einer Liste von 300 Schauspielern und Schauspielerinnen eine Top 50 der angeblich beliebtesten Darsteller errechnen lassen, basierend auf den Einschaltquoten des ersten Halbjahres. Der große Fehler an der Sache: Man hat ganz einfach alle Quoten addiert. So landet Ottfried Fischer mit insgesamt 81,57 Mio. Zuschauern auf Platz 1, nur weil sein „Bulle von Tölz“ im ersten Halbjahr inklusive Nacht- und Nachmittagswiederholungen nach meinen Recherchen 43 mal bei Sat.1 ausgestrahlt wurde.

Nur weil die Filmreihe eines Schauspielers aus Spargründen oder weil der Sender gerade nichts anderes im Lager herumliegen hatte, 43 mal ausgestrahlt wird, macht das den Hauptdarsteller aber noch lange nicht zum „wahren Quoten-Star“. Und nur weil die vielen tatsächlichen Quoten-Stars nicht so viel arbeiten, dass innerhalb von sechs Monaten 43 ihrer Filme gezeigt werden, sind sie noch lange nicht weniger beliebt. Noch zweifelhafter wirkt der Platz 1 für Ottfried Fischer, wenn man sich vor Augen hält, dass die Zeit des „Bullen von Tölz“ allmählich zu Ende geht und die Quoten mittlerweile alles andere als gut aussehen.

Wer kommt auf eine Idee, ein solch beliebiges Ranking erstellen zu lassen und hat dann noch die Unwissenheit, die Geschichte so groß zu machen und ein Drittel der Titelseite damit zu füllen? Und wie kann man sich in einer solch offensichtlich blödsinnigen Geschichte auch noch darüber wundern, dass nicht etwa Heiner Lauterbach oder Veronica Ferres das Ranking anführen. Wären 43 Filme mit den beiden gezeigt worden, hätten sie Fischer sicher verdrängt.

Die „Bild am Sonntag“-Geschichte ist umso ärgerlicher, als ein Beliebtheitsranking für Schauspieler anhand von Einschaltquoten ja eigentlich sogar eine relativ gute Idee ist. Die Methodik und Umsetzung sind aber vollkommen ungenügend und kein bisschen durchdacht, weil sie die Schauspieler nach oben spült, deren Filme besonders oft gezeigt wurden. Die Tatsache, dass man nur Produktionen mit einer Mindestlänge von 90 Minuten gewertet hat, erscheint dabei auch ein wenig seltsam. Denn so zählen wöchentlich ausgestrahlte, erfolglose „Bulle von Tölz“-Folgen, aber beispielsweise keine wöchentlich ausgestrahlten mega-erfolgreichen „In aller Freundschaft“-Episoden. Vielleicht wollte man sich bei der „BamS“ ja aber auch einfach nicht seine eigene Geschichte zerstören – mit einem Ranking, dass eigentlich so hätte aussehen müssen:

1. Frank-Thomas Mende (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Lisa Riecken (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Hans Christiani (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Wolfgang Bahro (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Daniel Fehlow (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Felix von Jascheroff (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Susan Sideropoulos (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Josephine Schmidt (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Ulrike Frank (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Anne Menden (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Jörn Schlönvoigt (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Olver Bender (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Pete Dwojak (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Jessica Ginkel (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Nik Breidenbach (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Kristin Meyer (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Sarah Tkostch (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Raúl Richter (628,33 Mio. Zuschauer)
1. Alexander Becht (628,33 Mio. Zuschauer)

Sie kennen diese Namen nicht? Sie alle spielen laut „Wikipedia“ derzeit bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ mit – und sie alle sind die eigentlichen Quotenstars der Deutschen – zumindest wenn man auf die Idee kommt, Zuschauerzahlen von Fernsehsendungen zu addieren.

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